Alltag in China – Dinge, über die kaum jemand spricht

by Avatar-FotoTing Ting
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Wenn man nach China zieht, denkt man zuerst an Essen, Kultur und neue Eindrücke.
Worüber kaum jemand spricht, sind die ganz normalen Alltagsprobleme: Behördenwege, extreme Hitze, Krankenhausbesuche oder auch Diebstahl. Dieser Monat war für mich ein gutes Beispiel dafür, wie sich das Leben hier wirklich anfühlt, nicht spektakulär, sondern einfach anstrengend.


Sommer in Ningbo – die Hitze ist kein Witz

Wie ich vorher schon vermutet hatte, fängt nun der Sommer richtig an. Den heißesten Tag hatten wir bis jetzt vor einer Woche gehabt. Da hat der Thermometer mir im Bus 42°C angezeigt. Und bei der schwüligen Hitze hier ist das natürlich ein Genuss.

Offiziell zeigt der Wetterbericht in Ningbo übrigens selten mehr als 38 °C an. Angeblich, weil man über 38 °C eigentlich arbeitsfrei bekommen müsste. Ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber aufgefallen ist es mir in den letzten Jahren definitiv.

Ohne Klimaanlage ist der Alltag kaum möglich. Gleichzeitig sind die Temperaturunterschiede extrem: draußen Hitze, drinnen arktische Kälte. Genau davon wird man hier auch schnell krank.

Und dann war da noch der Taifun Chan-Hom, der Anfang des Monats fast meinen halben Balkon weggeweht hat.


Behörden & Busfahren – nichts ist so wie geplant

Mein Visum lief ab und ich musste ein neues beantragen und persönlich abholen. Da ich die chinesischen Schriftzeichen an Haltestellen kaum lesen kann, hatte ich mir vorher alle Stationen in Pinyin aufgeschrieben.
Trotzdem bin ich drei Mal hin- und her gefahren, weil die Angaben im Internet nicht mit den Ansagen im Bus übereinstimmten.

In China wird ständig umgebaut. Haltestellen ändern sich, Behörden ziehen um  und online steht oft noch der alte Stand.

Nach drei Stunden Heimweg kam ich völlig erledigt an. Dann rief mein Mann an: Wir müssen sofort nach Wuxi, sein Großvater ist verstorben. Also direkt wieder los, weitere sechs Stunden Busfahrt.
Über die Beerdigung selbst möchte ich eigentlich nicht viel sagen, nur dass sie 7 Tage lang verlief…


Sicherheit – mehr Diebstähle als in meinem ganzen Leben

Kurz danach folgte ein geschäftlicher Trip nach Shanghai. Die Messe war schon enttäuschend, aber auf dem Rückweg wurde mein Mann bestohlen. Wir sind erst um 23:00Uhr Abends in Ningbo angekommen mit mehreren Gepäcken. Und dabei war wohl mein Mann nicht vorsichtig und sein Handy wurde entwendet. Bemerkt haben wir es natürlich, als es schon zu spät war.

Ich habe 21 Jahre in Deutschland gelebt und wurde nie beklaut. In China dagegen innerhalb von drei Jahren vier Mal:
    •    mein iPad
    •    mein Portemonnaie am Arbeitsplatz
    •    ein Paket
    •    jetzt das Handy meines Mannes

Seitdem halte ich meine Tasche reflexartig vor dem Bauch fest.


Krankenhaus & Sommergrippe

Nach einem Termin in Hangzhou (42 °C Busfahrt) wurde mein Mann krank, am nächsten Tag ich auch: 39,5 °C Fieber. Also Krankenhaus. 

Und das tolle daran war, dass da schon zich Omas und Opas schlange standen um behandelt zu werden. Also musste ich mich erstmal hinten anstellen. Das beste kommt ja noch, neben mir stand ein Mann, der genüßlich an seiner Zigarette zog und die Luft verpestete…

Am Krankenhaussytem können die Chinesen ruhig noch dran arbeiten… Zu wenig Krankenhäuser… zu viele Menschen. Habe dort 1 1/2Stunden verbracht.

