Ich wollte es wissen. Wie schwer kann es sein, in China „typisch deutsches“ Essen zu kochen?
Spoiler: Schwerer als gedacht.
Ich habe nun über eine Woche lang diverse Rezepte ausprobiert und meine Küche sah zeitweise aus wie ein Schlachtfeld. Mehl überall. Fettgeruch.
Wer im Ausland lebt, merkt plötzlich, wie selbstverständlich bestimmte Dinge in Deutschland sind.
Schon beim Einkaufen bin ich fast verzweifelt. Bestimmte Zutaten existieren einfach nicht. Oder sie heißen anders. Oder sie sehen gleich aus, schmecken aber komplett anders. Ich stand öfter ratlos vor Regalen und habe mir gedacht: Das kann doch nicht so kompliziert sein.
War es aber.
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Was alles in meiner Küche passiert ist
In einer Woche habe ich ein kleines Deutschland-Experiment gestartet:
• Schnitzel mit Pommes und Sauerkraut
• Frikadellen mit Kartoffelpüree
• Cheeseburger
• Pizza
• Streuselkuchen mit Äpfeln
• Muffins mit Sahne
• Schwarz-Weiß-Gebäck
• Spritzgebäck
• … und ein paar Dinge, über die wir lieber nicht sprechen
Nicht alles ist „typisch deutsch“ geworden. Aber die Aufgabe war auch eher: etwas kochen, das möglichst nicht chinesisch schmeckt.
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Zutaten finden in China – fast ein Abenteuer
Blätterteig? Fehlanzeige.
Wirsing? Nicht auffindbar.
Bestimmte Würstchen? Bis heute nicht gesehen.
Selbst wenn man denkt, man findet etwas, schmeckt es oft anders. Mehl verhält sich anders. Käse ist anders. Milch sowieso. Man improvisiert. Oder man flucht ein bisschen.
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Und wie fanden es die Chinesen?
Sagen wir es so: Begeisterungsstürme sehen anders aus. Gut angekommen sind:
• Sauerkraut (damit hatte ich am wenigsten gerechnet)
• Muffins mit Sahne
• Frikadellen – „essbar“
Was weniger gut lief:
• Pizzateig war zu hart. In China mag man weichen, fluffigen Boden.
• Kekse waren „zu butterig“. (Das war mir neu. Ich dachte immer, Butter sei automatisch gut.)
• Das Schnitzel etwas zu trocken. Nächstes Mal gibt es definitiv eine Sauce dazu.
Ich habe gelernt: Viele mögen weichere Texturen und weniger starken Buttergeschmack. Dänische Kekse sind dagegen sehr beliebt – warum genau diese, weiß ich bis heute nicht.
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Leben in China schmeckt anders
Deutsche Küche in China zu kochen ist weniger ein Kochproblem, es ist ein Übersetzungsproblem.
Nicht nur sprachlich. Sondern geschmacklich.

16 Kommentare
Viele Gerichte gelingen auch nicht beim ersten Mal. Ich habe einige Sachen auch beim ersten Mal nicht so gut hinbekommen, aber es wird von mal zu mal besser….Nicht aufgeben, außerdem zählt auch der gute Wille!
Liebe Grüße, Ophelia
Ich kann nur Ophelia zustimmen. Es gelingt nicht immer – manchmal mache ich sogar bei Zeug was ich andauern koche etwas falsch… Deprimierend, aber umso mehr ich koche und ausprobiere umso besser wirds.
Aber klar, du hast noch das Problem, dass du viele Zutaten nicht so einfach in China bekommst.
Ohje, schade dass die Sachen nicht sooo gut ankamen! :o ICH hätte mich sehr über das Essen gefreut, hihi XD
Das ist ja voll doof, dass du den Blätterteig nicht bekommen hast. Aber auch nicht schlimm. Es ist für mich schwierig, dir Rezeptideen zu nennen, wenn ich nicht weiß, was man bei Dir an Zutaten bekommt.
