Manchmal steht man in einem chinesischen Supermarkt, schaut in ein Regal und fragt sich ganz kurz, ob man gerade falsch abgebogen ist. Genau so ging es mir bei diesen Mini-Krebsen. Vielleicht drei Zentimeter groß, komplett eingelegt in Alkohol, mit allem drum und dran. Beine, Schale, nichts entfernt. Einfach im Glas. Fertig.
In Ningbo sind sie nichts Besonderes. Sie stehen dort ganz selbstverständlich zwischen anderen eingelegten Sachen. Kein Hinweis, kein erklärender Text. Man weiß einfach, was das ist. Oder man wächst damit auf.
Gegessen werden sie gerne zu Reiscongee am Morgen. Frühstück also. Während andere noch über Kaffee nachdenken, saugt man hier Krebsfleisch aus der Schale. Das muss man erstmal sacken lassen.
Wie isst man sowas überhaupt?
Die Krebse werden roh in Alkohol eingelegt und nicht weiter gekocht. Man nimmt sich einen, saugt das Fleisch heraus und spuckt die Schale wieder aus. Elegant ist das nicht. Still ist es auch nicht. Aber es gehört dazu.
Wer beim Essen keine Geduld hat oder es nicht mag, wenn man arbeiten muss, wird damit nicht warm. Das ist kein Essen für „mal eben schnell“.
Und der Geschmack?
Ich habe sie probiert. Natürlich habe ich sie probiert.
Ehrlich gesagt schmecken sie hauptsächlich nach Alkohol. Das Krebsfleisch selbst ist mild, fast unauffällig. Kein Wow-Moment, kein Schock, eher ein „ah, okay“. Ganz in Ordnung, aber auch nichts, wovon man abends träumt.
Der eigentliche Reiz liegt woanders. Es ist dieses Gefühl, etwas zu essen, das für andere völlig normal ist und für einen selbst erst mal sehr erklärungsbedürftig.
Warum gibt es das überhaupt?
In Ostchina, besonders im Raum Zhejiang und Jiangsu, gibt es eine lange Tradition von sogenannten „betrunkenen“ Meeresfrüchten. Am bekanntesten ist 醉蟹 (zuì xiè), in Reiswein marinierte Krabben. Diese werden meist saisonal gegessen und gelten als Delikatesse.
Fazit
Mini-Krebse in Alkohol sind kein Must-Eat und auch kein Mutprobe-Essen. Sie sind einfach da. Für viele in Ningbo gehören sie zum Frühstück wie für andere ein gekochtes Ei.
