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In China werden weiche, luftige, fluffige Texturen bevorzugt. Brot ist hier oft federleicht. Viele Backwaren erinnern eher an Biskuit als an rustikale Kruste. Selbst meine selbst gebackenen Brötchen wurden einmal als „zu hart“ eingestuft.
Knusprigkeit scheint hier weniger Qualitätsmerkmal zu sein, eher ein Störfaktor.
Klassischer deutscher Käsekuchen passt da nicht unbedingt ins Beuteschema. Er ist dichter, schwerer, kompakter. Man spürt ihn. Er hat Substanz. Genau das, was ich daran liebe.
Aber genau das scheint hier das Problem zu sein.
Und plötzlich wurde mir klar: Kein Wunder, dass in China eine ganz andere Variante deutlich erfolgreicher ist.
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Er ist:
• extrem luftig
• weich und leicht
• weniger süß
• ohne harten, knusprigen Boden
• optisch hoch und „wackelnd“
Die Konsistenz entsteht durch viel geschlagenes Eiweiß, das unter die Frischkäsemasse gehoben wird. Dadurch wirkt der Kuchen fast wie ein Soufflé, locker, leicht und fast schaumig.
Genau diese Textur entspricht viel stärker dem chinesischen Geschmack. Japanischer Käsekuchen wirkt weniger fettig, weniger schwer, weniger massiv – auch wenn er kalorientechnisch natürlich immer noch ein Dessert ist.
In vielen chinesischen Cafés findet man deshalb eher diese fluffige Variante als einen dichten deutschen Käsekuchen.
Wenn ich ehrlich bin: Deutscher Käsekuchen gewinnt hier keinen Beliebtheitspreis. Zu kompakt. Zu fest. Zu „hart“.
Japanischer Käsekuchen dagegen passt perfekt ins Textur-Ideal.
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Bei Starbucks in China bekommt man ein Stück Cheesecake für ungefähr 3 Euro. Wahrscheinlich industriell produziert, vermutlich mit angepasster Rezeptur. Wie genau sie den Preis kalkulieren, bleibt ein Rätsel, aber günstiger ist es definitiv.
Mein Mann bestätigte übrigens unfreiwillig, dass mein deutscher Käsekuchen hier nicht die beste Marktstrategie war.
Er nahm einen Bissen und spuckte ihn kreischend wieder aus. Er hasst Käsekuchen. Das wusste ich. Vielleicht war mein Backprojekt also auch ein kleines, süßes Racheprojekt.
Den Rest seines Stücks habe ich selbstverständlich selbst gegessen.
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Wenn ich das nächste Mal backe, weiß ich jedenfalls, welche Variante hier bessere Chancen hat.
Und vielleicht spare ich mir dann auch die Diskussion über Knusprigkeit.
Gestern kam ich auf die Idee, einen klassischen deutschen Käsekuchen zu backen. So einen richtigen. Nicht wackelig, nicht fluffig, sondern schön kompakt, cremig und mit einem ordentlichen, knusprigen Boden. Eben genau so, wie ich ihn aus Deutschland kenne.
Käsekuchen ist in China in den letzten Jahren durchaus populär geworden. In Cafés sieht man ihn immer öfter, westliche Backwaren sind generell im Trend. Also dachte ich: Das passt schon. Wird schon ankommen.
In diesem Moment versteht man sehr schnell, warum Käsekuchen backen in China kein günstiges Hobby ist.
Ein Stück Butter kostet hier übrigens auch rund 3 Euro. Importierte Milchprodukte sind teuer, teilweise Luxus. Während man in Deutschland Käsekuchen fast nebenbei backt, wird er hier schnell zur kleinen Investition.
Mit meinen teuer erkämpften Zutaten stand ich dann also in der Küche. Drei Stunden später war er fertig: mein Mini-Käsekuchen. Mit nur 250 Gramm Frischkäse wird das Ganze natürlich kein Familienformat. Das Stück auf dem Bild entspricht ungefähr einem Viertel des gesamten Kuchens.
Geschmacklich war ich zufrieden. Cremig, leicht säuerlich, so wie ich ihn mag.
Käsekuchen ist in China in den letzten Jahren durchaus populär geworden. In Cafés sieht man ihn immer öfter, westliche Backwaren sind generell im Trend. Also dachte ich: Das passt schon. Wird schon ankommen.
Die Realität begann allerdings im Supermarkt.