Ich glaube den Chinesen, die hier in Deutschland leben, geht es ganz genauso. Das dürfte wohl der Grund sein, weshalb mir das Essen in Taiwan so geschmeckt hat und ich irgendwie seit meiner Rückkehr hier in Deutschland überwiegend von der Chinesischen Küche enttäuscht bin: Sie bekommen hier einfach nicht das, was sie für ein echt chinesisches Mal brauchen. :)
Echt schade, dass sie wohl nicht so begeistert waren, dabei hast du dir doch so viel Mühe gegeben. Aber wie einige meiner Vorredner schon sagten, es gelingt nicht alles beim ersten Mal, manchmal muss man es öfters probieren, bis man den Dreh raus hat. :)
Danke für all die lieben Kommentare : )
Ich habe nicht direkt gesagt bekommen, dass das Essen nicht schmeckt, Chinesen sagen das einem nicht direkt ins Gesicht, aber hatte es halt so im Gefühl. Ist halt alles Geschmackssache, finde es auch nicht so schlimm ^^
@Dunkelangst, ja das stimmt, vieles bekommt man nicht in Deutschland (für die chinesische Küche), bin mir aber auch nicht sicher, ob manche solche Gerichte überhaupt bestellen würden :roll:
Hallo Ting Ting,
hier mein Name auf chinesisch: Wu Hui Rui. Geboren im Jahr des Schweins. Ist nicht das Schwein das Symbol für Haus und Ehe?
Das wäre mir jetzt neu, wenn Schwein das Symbol für Haus und Ehe sein sollte…
Vielleicht beziehst du dich auf das Zeichen: 家 (Familie, Haus, Meister).
Hier mal ein Auszug aus dem englischen Wiki:
Wieder was dazu gelernt. Ich komme aus dem Lernen garnicht mehr heraus. Aber wie heißt es so treffend; Solange der Mensch lebt, lernt er. Sage ich jetzt mal. ;-)
Hallo Ting-Ting,
ich bin am grübeln, wie Sauerkraut mit chin. Esswerkzeugen zu bewältigen ist? Das Kraut wird doch wohl nicht auf Länge verhackstückt? Oder doch? Bei Schitzel könnte ich mir vorstellen, daß da jemand vorher kräftig sein Beilschen schwingt? Na ja und Frikadelllen lassen sich ja stäbchenlike herstellen. ;-))
Mh, meinst du die Zubereitung oder die Verspeisung? Sauerkraut kann man doch ohne Probleme mit Stäbchen essen? ^^
Im Cafe, in dem ich damals kurz teilzeit ausgeholfen habe, wurde mit westlichem Besteck gegessen, also war das alles nicht so ein Problem :)
Ich meine das Verputzen. ;-) Also Makkaroni mit Stäbchen kein Problem. Sauerkraut + Spaghetti habe ich mit Stäbchen noch nicht versucht. Das muß ich dann mal zu Haus testen. Denn wenn wir beim Chinesen speisen, suche ich mir nicht gerade obige Beispiel aus. ;-) Da steht mein Sinn nach anderen, lekkeren Dingen. Obwohl, ich weiß, das Du von den europäisierten chin. Speisen wohl kein großer Anhänger bist. Sowas in dieser Richtung hat mir mal jemand erzählt, der mit einer Chinesin verheiratet ist. Sie hatte in den Semesterferien in chin. Lokalen gearbeitet.
Mein Schwiegervater isst sogar Erdnüsse mit Stäbchen ;)
Die europäisierten Speisen sind leider nicht vergleichbar mit den Speisen in China. Ich mag das Essen aber eher nicht, weil ich 10 Jahre lang täglich solch Essen serviert bekommen habe, da meine Eltern mehrere Restaurants führten. Und die Speisekarte beim China Mann ist nicht wirklich groß. Da wird nach einiger Zeit alles ziemlich eintönig.
Hallo, Tingting, vom Titel erinnere ich mich an dem Kinderreim“Backe backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen.“ Was bedeutet hier „gerufen“? telefonieren?
LG
Hallo Laohaigua,
ich kenne das Lied auch, aber diese Frage ist mir ehrlicherweise nie in den Sinn gekommen. Habe also gerade mal ganz schnell gegoogelt :P
Kurz zusammen gefasst: Das Lied entstand zu einer Zeit, wo es in normalen Haushälten noch keinen Ofen gab. Wenn der Bäcker fertig mit dem Backen war, durften die Frauen die Resthitze des Ofens nutzen und das Rufen des Bäckers war sozusagen ein Signal. Hier die Quelle: https://www.kinderzone-rumpelkiste.de/backe-backe-kuchen/
Vieeeeeeeelen Dank, Tingting! Du bist wirklich nett! Gut zu wissen! Ich habe auch durch Bing und Baidu gesucht, aber bekomme kein Ergebnis. Leider ist Google in China nicht zugänglich, und ich habe auch kein VPN gefunden.
LG