Qingtian (青田) ist ein kleiner Kreis in der Provinz Zhejiang und gehört zur bezirksfreien Stadt Lishui. Für viele Menschen außerhalb Chinas ist Qingtian völlig unbekannt. In China hingegen ist der Ort vor allem für eines bekannt: seine außergewöhnlich hohe Zahl an Auslandschinesen.
Meine Eltern leben in Qingtian, wenn sie nach China zurückkehren. Qingtian war außerdem die erste Stadt, die ich überhaupt in China gesehen habe – entsprechend ist mein Blick darauf sehr persönlich.
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Warum Qingtian für Auslandschinesen so bekannt ist
Qingtian wird oft mit Auswanderung in Verbindung gebracht. Über Generationen hinweg sind von hier besonders viele Menschen ins Ausland gegangen, vor allem nach Europa. Deshalb ist der Ort in China ein fester Begriff, wenn es um Auslandschinesen geht – selbst wenn die Stadt an sich klein und unscheinbar ist.
Da mein Chinesisch nicht besonders gut ist, merken viele sofort, dass ich nicht in China aufgewachsen bin. Früher oder später kommt fast immer dieselbe Frage: Woher kommst du?
Wenn ich dann „Deutschland“ sage, glaubt mir das zunächst niemand. Ich sehe schließlich nicht deutsch aus. Also erkläre ich, dass ich eine im Ausland geborene Chinesin bin.
Dafür gibt es im Chinesischen ein eigenes Wort: Huaren (华人) – Menschen chinesischer Herkunft mit ausländischer Staatsbürgerschaft.
Alltag in Qingtian – zwischen Veränderung und Ernüchterung
Seit meinem ersten Besuch hat sich Qingtian stark verändert. Neue Gebäude, neue Straßen, mehr Infrastruktur. Trotzdem ist es kein Ort, den ich besonders mag. Die Stadt ist klein, oft schmutzig, und vor allem anstrengend.Was mich persönlich am meisten stört, ist der Umgang mit Rückkehrern und Auslandschinesen. Viele Einheimische wissen genau, dass Besucher aus dem Ausland das Preisniveau in China nicht gut einschätzen können. Sprache, Verhalten und Auftreten verraten schnell, dass man nicht von dort ist.
Gerade Händler nutzen das aus. Preise werden ohne Zögern vervielfacht, oft in dem stillen Vertrauen darauf, dass Auslandschinesen ohnehin mehr Geld haben und nicht lange verhandeln wollen oder können. Viele zahlen diese Preise auch – nicht, weil sie fair sind, sondern weil sie im Vergleich zum Ausland immer noch günstig wirken.
Als ich das erste Mal in China war, kam mir das völlig normal vor. Ich rechnete alles in Euro um und fand vieles preiswert. Erst später wurde mir klar, dass ich systematisch zu viel bezahlt hatte.
Natur und Wandel in Qingtian
Qingtian liegt in einem von Bergen umgebenen Talkessel. Ein Fluss zieht sich mitten durch die Stadt. Auf alten Fotos aus dem Jahr 2011 wirkt das Wasser trüb und bräunlich. Als ich im März wieder dort war, erkannte ich den Fluss kaum wieder.Das Wasser war plötzlich klar, grünlich-blau. Optisch deutlich schöner – aber auch irritierend. Es stellt sich unweigerlich die Frage, was genau dort verändert wurde, damit sich das Bild so drastisch wandelt. Ob das Ergebnis wirklich natürlich ist, lässt sich schwer beurteilen.
Mein persönliches Fazit zu Qingtian
Qingtian ist kein klassisches Reiseziel. Es ist eine Stadt mit Geschichte, geprägt von Emigration, Rückkehr und einem ständigen Spannungsfeld zwischen Ausland und Heimat.Für mich bleibt Qingtian ein ambivalenter Ort. Emotional verbunden durch meine Familie, aber kein Ort, an dem ich mich wirklich wohlfühle. Vielleicht gerade deshalb eignet sich die Stadt gut, um zu verstehen, wie komplex das Thema Auslandschinesen in China wirklich ist.

14 Kommentare
Vielleicht auch, weil sie anscheinend tatsächlich gegen die Verschmutzung vorzugehen scheinen:
http://english.sepa.gov.cn/News_service/news_release/201501/t20150108_293997.htm
Mh, was die mit dem Wasser gemacht haben, steht da nicht, oder? Habe ich jetzt leider nicht finden können.