Am Ende bekommt man zwar Hilfe, aber der Weg dahin kostet Nerven.


Am Ende ist es genau das: Alltag

Der Monat begann schlecht und hörte auch nicht besser auf. Stress, Hitze, Wege, Krankheiten und kleine Katastrophen.

Wenn man in China lebt, sind es selten große spektakuläre Ereignisse. Es sind die vielen kleinen Dinge gleichzeitig, die den Alltag anstrengend machen. Und trotzdem gewöhnt man sich daran erstaunlich schnell.

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16 Kommentare

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Io 07/08/2015 - 01:28

Wow. Kann ja nur besser werden! Ich drücke die Daumen.

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Ting Ting 07/08/2015 - 13:15

Vielen Dank : )

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Ragnar 07/08/2015 - 05:54

Du Arme! Ein Monat zum schnell vergessen. Oder vielleicht gerade nicht. Wenn man sich an solche Zeiten zurück erinnert, kann man ganz „normale“ Monate wohl viel besser genießen! Ich wünsche Dir auf jeden Fall einen herrlichen August!

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Ting Ting 07/08/2015 - 13:16

Ja, das stimmt auch wieder. Momentan ist bei mir immer noch alles sehr kompliziert. Aber mal schauen… ^^

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Sari 07/08/2015 - 12:53

Ahje,das hört sich ja wirklich alles nicht so toll an. Ich drücke die Daumen, dass es bald überstanden ist und du dann den Rest des Jahres Ruhe hast.

Also Krankenhaus kenne ich eigentlich nur mit Wartezeit in dem Rahmen…auf der Kindernotfallstation war das Längste was wir bisher hatten 4 Stunden mit einem Kind, das ständig einschlief nachdem es sich den Kopf gestossen hatte…nicht sehr beruhigend

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Ting Ting 07/08/2015 - 13:21

Das dumme in China ist ja, dass es nur Krankenhäuser gibt. Also keine normale Arztpraxen. Dann kommen dann alle „unwichtigen“ und dringenden Notfälle zusammen und alle müssen halt Schlange stehen, wenn nicht grad jemand am verbluten ist (derjenige muss natürlich auch vorher erst bezahlen, denn sonst wird man nicht behandelt…*kopfschüttel*).
Da ich offiziell ja deutsche Staatsbürgerin bin, habe ich sogar noch einen Sonderstatus erhalten. Also ich durfte mich etwas vordrängeln…
Bei Kindern stelle ich mir das dann besonders schlimm vor. Da stirbt man ja fast vor Sorge, wenn man 4 Stunden warten muss… :(

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Io 08/08/2015 - 03:56

Ich war in diversen Krankenhäusern in China, am meisten fiel mir der Mangel an Privatsphäre auf. Viele Fälle wurde bei offener Tür und teilweise mit anderen Patienten im Raum behandelt, die auch gerne ihre Meinung zum besten gegeben haben. Und ich meine bei ambulanten Fällen, bei stationären ist es klar, dass man die anderen nicht immer rausschicken kann. Da wurden dann auch z.B. interessante Hautveränderungen von allen Anwesenden (andere Patienten und deren Angehörige) interessiert beäugt. Kleiner Kulturschock.

