Home Reiseberichte Mein Leben in Ningbo Teil 1 “ Der alte Bund – Lao Waitan“

Mein Leben in Ningbo Teil 1 “ Der alte Bund – Lao Waitan“

by Ting Ting

Seit 20 Monaten lebe ich in Ningbo und mir ist aufgefallen, dass ich eigentlich nie richtig über diese Stadt einen Artikel geschrieben habe. Zwar gab es ab und zu Bilder von Ningbo, aber heute möchte ich mal einen kompletten Beitrag schreiben und euch die Orte zeigen, an denen ich schon so oft entlang gelaufen bin. Kurz etwas generelles über Ningbo. Ningbo ist eine Küstenstadt der Provinz Zhejiang und liegt nicht weit weg von Shanghai und Hangzhou. Ningbo (宁波) bedeutet übersetzt ruhige Welle. Da Ningbo am Meer liegt und die Wellen eigentlich immer sehr unruhig sind, gab man dieser Stadt den Namen Ningbo, in der Hoffnung, dass die Wellen ruhig bleiben. Ningbo hat ca. 5,7 Mio Einwohner.

Mein Wohngebiet

Erstmal möchte ich den Ort zeigen, wo ich wohne. Ich wohne eigentlich ziemlich zentral in Ningbo. Von meinem Wohnort kann ich in 10 Minuten zu Fuß nach TianYi, dem Stadtzentrum, laufen. Nicht weit weg von unserer Wohnung sieht man gleich 2 Brücken. Einmal Ling Qiao und einmal Qin Qiao. Ling Qiao ist sehr bekannt in Ningbo und wurde damals von Deutschen gebaut. Eine Chinesin erzählte mir bei meiner Ankunft begeistert, dass diese Brücke von deutschen erbaut und deswegen total stabil wäre. Deutsche Arbeit halt. Das Wort Qin von Qin Qiao (Qiao = Brücke) steht für Musikinstrumente. Von daher wenn man sich die Brücke vom nahen anschaut, sieht man, dass das Geländer aus Musiknoten besteht.

Die unteren beiden Bilder habe ich von meinem Fenster aus gemacht. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, ob ich in einem Gefängnis lebe, wegen den Gittern. Aber das ist in China hier ganz normal. Jedenfalls habe ich es nicht anders kennen gelernt. Die Gitter sind zum Schutz vor Diebe. Auch wenn wir im 7ten Stock wohnen ist es hier nicht sicher. Das rechte Bild entstand an einem Abend, aber ohne Gitter. Ich habe mich mal getraut, meine Kamera aus den Gittern zu halten und ein Foto zu schießen. Man hatte ich Panik, dass die Kamera flöten geht.

Egal um welche Uhrzeit man aus meinem Fenster schaut, es wird immer so hell und beleuchtet sein (außer am Tag natürlich). Aber selbst wenn ich um 3 Uhr morgens aus dem Fenster schaue, sieht es immer noch so aus. Der Himmel ist nie richtig dunkel, wie in Deutschland. Wenn ich jetzt aus meinem Fenster schaue, schaut es wirklich wunderschön aus. Zu schade, dass meine Kamera das nicht so gut aufnehmen kann und ihr es nicht so sehen könnt, wie ich es sehe 🙁

Die Geschichte zum alten Bund – Lao Waitan

An der Kreuzung dreier Flüsse gelegen befindet sich der alte Bund von Ningbo, welches seit der Tang und Song Dynastien erfolgreicher Geschäftshafen ist.1844 wurde es nach dem ersten Opiumkrieg zu einem britischen Vertragshafen ausgebaut. Ningbos alter Bund ist eines der ältesten Bundesanleihen Chinas, in der britische und niederländische Händler lebten, und ist angeblich 20 Jahre älter als die in Shanghai.

Das Lao Waitan ist dafür bekannt, dass sehr viele Ausländer sich dort rumtummeln. Ich vermute, dass es daran liegt, dass es dort dem westlichen Nachtleben sehr ähnelt. Es wimmelt nur so von internationalen Kneipen und Restaurants und man spürt regelrecht die Atmosphäre des Westens noch, unter anderem auch wegen dem europäischen Architekturstils.

Der Old Bund enthält alle notwendigen Annehmlichkeiten, darunter Stadtausstellungen, internationale Hotels, exotische Restaurants und Versammlungshallen. Das brandneue Ningbo ist lebhaft, voller Bars, Cafés und Restaurants, die Küche, Unterhaltung, Freizeit, Shopping und Tourismus miteinander verbinden.
Der Bund ist tagsüber sehr friedlich und man kann schön durch die ruhigen Gassen schlendern. Abends erblühen die Geschäfte und viel Trubel ist angesagt.

