Der Frauenmangel in China

Kürzlich wurde ich befragt, ob ich nicht etwas über den Frauenmangel in China berichten könne. Der folgende Text entstammt von meinem Mann aus dem Kopf heraus. Eigentlich ist der Frauenmangel kein großes Thema in China, worüber man täglich spricht. Deshalb hat er dieses Thema selbst „analysiert“ und vielleicht ist auch nicht alles richtig. Ich hoffe aber trotzdem, dass dich der Text etwas weiter bringt. Und ja…vielleicht interessiert das Thema ja noch einige andere^^

Die chinesische Mentalität und die Geschichte Chinas, das sind wohl die Hauptgründe des heutigen Frauenmangels.

Die Mentalität:

Viele arme Famlilien wünschten sich männliche Nachkommen, da bekanntlicherweise Männer härtere Arbeit verrichten können, als Frauen. Männer waren also von mehr „nutzen“, als Frauen. (Dieser Punkt ist jedoch kein spezifisch „chinesischer“ Punkt und ist bzw. war in vielen anderen Ländern auch so).

chinesisches zeichen für mannAllein an der Schreibweise des Wortes „Mann“ kann man viel heraus leiten:
Das Wort „Mann ()“ besteht aus zwei Teilen. Zerteilen wir mal das Wort in zwei Hälften. Dann haben wir einmal was Wort (Feld) und (Kraft). Das chinesische Wort für Mann setzt sich also aus den Wörtern Feld und Kraft zusammen.
Frauen betrachtete man damals als „Last“. Denn zwar erziehte man sie, aber später verlassen sie die Famlilie. (In die Familie des Mannes einheiraten).
Zudem sehen auch jetzt immer noch viele Chinesen Männer als Altersvorsorge, in der Hoffnung, dass diese in Zukunft sich um die Eltern kümmern.

Die Ahnenlinie

Die Chinesen sind der Meinung, dass nur Männer den eigenen Namen und das Blut (und evtl. Familiengeschäft) an die Nachkommen weiter geben kann.
Bei Frauen wird ja der Name nicht weiter geleitet und sie empfinden, dass das eigene Blut in der Linie „verloren“ geht.

Geschichte:

Als Mao Zedong die VR China ergründete, hatte er im Hinterkopf schnell die Wirtschaft und das Militär zu entwickeln. Und dafür brauchte man vorallem Männer.
Mao setzte das Volk einer „Gehirnwäsche“ durch. Er erschuf die „Hero Mama“. Eine Mutter, die viele Kinder in die Welt setzt, ist eine Hero Mama und bringt Ehre für das Land. Und natürlich besonders, wenn sie Söhne auf die Welt bringen.
Und so nebenbei angemerkt, das ist auch ein Grund, warum es jetzt in China so viele Menschen gibt. Die Population hat damals aufgrund von Mao und der „Hero Mama“ einen erheblichen Sprung vollbracht.

Der Grundgedanke dieser Mentalität und Geschichte, obwohl sich heutzutage einiges geändert hat, bleibt im Gedanken der Chinesen verankert.frauenmangel in china

Die Situation Heute

Aufgrund der oben genannten Gründe entstanden viele interessante/ merkwürdige und aber auch „kranke“ Situationen. Hier einige Beispiele:

1. Der Konkurrenzkampf. Da so ein großer Mangel an Frauen besteht, ist der Konkurrenzkampf der Männer sehr hoch. Reichtum und gutes Aussehen ist hierbei sehr wichtig. Siehe dazu den Text Gaofushuai
Gleichzeitig besteht auch ein Konkurrenzkampf bei den Frauen. Die Frauen in China sind selbst etwas eigenartig geworden. Denn sie wissen selbst, wenn sie hübsch und noch jung sind, sich
einen guten, reichen Mann angeln können. Reiche Männer wiederum können sich einfach zwischen viele Frauen entscheiden oder einfach gleichzeitig mehrere Geliebte am Laufen haben. Darum gibt es auch einen Konkurrenzkampf zwischen den Frauen.
Unter solchen Bedingungen hat sich der Gedanke schon sehr geändert und viele Frauen suchen sich auch ausländische Männer, weil sie sich von denen eine bessere Zukunft erhoffen.

2. Heiratsvermittler. Die Heiratsvermittler sprießen nur aus allen Löchern. Hierrunter gibt sowohl private als auch staatliche Heiratsvermittler.
Warum gibt es noch staatliche Heiratsvermittler? Weil das Leben eines jungen Chinesen eigentlich nur aus Lernen besteht. Wenn sie denn endlich damit mal fertig sind, sind die schon fast 30. Die Heiratsvermittler sollen diese dann unterstützen einen Partner zu finden.
Und warum wird so viel gelernt? Kinder in China müssen alles lernen. Man muss vom Startpunkt an beginnen zu lernen, um später eine bessere Zukunft zu erlangen. Von kleinauf lernen sie Musikinstrumente zu spielen und sogar mehrere Sprachen. Ein Alltag eines Schülers ist vollgestopft mit Aufgaben. Man sieht oft sogar, dass Schüler bereits weiße Haare haben, weil der Stress, der auf deren Schultern lagert extrem hoch ist. Selbstmorde sind auch schon keine Seltenheit.

