Wenn man als Deutscher nach China kommt, wundert man sich ziemlich schnell über eine Sache:
Warum bekommt man überall heißes Wasser? Im Restaurant. Im Büro. Im Zug. Sogar im Sommer bei 35 Grad.
Während wir in Deutschland eiskaltes Wasser oder Softdrinks gewohnt sind, trinken viele Chinesen ihr Wasser warm oder zumindest auf Zimmertemperatur. Aber warum eigentlich?
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Kaltes Wasser in China – wirklich ungesund?
In China hört man oft Sätze wie:
„Trink nichts Kaltes, das ist schlecht für den Magen.“
„Kaltes Wasser schwächt den Körper.“
„Warm ist besser für die Verdauung.“
Für viele Deutsche klingt das erst einmal merkwürdig. Selbst bei Hitze trinken viele Chinesen kein eiskaltes Wasser. Für uns wirkt das paradox, kaltes Wasser kühlt doch ab.
Aber aus chinesischer Sicht „schockt“ kaltes Wasser den Körper nur kurzfristig. Warmes Wasser hingegen soll den Kreislauf stabilisieren und langfristig angenehmer sein.
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Der Einfluss der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)
Ein wichtiger Grund liegt in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) spielt das Gleichgewicht zwischen „warm“ und „kalt“ eine große Rolle.
Dabei geht es nicht nur um Temperatur, sondern um ein energetisches Prinzip. Kaltes Wasser wird als etwas angesehen, das den Körper „abkühlt“ und zwar im negativen Sinne.
Man sagt: Kaltes Wasser belastet den Magen. Es schwächt die Verdauung. Und es bringt das innere Gleichgewicht durcheinander. Besonders Frauen hören oft schon als Kinder: „Trink nichts Kaltes, das ist schlecht für den Bauch.“
Ob man das wissenschaftlich teilt oder nicht – kulturell ist diese Denkweise tief verankert. Viele trinken deshalb morgens erst einmal heißes Wasser, noch bevor sie frühstücken.
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Hygiene als historischer Hintergrund
Ein weiterer Punkt ist historisch bedingt. Leitungswasser war in vielen Regionen Chinas lange Zeit nicht trinkbar. Wasser musste abgekocht werden, um Keime abzutöten. Heißes Wasser war also schlicht sicherer.
Diese Gewohnheit hat sich über Generationen gehalten, selbst heute, wo die Wasserqualität in vielen Städten deutlich besser ist.
Während wir in Deutschland Kühlschränke voller kalter Getränke haben, steht in China oft eine Thermoskanne mit heißem Wasser bereit.
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Aber trinken wirklich alle Chinesen kein kaltes Wasser?
Nein. Gerade jüngere Generationen trinken genauso Cola mit Eis oder gekühlte Getränke wie überall sonst auf der Welt.
Aber: Wenn jemand Bauchschmerzen hat, wenn man krank ist, wenn eine Frau ihre Periode hat,
oder wenn die Eltern daneben stehen, dann heißt es fast automatisch: „Trink warmes Wasser.“
Es ist eine Mischung aus Tradition, Fürsorge und Gewohnheit.
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Meine persönliche Erfahrung
Als ich das erste Mal wieder länger in China war, habe ich kaltes Wasser vermisst. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und trinke auch im Sommer gerne eine warme Tasse Tee.
Ob es wirklich gesünder ist? Keine Ahnung. Aber ich merke, dass mein Körper sich daran gewöhnt hat.
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Fazit: Kaltes Wasser ist eine Kulturfrage
Die Frage „Warum trinken Chinesen kein kaltes Wasser?“ hat also mehrere Antworten:
Tradition.
Medizinisches Denken.
Historische Hygienegründe.
Gewohnheit.
Es geht weniger darum, dass kaltes Wasser objektiv schlecht ist. Es geht darum, wie unterschiedlich Kulturen mit Alltagsdingen umgehen. Und genau das finde ich spannend.