Mir wurde gesagt, dass Lao Waitan (老外滩) auf Deutsch „Die alte Y Stadt“ bedeutet (wegen der Aussprache Wai-Englisch für „Y“, tan-Englisch für „town“), da der Fluss wie ein Y aufgebaut ist. Früher dachte ich immer, dass Lao Waitan „Die Ausländer-Sandbank“ bedeutet, da die Chinesen Ausländer immer als „Lao Wai“ bezeichnen. Und da im Lao Waitan immer so viele Ausländer sind, dachte ich, sie hätten diesen Stadtteil danach benannt. Naja, meine Interpretation ist ja auch nicht so unsinnig 😀

 

Jiangbei Catholic Church

Zum Lao Waitan solltet ihr nur Abends hingehen. Vormittags ist dort nicht viel los, außer ihr wollt einige Fotos schießen. Besonders bekannt am Lao Waitan ist diese katholische Kirche, welches ein beliebter Schauplatz von Fotografen ist für Hochzeitsfotos. Unten seht ihr wieder eine Brücke. Sie ist auch bekannt für den Lao Waitan. Im nächsten Teil der Serie werde ich über diese Brücke gehen und euch zeigen, was es auf der gegenüberliegenden Seite vom Lao Waitan gibt.

Zuletzt aktualisiert am 23.04.2018

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16 Kommentare

ophelia 04/10/2013 - 20:01

Das sind ganz tolle Bilder und Du hast sehr schön dazu geschrieben.
Du lebst ja für chinesische Verhältnisse in einer „Kleinstadt“, oder? Die Abendaufnahmen bzw. Nachtaufnahmen haben mir besonders gefallen. Vielen Dank für den Bericht!
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Ophelia

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Ting Ting 05/10/2013 - 06:18

Hallo Ophelia,
Ich denke für chinesische Verhältnisse ist Ningbo schon eine etwas kleinere Stadt, Ningbo hat halt nicht so viele Einwohner, dass man sie schon als eine richtige Großstadt bezeichnen kann. Shanghai hat im Vergleich laut Wikipedia ja schon 23Mio Einwohner…
Jedoch sagt man, dass Ningbo die zweitwichtigste Stadt in unserer Provinz ist. Ich weiß also auch nicht so recht. Es gibt aber sicherlich noch viele kleinere Städte, als Ningbo. Vielleicht dann so ein Mittelding =)

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Myriam 04/10/2013 - 23:26

Guten Abend,
ich muss ehrlicher Weise zugeben, dass ich mir China ganz anders vorgestellt habe. Deine Fotos sind sehr schön. Ich bin schon auf den 2. Teil gepannt.
Gibt es eigentlich in Ningbo eine sehr starke Gliederung in schöne Ecken, wo eher die Reichen wohnen und in arme Gegenden, wo die ganzen Fabriken stehen etc.?
Ich habe heute übrigens über postcrossing meine erste Karte aus China (Peking) bekommen, sie war 17 Tage unterwegs. Ich warte jetzt darauf, dass meine Karte endlich in Shanghai ankommt.
Grüße Myri

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Ting Ting 05/10/2013 - 06:41

Hallo Myriam,
Ich glaube so eine starke Gliederung zwischen Arm und Reich gibt es in Ningbo nicht. Zwischen den ganzen Hochhäusern gibt es immer wieder mal auch alte, gebrechliche Gebäude. z.B wohne ich in einem ziemlich alten Gebäude, wobei neben uns einige riesen Hochhäuser stehen(das Bild von meinem Fenster aus), die wohl extrem teuer sind.
Ein Bereich, wo die ganzen Fabriken stehen, gibt es jedoch, aber ziemlich außerhalb von Ningbo.
Von Postcrossing habe ich auch schonmal gehört, da war deine Post aber ziemlich lange unterwegs. Meine Post nach Deutschland hatte „gerade mal“ 10 Tage gebraucht. Ich finde es schön, dass man auch noch handgeschriebene Post verschickt : )

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Carina 06/10/2013 - 00:29

Super Beitrag! Hab mich schon gewundert, ob du darüber mal was gepostet hast, als ich den Blog noch nicht kannte. Hab Ningbo mal gegooglet. 😀

Lao Waitan sind wirklich nicht sehr chinesisch aus. 😀

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Ting Ting 06/10/2013 - 04:20

Danke 🙂
Ningbo kennen eigentlich die wenigsten, darum habe ich zuvor auch nie richtig was dazu geschrieben und auch weil ich damals noch nicht so viele Bilder zum Vorzeigen hatte..
Aber naja, jetzt dachte ich mir einfach, warum denn nicht etwas darüber schreiben, hehe.

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Tatj 07/10/2013 - 18:15

Die Aussicht aus deinem Fenster, besonders wenn man dahinten auf den Fluss schauen kann und die grünen Baumkronen sieht, sieht uuuunglaublich toll aus! ^_^
Und so riesige beleuchtete brücken hab ich auch noch nie live gesehen, sooo schön Nachts!

Lg

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Ting Ting 08/10/2013 - 09:36

Ja, die Aussicht ist wirklich schön. Nur der Fluss naja, momentan ist der am überlaufen xD Seit 4 Tagen regnet es hier in Ningbo ununterbrochen und es gibt fast überall hochwasser. Da schaut es schon nicht mehr ganz so schön aus, aber sonst ja ^^

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Cirria Crafts 08/10/2013 - 22:16

Sehr schöner Beitrag. Auch ich habe mir China anders vorgestellt, denn im Fernsehen sieht man China ja meist von einer anderen Seite. Aber das Städtchen, in dem du wohnst, ist wirklich sehr hübsch. So ein toller Ausblick bei Nacht, würde auch mir gut gefallen, aber wenn ich Abends aus meinen Fenstern schaue, sehe ich nichts – höchstens ein paar Straßenlaternen. 😀

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Ting Ting