Warum werden in China seltener Deos oder Parfüms genutzt?

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Veröffentlicht: Aktualisiert: 9,8K Aufrufe 2 Minuten Lesezeit

Wer eine Zeit lang in China lebt oder regelmäßig dorthin reist, bemerkt schnell einen Unterschied, der im Alltag auffällt, aber selten erklärt wird: Deodorants und Parfüms spielen im Leben vieler Chinesen eine deutlich kleinere Rolle als im Westen. Während es in Deutschland fast selbstverständlich ist, morgens zum Deo oder Duft zu greifen, wirken stark parfümierte Menschen in China oft eher ungewöhnlich – manchmal sogar unangenehm auffällig.

Das hat wenig mit Hygiene zu tun und sehr viel mit Prägung, Gewohnheit und Kultur.


Schule als prägende Phase

Ein zentraler Grund liegt in der Schulzeit. In chinesischen Schulen sind Parfüm, Deo oder stark duftende Pflegeprodukte unüblich und meist unerwünscht. Schule ist ein Ort der Disziplin und des Lernens, nicht der Selbstdarstellung. Wer stark parfümiert auftaucht, fällt negativ auf.

Im Vergleich dazu erinnere ich mich gut an deutsche Umkleidekabinen nach dem Sportunterricht: eine Mischung aus süßlichen Sprays, schweren Parfüms und Deos, so dicht, dass man kaum Luft bekommt. Genau dieses Verhalten wäre in China irritierend. Diese frühe Erfahrung prägt. Wer über Jahre lernt, dass neutraler Körpergeruch normal ist, entwickelt später auch kein Bedürfnis nach Duftprodukten.

Zurückhaltung statt Duftwolke

In westlichen Ländern gilt „gut riechen“ oft als Zeichen von Attraktivität, Frische und Pflege. In China wird Zurückhaltung höher bewertet. Neutralität wird als angenehm empfunden, intensive Düfte dagegen schnell als aufdringlich.

Gerade in dicht gedrängten Räumen wie Bussen, Metros oder Aufzügen spielt das eine Rolle. Körperliche Nähe ist im Alltag normal, starker Duft wird dort nicht als positiv wahrgenommen, sondern eher als störend. Das erklärt auch, warum viele Chinesen bewusst auf Parfüm verzichten, selbst wenn sie es sich leisten könnten.

Historischer und wirtschaftlicher Hintergrund

Parfüm und Deodorants sind in China vergleichsweise spät Teil des Alltags geworden. Über viele Jahrzehnte hinweg galten Duftprodukte als Importware und damit als Luxus. Sie waren teuer, schwer erhältlich und eher etwas für wohlhabende Frauen oder Menschen mit Auslandserfahrung.

Erst in den letzten Jahren, vor allem in Großstädten, hat sich das langsam geändert. Junge Menschen, Büroangestellte und international geprägte Gruppen nutzen heute häufiger Deo oder Parfüm. Trotzdem bleibt der Verbrauch insgesamt deutlich niedriger als in Europa.

Biologie spielt ebenfalls eine Rolle

Neben Kultur und Gewohnheit gibt es auch einen biologischen Faktor, der oft erwähnt wird und tatsächlich wissenschaftlich belegt ist. Viele Menschen ostasiatischer Herkunft besitzen eine Variante des sogenannten ABCC11-Gens. Diese sorgt dafür, dass Achselschweiß weniger stark riecht als bei vielen Europäern.

Das heißt natürlich nicht, dass es in China keinen Körpergeruch gibt. Wer schon einmal im Hochsommer in einem vollen Bus stand, weiß es besser. Aber im Alltag fällt es insgesamt weniger auf als in Europa. Entsprechend ist der Bedarf an stark wirksamen Deodorants geringer, was wiederum die geringe Nachfrage erklärt.

Alltag und Angebot

Bis heute ist die Auswahl an Deodorants in chinesischen Supermärkten deutlich kleiner als in Deutschland. Während man hier ganze Regalreihen findet, gibt es in China oft nur wenige Produkte, meist in größeren Märkten oder online. Parfüm hingegen ist inzwischen gut erhältlich, wird aber gezielter eingesetzt, etwa für besondere Anlässe, Dates oder im Berufsleben, nicht unbedingt täglich.

Fazit

Dass in China seltener Deo oder Parfüm benutzt wird, hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Es ist das Ergebnis von Erziehung, kulturellen Normen, historischen Entwicklungen und biologischen Unterschieden.

Während im Westen Duft oft als Pluspunkt gilt, ist in China Zurückhaltung angenehmer. Wer neutral riecht, fällt nicht auf – und genau das ist im Alltag häufig erwünscht.

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8 Kommentare

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Oli 27/06/2015 - 18:35

Hi Tingting,

das kenne ich. Als ich vor 15 Jahren das erste Mal in China war, hatte ich Mühe, überhaupt ein Deo zu finden. Übrigens: Deos riechen nicht (zwingend). Anders als Parfüms versuchen sie nicht, den Körpergeruch mit einem noch stärkeren Geruch zu überdecken, sondern die Bakterien zu neutralisieren, welche den Geruch produzieren. Es gibt auch Deos ganz ohne Parfümzusatz.

Jeder Mensch riecht ein bisschen anders – deswegen können Spürhunde ja überhaupt den Leuten folgen. Dass Chinesen glauben, dass sie weniger stinken, habe ich auch schon bemerkt. Bin aber nicht so sicher ob das wirklich so stimmt. Leicht zu beurteilen ist es ja sowieso nicht, weil es ja jeweils den Faktor Hygiene und den Faktor Genetik gibt. Dazu kommt, dass man sich in chinesischen Bussen oft näher kommt als in den europäischen Pendants und deswegen den Körpergeruch anderer leichter wahrnimmt.

Was mir aber aufgefallen ist: In China haben viel mehr Leute sehr starken Mundgeruch als in in Europa. Insbesondere bei Taxifahrern muss ich manchmal das Fenster aufmachen, wenn sie was sagen.

Gruss,
Oli

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Ting Ting 27/06/2015 - 19:25

Hallo Oli,

Anders als in Deutschland ist das Nutzen von Deodorants hier einfach keine Gewohnheit.
Wie du so schon so schön bemerktest, gab es vor vielen Jahren noch selten Deos. Meine Schwiegereltern verdienten vor 15 Jahren gerade mal so 2000Yuan zusammen und die Deos waren wahrscheinlich damals schon sehr teuer (heute kosten die ja auch so um die 30-90CNY). Zudem war China damals noch nicht so „international“ wie heute. Da es soweit ich weiß keine chinesischen Marken von Deodorants gibt, war das damals schon richtiger Luxus. Von den Parfüms will ich jetzt gar nicht mal erst anfangen.

Ich vermute mal, dass der Mundgeruch vielleicht auch an der Zahnpflege liegt. In Deutschland ist es ja normal, dass man jährlich mal zum Zahnarzt geht um alles mal überprüfen zu lassen oder zu reinigen. Chinesen sind da nicht so gewohnt zum Zahnarzt zu gehen, eher wenn es nur mal zwingend notwendig ist.
Was mir noch aufgefallen ist, dass in Deutschland viel öfter Kaugummi gekaut wird oder mal eine Minze genommen wird für den Mundgeruch. Vielleicht merkt man das deshalb auch nicht so^^

Jedenfalls vielen Dank für dein Kommentar : )

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Oli 27/06/2015 - 23:40

Ich denke, das mit dem Mundgerucht hat verschiedene Faktoren. Da ist sicherlich Zahlpflege ein Teil. Gerade Leute mit Parodontose können ja ihr Zähne überhaupt nicht mehr gut putzen, weil sie natürlich kaum an die Zwischenräume gelangen. Ich denke aber, dass es auch zum Teil am Essen liegt. In chinesischem Essen hat es zum Beispiel viel mehr Knoblauch als im westlichen.

Ich hab einmal das Buch von Maos Leibarzt gelesen und darin schrieb er, dass Mao nie die Zähne geputzt hat, sondern sie einfach mit Grüntee ausgespült hat. Das, so schreibt er weiter, hätten damals viele einfache Leute so gemacht. Vielleicht ist das ja immer noch so bei manchen. Immerhin habe ich in China immer mal wieder Taxifahrer gesehen, die sich den Mund mit Grüntee ausgespült haben.