3. Frauendiebstahl und verkauf: Ein extremes Beispiel ist der Frauenhandel. In China gibt es unendlich viele Nachrichten über Frauenentführungen. Meistens werden Frauen entführt und dann in ärmeren Gebieten verschleppt und dort verkauft.
In armen Gebieten ist der Wunsch eines Sohnes und der daraufhin resultierende Frauenmangel noch extremer. Um das dann wieder auszugleichen, werden Frauen illegal erkauft.

4.Besuche im Bordell. Der Gang zu Prostituierten ist eigentlich ein Gegensatz der chinesischen Kultur, da dies als unmoralisch angesehen wird. (Außerdem ist es in China verboten).
In Kanton gab es eine Nachricht, dass wieder über tausend Prostituierte gefangen wurden in einer einzigen Stadt.
Dadurch, dass also so ein Frauenmangel besteht, erhäuft sich der Gang zum Bordell bei den Männern.

 

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10 comments

  1. Hi Ting Ting!!

    Danke für deinen Beitrag!! Schön, dass du aus dem Bloggertief wieder so ein bisschen draußen bist!

    Zum Artikel:

    Unter solchen Bedingungen hat sich der Gedanke schon sehr geändert und viele Frauen suchen sich auch ausländische Männer, weil sie sich von denen eine bessere Zukunft erhoffen.

    Diesen Gedanken hatte ich in Taiwan auch sehr häufig. Ah, weißer Typ, gleich mal anmachen. Das fand ich allerdings immer zu leicht durchschaubar, einfach weil es klar ist, worauf das abzielt. Vor allem, wenn sie gleich am ersten Abend mit zu mir will – gleich den Zonk gezogen. Tschüss. Auch ein wesentlicher Grund, die Finger von solchen Mädels zu lassen.

    Bin wahrscheinlich eher Konservativ was das Thema angeht. Witzig ist es, wenn Sie das nicht merkt. haha!! 😉

    Viele Grüße

    1. Hall Dunkelangst,

      ja, ich glaube so eine lange Lücke zwischen den Posts hatte ich noch nie. So richtig in Schreiblaune bin ich leider immer noch nicht gekommen :-/

      Find ich aber gut, dass du Dich nicht auf sowas eingelassen hat. Viele andere würden das ja schamlos ausnutzen 🙄

  2. Hi Ting Ting,

    vielen vielen Dank für den Artikel 🙂 es waren ein paar Informationen dabei die man tatsächlich im Internet bei dem Thema nicht findet, du konntest mir wirklich weiterhelfen. Nochmal vielen herzlichen Dank <3
    LG Katharina

    PS: Ich werde deinem Blog weiterhin folgen :3

    1. Hallo Katharina,

      das freut mich, dass wir dir etwas weiter helfen konnten 🙂
      Ich drücke dir die Daumen fürs Abitur am Montag!

  3. Hallo Ting Ting,
    wer sich mal etwas ernsthaft über Mädchenschicksale in China beschäftigen möchte, dem sei folgendes Buch anempfohlen.

    Titel: „Wolkentöchter“
    Autorin: Xinran
    ISBN 978-3-426-19901-5

    Viel Vergnügen beim Lesen.

  4. Mag sein dass der Besuch im KTV in der Gesellschaft als unmoralisch angesehen wird, er ist dennoch normal in China. Prostitution ist überall vorhanden und wird auch nur oberflächlich bekämpft.

    Hier in Shanghai gibt es riesige „International Clubs“ und KTVs in die Chinesen mit ihren Geschäftspartnern gehen. Die Stellen auch brav Fapiaos aus damit der Puffbesuch auch von der Steuer abgesetzt werden kann.

    Auf Ausländer sind die freilich nicht eingestellt, diese merkwürdige Art der Erotik (in ein Mikrofon Brüllen aus Vorspiel)wirkt auch sehr befremdlich auf Westler.

    1. Ja, der Besuch bei Prostituierten ist normal in China und geht auch weit zurück. Das wollte ich auch gar nicht bestreiten.

      Ich meinte nur, dass es sich wesentlich vermehrt.Allein wenn ich mal in einem Hotel nächtige und alle paar Stunden jemand an der Tür vorbei läuft und unanständige Kärtchen durchschiebt.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Prostitution_in_der_Volksrepublik_China#Prostitution_nach_1978

      Bezüglich der Nachfrage verbindet man die Prostitution mit der Ungleichheit der Geschlechter, die durch die Ein-Kind-Politik verursacht wurde.

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