Quark? Kann man hier praktisch vergessen. Also blieb nur Frischkäse. Und ja – ich habe tatsächlich Philadelphia gefunden. Ich war kurz euphorisch. Bis ich den Preis gesehen habe: umgerechnet 5 Euro für 250 Gramm. Fünf. Euro. Für eine kleine Packung.In diesem Moment versteht man sehr schnell, warum Käsekuchen backen in China kein günstiges Hobby ist.
Ein Stück Butter kostet hier übrigens auch rund 3 Euro. Importierte Milchprodukte sind teuer, teilweise Luxus. Während man in Deutschland Käsekuchen fast nebenbei backt, wird er hier schnell zur kleinen Investition.
Mit meinen teuer erkämpften Zutaten stand ich dann also in der Küche. Drei Stunden später war er fertig: mein Mini-Käsekuchen. Mit nur 250 Gramm Frischkäse wird das Ganze natürlich kein Familienformat. Das Stück auf dem Bild entspricht ungefähr einem Viertel des gesamten Kuchens.
Geschmacklich war ich zufrieden. Cremig, leicht säuerlich, so wie ich ihn mag.
Testperson Nummer eins – ein Kollege:
„Der Boden ist zu hart.“
Zu hart? Hallo? Das nennt man knusprig.
Und genau hier beginnt der eigentliche Unterschied zwischen deutschem und chinesischem Geschmack.
Deutscher Käsekuchen und das Problem mit der Textur
In China werden weiche, luftige, fluffige Texturen bevorzugt. Brot ist hier oft federleicht. Viele Backwaren erinnern eher an Biskuit als an rustikale Kruste. Selbst meine selbst gebackenen Brötchen wurden einmal als „zu hart“ eingestuft.Knusprigkeit scheint hier weniger Qualitätsmerkmal zu sein, eher ein Störfaktor.
Klassischer deutscher Käsekuchen passt da nicht unbedingt ins Beuteschema. Er ist dichter, schwerer, kompakter. Man spürt ihn. Er hat Substanz. Genau das, was ich daran liebe.
Aber genau das scheint hier das Problem zu sein.
Und plötzlich wurde mir klar: Kein Wunder, dass in China eine ganz andere Variante deutlich erfolgreicher ist.
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Warum japanischer Käsekuchen in China so beliebt ist
Der japanische Käsekuchen – oft auch Soufflé Cheesecake genannt – unterscheidet sich grundlegend vom deutschen Käsekuchen oder vom New York Cheesecake.Er ist:
• extrem luftig
• weich und leicht
• weniger süß
• ohne harten, knusprigen Boden
• optisch hoch und „wackelnd“
Die Konsistenz entsteht durch viel geschlagenes Eiweiß, das unter die Frischkäsemasse gehoben wird. Dadurch wirkt der Kuchen fast wie ein Soufflé, locker, leicht und fast schaumig.
Genau diese Textur entspricht viel stärker dem chinesischen Geschmack. Japanischer Käsekuchen wirkt weniger fettig, weniger schwer, weniger massiv – auch wenn er kalorientechnisch natürlich immer noch ein Dessert ist.
In vielen chinesischen Cafés findet man deshalb eher diese fluffige Variante als einen dichten deutschen Käsekuchen.
Wenn ich ehrlich bin: Deutscher Käsekuchen gewinnt hier keinen Beliebtheitspreis. Zu kompakt. Zu fest. Zu „hart“.
Japanischer Käsekuchen dagegen passt perfekt ins Textur-Ideal.
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Käsekuchen in China: Selbst backen oder kaufen?
Mein Mini-Käsekuchen (ca. 300 g) hat mich rund 60 RMB gekostet – also etwa 8 Euro. Strom und Zeit nicht eingerechnet. Für diese Menge ist das kein Schnäppchen.Bei Starbucks in China bekommt man ein Stück Cheesecake für ungefähr 3 Euro. Wahrscheinlich industriell produziert, vermutlich mit angepasster Rezeptur. Wie genau sie den Preis kalkulieren, bleibt ein Rätsel, aber günstiger ist es definitiv.
Mein Mann bestätigte übrigens unfreiwillig, dass mein deutscher Käsekuchen hier nicht die beste Marktstrategie war.
Er nahm einen Bissen und spuckte ihn kreischend wieder aus. Er hasst Käsekuchen. Das wusste ich. Vielleicht war mein Backprojekt also auch ein kleines, süßes Racheprojekt.
Den Rest seines Stücks habe ich selbstverständlich selbst gegessen.