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Ting Ting 08/08/2015 - 10:24

Ja…genau die selbe Erfahrung habe ich auch gemacht. Dieses Mal war ich in einem kleinen Krankenhaus, da waren zum Glück nur noch 2 Leute mit mir im Raum.
Hatte aber auch schon Situationen, wo ich dann vorm Arzt saß und dann 15 Leute drumherum im Kreis standen. Vor den Augen der anderen Patienten hatte der Arzt dann meinen Körper abgefühlt. War mir schon unangenehm…
Ich mag es generell nicht gern in China zum Arzt zu gehen :-/

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Johanna 08/08/2015 - 03:05

Alles Gute für die nächsten Monate! Ich würde sehr gerne eines Tages nach China reisen, aber solche Temperaturen schrecken mich wirklich davon ab, das im Sommer zu tun. Hier in Bayern sind es anhaltend 30 bis 37 Grad und ich lebe nur noch in slow motion ;).
Was Krankenhäuser betrifft, finde ich die Wartezeiten auch vertraut,ich musste einmal mit einem gebrochenen Bein sieben Stunden warten. Mein Freund hat mich huckepack auf die Toilette getragen .. Aber verglichen mit Praxiswartezeiten ist das tatsächlich lang.

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Ting Ting 08/08/2015 - 10:31

Vielen Dank : )
Man kann auch im Sommer nach China reisen. Da muss man nur den richtigen Platz suchen^^ China ist ja riesig und die Klimazonen sind dementsprechend auch unterschiedlich.
Nur würde ich auf jeden Fall den Süden und den Osten Chinas im Sommer vermeiden. Besonders ja der Süden, da ist es glaub ich noch wärmer als hier im Osten :shock:

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Horst-Dieter 08/08/2015 - 18:03

Chinesen fahren dorthin, wo bereits Menschen sind. Denn dort muß es ja schön sein, sonst wären dort ja keine Menschen. Ist doch logisch, oder? ;-) Und sie lieben es fotografiert zu werden. Wir haben uns köstlich amüsiert. :-)
Ich denke, das Chinesen es auch durchaus mögen, wenn mehrere Patienten im Behandlungsraum sind. Es ist doch viel spannender als einzeln behandelt zu werden. Ich kenne das von meinem alten Hausarzt. Gott habe ihn selig. Der muß mental auch ein Chinese gewesen sein, denn er bat auch immer gleich mehrere in seinen Raum. War jedenfalls nie langweilig. Wenns „intim“ wurde, hat er die Leute schon einzeln behandelt. Das nur um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen.

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Ting Ting 09/08/2015 - 21:54

Ich kann mir gut vorstellen, dass bei deinem Arzt eine gute Atmosphäre hing. Aber ich glaub das ist da noch etwas anders, wenn der Arzt das freiwillig macht oder man einfach keine Wahl hat, weil der Andrang der Patienten einfach zu hoch ist.
Ich persönlich mags ja nicht so sehr, wenn mir andere kranke Leute ins Gesicht husten :roll:

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Hani 13/08/2015 - 16:35

Mir wurde gesagt, dass man nach so einer langen Pechsträhne mal beim Lotto mitmachen soll. Angeblich wenn das Haus mal abbrennt, sol woanders Geld reinfließen.

Ich hoffe, das es mittlerweile alles besser läuft !

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Ting Ting 13/08/2015 - 23:01

Haha, habe mir auch schon überlegt ob ichs nicht mit dem Glückspiel versuchen soll :D
Gesagt getan. Mal schauen ob ich morgen mit den Scheinen Glück habe :P

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Eva 14/08/2015 - 20:05

Immer sehr spannend, was du hier berichtest! Ich kenne in China nur die „typischen“ Ziele und war jeweils ein paar Tage in Hongkong, Beijing und Shanghai und einmal in Guilin. Mir hat es unheimlich gut gefallen und würde als nächstes gern mal nach Qingdao reisen.

Wie lief denn das mit der Beerdigung ab, man kann doch nicht so spontan so viel Urlaub nhemn, oder?
Liebe Grüße nach China!

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Ting Ting 23/08/2015 - 09:10

Hallo Eva,
sorry, habe dein Kommentar nach der Freischaltung ganz vergessen…
Also mein Mann und ich waren jeweils nur am Sterbetag und am letzten Tag der Beerdigung dort.
Meine Schwiegermutter hingegen war schon die ganze Woche dort und hat sich dementsprechend auch frei genommen.

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