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Ting Ting 28/06/2015 - 00:05

Ja, das mit dem Essen ist bei manchen sicherlich auch ein Grund. Es wird viel öliges mit starkem Geschmack u Schärfe gegessen.
Das mit dem Grüntee ist mir neu. Ist mir persönlich jetzt noch nie so aufgefallen.

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horst-dieter 28/06/2015 - 20:14

Hallo Ting Ting,
mir ist in den Sinn gekommen, daß Asiatinnen, da sie genbedingt gar nicht so stark transpierieren, vielleicht gar kein Parüm benötigen? Parfüm sollte ja mal zu Zeiten Ludwig Schlagmichtod den Körpergeruch überdecken. Die „Wissenschaft“ empfahl damals sich nicht zu waschen.
Spaß beiseite. Gute Parümkompositionen sind nicht billig. Die fangen – meiner Ansicht nach – bei €-60 aufwärts an.
Die üblichen Parfümkompositionen sind dann auch für die Hautchemie von Europäerinnen optimiert. Dazu kommt bei euch im Sommer schwül-heußes Klima. Nicht gut für Duftstoffe. Diese Umstände lassen mich vermuten, das es wohl durchaus vorteilhaft ist, wenn Chinesinnen wenig bis kein Parfüm benutzen. Wie gesagt, ich vermute es.
Dafür scheinen Chinesen + Chinesinnen Mundgeruch als Abstandmittel zu benutzen. ;-) Mundgeruch hat tatsächlich seine Ursache im Mund. Man kann sehr viel dagegen tun. So Mann/Frau will. ;-)
Ich habe mal die Preise von Zahnpasta verglichen. Umgerechnet sind sie unseren Preisen vergleichbar. Somit aber der geringeren Kaufkraft der Menschen in China einfach zu teuer.
was mir auch aufgefallen ist, Chinesinnen kleiden sich immer etwas weiblicher als vergleichbare deutsche Frauen. Sie haben immer einen kleinen hingucker. ;-)

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Ting Ting 30/06/2015 - 08:31

Hallo Horst Dieter,

im Sommer in China trage ich auch nie Parfüm. Das ist wirklich unangenehm…

Verglichen ist vieles genauso teuer (manchmal sogar teurer), wie in Deutschland. Wenn man sich dann mal den Durchschnittlohn der Chinesen anschaut, schon etwas erschreckend…
z.B gute Schokolade ist viel teurer, Obstpreise sind auch nicht ohne. Und 65CNY für ein gutes Pfund Rindfleisch (20€ pro Kilo) ist schon ein Schlag in die Magengrube :shock:

Ja, der Kleidungsstil. Den finde ich in China ganz toll, lach.Und auch nicht immer nur schwarz/weiß/grau/braun.
Ich finde Frau kann ruhig öfters mal ein Kleid anziehen. Das sieht man in Deutschland nur noch so selten irgendwie…

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Franzy vom Schlüssel zum Glück 30/06/2015 - 20:08

Schone cht interessant…
das hätte ich jetzt nicht gedacht.
Wo der Griff zum Deo doch so normal ist in deutschland…

viele liebe grüße

Franzy

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Max 12/06/2018 - 22:28

Wegen der Mundhygiene reicht es, sich die durchschnittlichen europäischen und die asiatischen Zungen anzuschauen. Der Belag spricht Bände! Kennt man sich ein wenig mit der TCM aus, wird es einiges klar. Mir persönlich ist in China nie etwas Unangenehmes aufgefallen, es sei denn, ich habe selbst zu viel gegessen und getrunken. Dagegen ist der koloniale Geist bei manchen nach so langer Zeit immer noch deutlich wahrnehmbar.

Nun zu Parfüms: Nach meiner Beobachtungen kann man bei chinesischen Frauen je nach sozialem Status und Anlass entweder kein Duft oder nur ein sehr dezentes Parfum wahrnehmen. Ich liebe es.

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