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Fazit: Käsekuchen ist in China kein Selbstläufer
Käsekuchen in China ist kein einfacher Klassiker, sondern eher ein kleines Luxusprodukt. Die Zutaten sind teuer, der Geschmack unterscheidet sich, und kulturell gibt es klare Vorlieben bei Textur und Süße.Wenn ich das nächste Mal backe, weiß ich jedenfalls, welche Variante hier bessere Chancen hat.
Und vielleicht spare ich mir dann auch die Diskussion über Knusprigkeit.

12 Kommentare
Ich backe Käsekuchen immer mit Magerquark. Gibt es den in China? Ich glaube so etwas essen Chinesen nicht, oder?
Was gibt es denn für Gebäck in China? Gibt es auch Torten?
Liebe Grüße, Ophelia
Ich habe leider noch nirgends Quark finden können, deshalb musste ich ja Philadelphia benutzen :(
Es gibt schon Torten in China, die bestehen dann aber nur aus so einer süßen sahnecreme, die auch in den Super dickmanns sind, kennst du diese? Mir ist das persönlich viel zu süß und klebrig.
xD Die Reaktion von deinem Freund find ich herrlich!
:’D
Dass es in China keinen Quark ( dann wahrscheinlich auch keinen Joghurt ) gibt, ist ja unverständlich. Aber die hohen Milchpreise
deuten ja schon darauf hin.
Ich könnte das schwer aushalten, ich esse täglich Natur-Joghurt mit Früchten.
Joghurt gibt es, aber selten, dass er gut ist. Die meisten schmecken so nach nem ekligen festen Milchpudding. Der Joghurt ist dann meistens auch nicht grad billig…und meistens mit irgendwelchem Geschmack. Natur Joghurt gibt es nicht….
Ahso. Naturjoghurt ist aber viel besser und gesünder (weniger Zucker). Ich hab einen Joghurtautomaten, mit dem man aus Milch
Joghurt machen kann.
Angeblich sind ja Milchprodukte gar nicht so gesund….behaupten die Veganer.
Ich find’s so krass, dass Nahrungsmittel, vorallem westliche Produkte wie Philadelphia so unendlich teuer ist, während alles andere wiederum so spottbillig ist in China. Ich kann mich noch genau erinnern, wir haben während meines Auslandssemester nur draußen gegessen anstatt selbst zu kochen oder zu backen XD;;;
Haha, ja…die Preisunterschiede sind wirklich extrem. Mit so einer Packung Phiadelphia könnte man schon zu zweit gut essen gehen x] Die Preise in China sind sowieso total verrückt :roll:
Das ist der Philadelphia dann auch einfach nicht wert.
Mir würde wahrscheinlich am meisten das deutsche Brot fehlen.
Ich esse Philadelphiatorte sehr gern. Aber seit der Hersteller die Menge bei gleichem Preis reduziert hat, kommen nur noch Konkurrenzprodukte infrage. Ich fühle mich von dem Hersteller über den Tisch gezogen!
Allerdings bei den von dir genannten Preisen würde ich diese Torte boykottieren. Nicht weil ich den Preis nicht bezahlen könnte, sodern aus Prinzip. Es gibt Grenzen, bei dem mir der Preis nicht mehr gerechtfertigt scheint.
Stimmt, wenn Joghurt, dann natur. Den vielen Zucker und die Dickmittel bei dem sog. Früchtejogurt kann ich mir schenken. Nur muß man inzwischen nach Naturjogurt suchen, um ihn zu finden.
Wenn Veganer behaupten, daß Milchprodukte ungesund seien, haben sie womöglich nicht ganz unrecht. Allerdings ist diese Thematik etwas kompliziert und von Glauben wohl zu sehr durchdrungen? Es fehlt noch an genügend belastbaren Tests.
Es ist wohl so, das in Maßen genossen, immer zu empfehlen ist. ;-)
Leider kenne ich mich mit den Preisen in Deutschland nicht mehr aus. Ich hätte mich unter diesen Umständen wohl auch auf andere Sorten umgestellt.
In China gibt es leider nicht so viel Auswahl hierbei und zudem sind leider alle westlichen Produkte hier überirdisch teuer.
Philadelphia habe ich in den 3 Jahren auch nur ein einziges Mal gekauft. Wenn ich nicht drum gebeten worden wäre, wäre ich auch nie selbst auf die Idee gekommen zu diesem Preis ein paar Gramm Schmierkäse zu kaufen :lol: