Als wir nach Guiyang geflogen sind, hatte mein Mann mir schon monatelang vorgeschwärmt. Er hat dort als Kind die Ferien bei seinen Großeltern verbracht und immer wieder gesagt: „Du kennst scharf nicht, bevor du Guizhou probiert hast.“ Nach einer Woche dort hatte ich zwei Kilo mehr auf der Waage. Und ich bereue nichts.
Die Küche der Provinz Guizhou, besonders in Guiyang, ist bekannt für ihre Kombination aus Schärfe, Säure und intensiven Aromen. Anders als in Sichuan geht es hier weniger um betäubende Schärfe, sondern um ein würzig-saures Gleichgewicht, das erstaunlich süchtig machen kann.
Hier sind vier Spezialitäten, die mir wirklich hängen geblieben sind.
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1. Si Wawa (丝娃娃) – selber rollen, selber würzen, selber übertreiben
Si Wawa bedeutet wörtlich „Seidenbaby“. „Si“ steht für fein geschnittene Zutaten, „Wawa“ für das eingewickelte „Baby“.
Man bekommt sehr dünne Reismehl-Fladen und belegt sie selbst mit klein geschnittenem Gemüse – Gurke, eingelegtem Rettich, Seetang, Kräutern und oft auch Zhe’ergen (折耳根), einer typischen Wurzel aus Südwestchina. Anschließend wird alles eingerollt und mit einer sauer-scharfen Sauce übergossen.
Das Ergebnis ist frisch, würzig, leicht, aber trotzdem intensiv. Si Wawa ist meist fleischlos und eignet sich perfekt als Einstieg in die Guiyang-Küche.

2. Suan Tang Yu (酸汤鱼) – saure Fischsuppe, die dich wach macht
Suan Tang Yu bedeutet „Fisch in saurer Suppe“. Die Brühe basiert meist auf fermentierten Zutaten, Tomaten und Chili und ist gleichzeitig säuerlich und scharf.
Der ganze Fisch wird im Topf serviert und am Tisch gegart oder warm gehalten. Die Suppe ist das Entscheidende: kräftig, aromatisch und deutlich säuerlicher als viele andere chinesische Fischgerichte. Wenn man empfindlich ist, wird man kämpfen. Aber genau diese Kombination aus Säure und Schärfe ist typisch für die Region.
Ich mag eigentlich keinen Fisch. Aber von der Suppe war ich begeistert.
3. Lian’ai Doufu Guo (恋爱豆腐果) – Tofu, der mehr kann als man denkt
Dieser Snack war mein persönlicher Favorit. Ein gegrilltes Tofustück, außen fest, innen weich bis fast cremig. Es wird aufgeschnitten und mit Chili, Sojasauce, Gewürzen und oft wieder Zhe’ergen gefüllt.
Der Name bedeutet „Liebestofu“, woher genau der Begriff stammt, ist nicht ganz klar, aber er gehört fest zur Streetfood-Kultur der Stadt.
Ich habe wirklich nie so leckeren Tofu gegessen und das ist wirklich die einzige Speise, welches ich zwei mal in Guiyang gegessen habe. Eine Nacht vor unserer Abreise haben mein Mann und ich
uns extra Abends nochmal auf die Suche nach diesem Snack gemacht, da es dieses Tofu wirklich nur in Guiyang gibt.

4. Huaxi Rindfleischnudeln (花溪牛肉粉)
Huaxi ist ein Stadtteil von Guiyang, der für seine Rindfleisch-Reisnudeln berühmt ist. Die Nudeln sind weich und glatt, die Brühe kräftig und tief im Geschmack.
Dazu gibt es dünn geschnittenes Rindfleisch, Chili, eingelegtes Gemüse, Rettich und manchmal getrocknete Chiliflocken als Beilage.
Diese Nudeln wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Aber genau hier merkt man, wie stark die regionale Küche ist: klare Zutaten, starke Brühe, kein unnötiger Schnickschnack.
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Und was ist eigentlich mit Zhe’ergen?
Zhe’ergen ist eigentlich keine eigene Speise, sondern eine Wurzelpflanze, die in Guizhou, Sichuan und Yunnan häufig verwendet wird. Sie wird oft roh als Salat serviert oder unter Snacks gemischt.
Der Geschmack ist sehr eigen. Erdiger, leicht medizinischer Ton, intensiv und unverwechselbar. Viele mögen es nicht sofort. Kommt man aber auf den Geschmack, will man es nicht mehr missen.
In Guiyang gehört Zhe’ergen zu vielen Gerichten einfach dazu. Wer die lokale Küche verstehen möchte, kommt daran kaum vorbei.
Was wir sonst noch gegessen haben
Und das waren nur vier Gerichte. In Wahrheit haben wir in dieser Woche viel mehr probiert, als ich hier überhaupt aufzählen kann.
Lammspieße mit Chili, Schweinefüße, kalte Frühlingsrollen mit hauchdünner Haut, „Pommes“ mit Chilipulver und Zhe’ergen, verschiedenste Nudelvarianten, Snacks von Straßenständen, die ich bis heute nicht beim Namen nennen kann.
Am Ende haben wir sogar einen Koffer mit Gewürzen und Spezialitäten mit zurück nach Ningbo genommen. Einfach, weil man wusste: So bekommt man das dort nicht.
Wie ist das Essen in Guiyang insgesamt?
Die Guizhou-Küche zeichnet sich durch drei Dinge aus:
• Säure
• Schärfe
• intensive Gewürze
Sie ist nichts für empfindliche Mägen – aber für alle, die kräftige Aromen mögen, sehr spannend.
Die besten Gerichte findet man oft nicht in schicken Restaurants, sondern in kleinen Läden oder einfachen Straßenständen.
Guiyang ist kulinarisch deutlich eigenständiger, als viele erwarten. Die Stadt lebt nicht vom Image, sondern vom Geschmack.
Wer Guizhou bereist, sollte sich nicht nur auf große Restaurants verlassen, sondern bewusst kleinere Läden ausprobieren. Dort bekommt man oft das authentischere Essen. Und ja, es ist gut möglich, dass man am Ende mehr gegessen hat als geplant.

19 Kommentare
Liebe TingTing,
es hat so Spaß gemacht diesen Post zu lesen! Vieles kenne ich irgendwie nicht (z.B. das mit der Wurzel) und die vielen kleinen Zutaten für die Pfannkuchen erinnern mich an koreanische Gerichte (wobei ich mir fast denken kann, dass es wohl aus China abstammt).
Es sieht alles so lecker aus, leider kann ich einfach nichts scharfes essen und sauer ist auch nicht so meins. Ich liebe Tofu ja, und diese Spezialität klingt toll. Wundere mich aber nur ob es immer noch schmeckt wenn man eine alternative nicht scharfe Soße nimmt?
Nochmals danke für den tollen Post :) !
Hallo Hani,
wenn man dorthin geht und nicht gut scharfes verträgt, ist es leider sehr schade. Die meisten leckeren Sachen dort sind scharf und es schmeckt dann ganz anders, wenn man das weg lässt. Weil in den Gewürzen ist nur die Schärfe, sondern auch noch andere Aromen mit inbegriffen.
Was meiner Meinung nach dort auch ohne Schärfe ganz gut schmeckt ist die Nudelsuppe. Bei Siwawa könnte man die Schärfe auch noch weglassen. Aber beim Tofu bin ich mir nicht so sicher, ob das dann noch gleich wär. Habe es aber noch nicht ohne probiert ^^“
hallo ting ting,
könnte ja fast ein wenig neidisch werden auf deine kulinarischen abenteuer.
„Ich habe schon viele Nudelsuppen in China probiert. Aber in Guiyang habe ich bis jetzt wirklich die besten Nudeln gegessen.“
glaubst du die zeit wäre nun reif für ein nudelsuppenrezept ? ;-) will auch so lecker essen. ha,ha. mir würden ja auch schon die verschiedenen gemüsesorten wie ingwer, lauch…. die man eben zum ansatz der suppe benötigt genügen.
was ist denn in den kleinen schalen die vor der rindernudelsuppe stehen? chilli kann ich noch erkennen.
lg, dieter
Hallo Dieter,
aaah, habe das mit der Nudelsuppe ganz vergessen, sorry! Ich werde mich bald daran setzen, versprochen!
In den kleinen Schalen sind rechts, wie du schon richtig erkannt hast, die getrockneten Chilischoten. Links, das ist eingelegtes Gemüse (Kohl und Rettich). Und das in der Mitte ist ein Teeei. Das Ei wurde im Tee gekocht, von daher die braune Farbe :D
vielen dank im voraus ting ting,
wollte jetzt nicht so aufdringlich sein, aber das hat sich mit der lecker rindersuppe so gut angeboten.
würde mich freuen wenn du auch mal wieder rezepte brauchen könntest. dir gebe ich sogar das heilige apfelstrudelrezept von meiner mutter, oder evtl rotweinkuchenrezept von meiner tante? du magst doch gerne mal süsser, oder ?
lg, dieter
Hallo Dieter,
bin nun endlich dazu gekommen ein Rezept abzutippen: klick
Mit den Zutaten hab ichs dir wahrscheinlich wieder angetan. Ich weiß, dass man viele Zutaten aus dem Rezept wahrscheinlich nur schwer auftreiben kann. Aber vieler solcher Zutaten gehören zu vielen traditionellen Speisen leider einfach dazu :-/
Ende des Jahres geht es für uns wieder nach Deutschland. Dann werde ich wieder mehr deutsch kochen^^ Hier in China lohnt es sich nicht wirklich, da ich keinen Backofen Zuhause habe und schwer an vielen Zutaten komme.
