Wir fahren regelmäßig nach Wuxi, weil dort Verwandte meines Mannes leben. Bei einem unserer Besuche haben wir uns entschlossen, die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der Region zu erkunden: den Ling-Shan-Buddha-Komplex.
Schon vorm Eingang wurde klar, dass das keine schnelle Besichtigung werden würde: Der Eintritt kostet – auch für chinesische Verhältnisse – relativ viel, und obwohl wir früh dort waren, war die Anlage sehr gut besucht.
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Die Geburt Buddhas – Wasser, Drachen und Symbolik
Unser Rundgang begann mit einer Zeremonien-Inszenierung, die sich der Geburt Buddhas (Shakyamuni) widmet. Mehrmals am Tag findet hier eine Art Show statt, in der die Geschichte seiner Geburt dargestellt wird.
Im Zentrum steht eine dunkle Säule mit einer geschlossenen Lotusblüte an der Spitze. Der Legende nach konnte Shakyamuni sofort sprechen und laufen, sobald er geboren wurde. Bei jedem Schritt erblühte eine Lotusblume. Das wird hier symbolisch dargestellt: Die Lotusblüte öffnet sich langsam und einmal geöffnet erscheint Buddha – mit einer Hand zum Himmel und der anderen zur Erde zeigend. Anschließend treffen neun Drachen ein, die ihn symbolisch „baden“.
Nach der Show fließt das Wasser in einen Brunnen, aus dem viele Besucher kleine Flaschen füllen. Für viele gehört das zu einem Besuch dazu, auch wenn es eher eine symbolische Geste ist als ein religiöses Muss.
Five Mudra Mandala – Energiekreise und Statuen
Ein Bereich, der oft übersehen wird, ist der Five Mudra Mandala-Bereich. Hier reihen sich riesige, farbige Mandalas aneinander – sie stehen für verschiedene Aspekte der buddhistischen Lehre und sollen Besucher geistig zentrieren. Wer einmal dort steht, merkt schnell, dass dieser Bereich anders wirkt: weniger touristisch, mehr kontemplativ.
Ich fand es faszinierend, wie anders der Ort wirkt, sobald man den künstlichen Lärm hinter sich lässt und einfach zwischen den Figuren steht.
Buddhas Hand – Geduld ist gefragt
Ein weiterer Punkt, der mich sehr beeindruckt hat, ist Buddhas Hand. Sie steht für Schutz, Trost und innere Sicherheit. Berührt man die Hand, so verschwinden die Sorgen und man wird mit Glück und Langlebigkeit gesegnet. Vielleicht könnt ihr euch das nicht vorstellen, aber es hat sich eine riesen Schlange gebildet um nur einmal Buddhas Hand berühren zu dürfen. Ich stand natürlich auch in der Schlange und habe Buddha einmal die Hand gereicht. Die Hand ist ganze 11,7 Meter hoch und 5,5 Meter breit. Bei dem sonnigen Wetter war die Hand auch richtig heiß gewesen.
Die große Buddha-Statue – steil, alt, beeindruckend
Der Weg zur eigentlichen Buddha-Statue führt über 216 Stufen – eine Zahl, die symbolisch für 108 Wünsche und 108 Schwierigkeiten steht. Der Aufstieg ist anstrengend, besonders wenn es voll ist und die Sonne scheint. Aber oben angekommen offenbart sich ein Blick, der wirklich beeindruckend ist: nicht nur die Statue selbst, sondern auch der weite Blick über das Gelände und die umliegenden Hügel.
Unten betrachtet wirkt die Statue fast überwältigend – man fühlt sich klein im besten Sinne.
Buddhist Culture Museum – Kunst, Schätze, Alter
Ein weiterer Bereich, der viele interessiert, ist das Buddhist Culture Museum. Hier bekommt man auf mehreren Ebenen Einblicke in buddhistische Kunst, alte Schriften, Figuren und Riten. Für mich war es ein gutes Kontrastprogramm: weniger dramatisch als die große Statue, mehr Detail und Geschichte.
Die Lichtverhältnisse machen Fotos oft schwierig, aber genau das erzeugt eine fast mystische Stimmung. Wer länger dort ist, sollte diesen Teil nicht auslassen.
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Brahma-Palast und vegetarisches Essen
Im Brahma-Palast kann man traditionelle buddhistische Kunst auf mehreren Ebenen erleben. Besonders auffällig ist ein großes Glasgemälde mit einem mittig sitzenden Buddhafiguren-Relief.In der Anlage gibt es außerdem mehrere Essensbereiche. Ein beliebtes Angebot ist ein vegetarisches Buffet, das viele Gruppen nutzen. Es besteht aus einer Vielzahl an Tofu-Gerichten und vegetarischen Varianten, die teilweise erstaunlich fleischähnlich aussehen.
Dieses Essen gehört nicht automatisch zum Eintritt, sondern wird separat berechnet, und viele Besucher entscheiden vor Ort, ob sie es zusätzlich machen möchten.
Persönliches Fazit
Obwohl ich selbst keine Buddhistin bin, fand ich den Ling-Shan-Buddha-Komplex sehr beeindruckend – vor allem wegen der Dimensionen, der Symbolik und der Besucher, die hier mit echter Ernsthaftigkeit unterwegs sind.Der Eintritt ist aus meiner Sicht hoch, aber wenn man sich Zeit nimmt und nicht nur „durchläuft“, ergibt sich ein Erlebnis, das sowohl kulturell als auch atmosphärisch interessant ist.
Für mich gehört Ling Shan zu den Orten in Wuxi, die man einmal gesehen haben sollte – auch wenn es vielleicht nicht auf jeder klassischen China-Reiseroute steht.

3 Kommentare
Wow, das sind ja tolle Fotos. Die Statue ist ja wirklich mächtig.
Kein Wunder das so viele Leute sich dort anstellen. Wer will nicht den Pfad der Erleuchtung finden und ins Nirwana gehen.Es scheint das mit dem Wasser vom Brunnen doch was dran ist… vielleicht sind ja noch ein paar Moleküle von Buddha dabei…wer weiss…
Deine Fotos sind super. Möchte auch mal nach China fahren.
Aber mir fehlt in moment das Geld dazu.
Das Problem kenne ich auch nur zu gut :S