Ein heiliges Apfelstrudelrezept? Das klingt ja toll :D Ich liebe Apfelstrudel ja sowieso hehe. Ja, ich mag eher süßes. Das Backen fehlt mir schon sehr, seit mein Bekannter sein Cafe verkauft hat und ich dort nicht mehr rumtoben darf, haha.
hallo ting ting,
das traditionelle ist ja gerade das tolle an deinen rezepten. aber leicht machst du es mir nicht immer, he, he, he.
ja, ja, wenn du in deutschland bist kannst du mich sehr gerne löchern, oder schon vorher, hehe.
das heilige rezept bekommst du natürlich. aber ich möchte es vorher selber backen um einige bilder zu schiessen. das hilft dir sicher weiter, weil es handwerklich schon etwas anspruchsvoll ist. aber es lohnt wirklich. als jugendlicher hatte ich mit meinem bruder wettessen bis über die schmerzgrenze, der andere könnte ja mehr strudel abbekommen, ha, ha.
sende dir in den nächsten tagen ein rezept von apfelküchlein. auch recht lecker und die kannst du locker in der pfanne( wok) ausbacken. schade, schade mit deinem bekannten.
lg, dieter
Dort auch die Wollhandkrabben gegessen?
In Guiyang nicht. Hab die vor kurzem aber in Ningbo gegessen…
Und wie ist der Geschmack deiner persönlichen Meinung nach?
Die Wohlhandkrabbe steht nicht wirklich auf meiner Favoritenliste. Ich mag Meeresfrüchte allgemein nicht so wirklich. Meine Familie hier isst die aber total gerne und ich esse sie dann einfach mit, wenn es sie Abends auf dem Esstisch gibt.
Vielleicht ist dein Geschmack schon zu „europäisch“
Ich fürchte auch, dass Wollhandkrabbe beim Nichtasiaten nicht ankommen werden.
Hallo Ting, Ting,
erst einmal Danke für diesen wunderbaren Blog. Und dann habe ich auch gleich eine Frage an die Expertin: Was hat es mit den runden Nori Blättern aus China auf sich, worfür werden diese verwendet und woraus bestehen sie genau?
Danke vorab für Deine Antwort und viele Grüße aus Berlin
René (https://nori-blaetter.de)
Hallo Rene,
eine Expertin bin ich nicht. Ich kenne mich da so fachlich leider nicht aus^^ Ich denke mal, dass du mit den „runden Nori Blättern“ „紫菜“ -zǐcài meinst. 紫=violett, 菜=Gemüse. Das ist einfacher getrockneter Purpurtang. Man könnte also sagen, dass es unbearbeitete Nori Blätter sind (wenn ich mich nicht irre). Gegessen werden sie als Suppe.
Hallo Ting, Ting,
紫菜 = violettes Gemüse :) … man spürt förmlich wie stark Algen mit der chinesischen Küche verbunden sind.
Und vielen Dank an Dich, ja das meinte ich. Als Europäer findet man die als Nori z.B. bei Alibaba und wundert sich warum die rund sind. Die „klassischen“ Nori werden ja in viereckigen Rahmen getrocknet, die Runden dann vermutlich in runden Rahmen, so wie ein Stickrahmen vielleicht? Vermutlich sind sie nicht geröstet, wie die Nori Blätter, die für Sushi und Onigiri verarbeitet werden.
Danke für Deine Antwort und viele Grüße aus Berlin
René (https://nori-blaetter.de)
Ja genau. 紫菜 sind nicht geröstet. Ist mit den Übersetzungen immer etwas schwierig im Netz. Ich komme da auch oft auf falsche Ergebnisse und das verwirrt dann immer sehr, lach.
Hallo Ting Ting,
Klasse Blog den du hier hast. Super interessant auch die Rezepte zum nachkochen.
Eine Frage beschäftigt mich schon seit ich vor über 5 Jahren in China war. In Shanghai hatte ich dort des öfteren gegrillte Krakenarme am Spieß gegessen, welche zusätzlich noch mit einer rötlichen Marinade eingepinselt und anschließend mit Sesam bestreut wurden.
Kannst du mir sagen was für eine Marinade oder Sauce das ist und ob ich die in Deutschland bekommen oder nachkochen kann?
Wäre genial!
Weiter so :)
Hallo Mark,
vielen Dank. Das freut mich :)
Anhand deiner Beschreibung würde ich mal vermuten, dass es vielleicht eine Teriyaki Sauce war (wird auch in China gerne benutzt). Könnte aber natürlich auch eine XO Sauce gewesen sein. Von der Ferne schwer zu beurteilen. Hat es denn etwas süßlich geschmeckt? Oder war es scharf? Sah die Sauce etwa wie auf folgendem Bild aus: https://goo.gl/AE87ab (das ist mit Teriyaki Sauce).
Hast du sie auf der Straße gegessen oder war es in einem Restaurant? Kann natürlich auch sein, dass es eine Eigenkreation des Kochs war. Es gibt da leider sehr viele Möglichkeiten ^^“
Hallo Ting Ting,
ich denke es könnte Teriyaki Sauce gewesen sein. Das ganze hat leicht süßlich geschmeckt und gab es auf der Straße an mehreren Ecken. Werde mich da wohl mal zuhause ausprobieren ?