Dass der Fluss nur durch die Schließung einiger Fabriken sauber geworden glaube ich nicht so wirklich… Wär jedenfalls mal was positives zu hören, wenn der Fluss nicht aus giftigen Stoffen so schön geworden ist^^
Ein ganz schön wenig tiefes Bloggertief! ;-)
Es ist nicht schön, wenn Menschen versuchen andere so reinzulegen. Aber ich glaube nicht, dass das etwas spezifisch chinesisches ist. Das passiert auch in Deutschland, nur vielleicht versteckter. Und es ist eben auch immer Glück an welche Menschen man gerät. Überall gibt es gute und weniger gute Menschen.
LG Ragnar
Hallo Ragnar,
Im Vergleich zu meiner Anfangszeit, wo ich wöchentlich 2 mal gebloggt habe, ist das schon eine Reduzierung, lach. In meinem Hinterkopf herrscht der Gedanke, den Blog doch nicht ganz so leer zu lassen, darum alle paar Wochen doch mal ein Post von mir :mrgreen:
Ja, das stimmt schon, dass es überall auf der Welt so sein kann. Aber Deutschland und China kann man da nicht so vergleichen, da ist das in China schon extrem.
Allein in den letzten Wochen sind wieder zich Menschen in China an Wassermelonen gestorben, weil die Farmer die gepunscht haben, damit die schneller und größer wachsen. In China habe ich manchmal schon richtig Angst, was ich denn essen kann oder nicht.
In Deutschland werden auch Mittelchen zum Wachstumsförderung genutzt, aber zumindest stirbt man davon nicht…
Die Behörden kümmern sich auch nicht richtig drum. Eher lassen die einen giftiges Zeug essen, als dass das Volk später hungern muss und die Menschen später aus Hunger irgendwas unsinniges machen.
Was die sich hier alles ausdenken. Vor kurzem habe ich erst eine Liste gesehen, was man in China nicht mehr essen kann, darunter: Obst, Tofu, Reis, Eier, Nudeln, Mantou, Wasser!, Zucker, Fleisch, etc. Ich meine, was bleibt dann noch übrig? … Eigentlich gar nichts.
Es ist nichts unbekanntes in China. Leider kann man nur nichts dagegen tun…
Ein unter Deutschen sehr beliebter Sport, über Ämter, Beamten etc schimpfen.
Engländer können sich stundenlang übers Wetter auslassen Deutsche über Politik und Amtsschimmel. Aber, Ämter funktionieren doch sehr zuverlässig. Das muß gerechterweise auch mal gesagt werden! Desterwegen ist ein Ausrufezeichen nach diesem Satz schon angebracht! ;-)
Das Dir die Lust am Blogschreiben schonmal ausgeht, sollte Dir keine Sorgen bereiten. Das ist eher ein Zeichen für mentale Gesundheit. Man gewinnt so einen Abstand der nötig ist, um das Bisherige besser bewerten bzw verbessern zu können. Also Ting Ting Kopf hoch!! Nix was Dir Sorgen bereiten sollte.
Ting Ting hast Du schonmal etwas über meine Lieblingsgruppe „Nüzi shier yuefang“ gehört? Gibs die noch? Eigentlich ist es die alte Gruppe die mit gefällt.
Die weitest entfernten Lieferländer aus denen ich die CDs/DVDs bezogen habe waren die USA und Japan. Japan natürlich alles in Kanji. Aber mir kams ja auf die Musik an. ;-) Es war mir übrigens nicht möglich, die CDs/DVDs aus China zu beziehen. Obwohl es ja eine Chinesische Gruppe ist und man den Chinesen immer eine ausgeprägte Geschäftstüchtigkeit nachsagt. Aber so ist das halt. ;-)
Hallo Ting Ting !
Erst jetzt lese ich dass Du aus Qingtian kommst … na ja irgendwie abstammst zumindest :)
Die Mutter meines Sohnes kommt auch aus diesem Ort, ihre Eltern und Verwandten leben noch immer dort und es ist eigentlich schon unglaublich wie vielen Chinesen man in Deutschland begegnen die dort Bekannte oder Verwandet haben oder zumindest etwas mit dieser Stadt zu tun haben.
Ich war selbst zwei mal dort, 2011 und 2014 und es war schon Atemberaubend wie schnell sich die Stadt in dieser Zeit weiterentwickelt hat. Gerne würde ich diesen Ort wiedersehen aber seit ich von meiner Frau getrennt bin wird das eher nichts, meine neue Partnerin ist zwar auch Chinesin aber aus dem hohen Norden.
2011 war ich noch eine Attraktion als Langnase in Quingtian … 2014 war es schon Routine einen unverständlich redenden Westeuropäer in Qingtian über den Tisch zu ziehen ;-)
Ich mochte den Ort sehr, der neu gebaute Tempel in den Bergen auf der Ostseite des Flusses ist wirklich sehr schön geworden oder der „alte“ Tempel auf der Westseite des Flusses …. ich habe noch gut das krosse Familienessen in Erinnerung im Fei-He Resort … an den riesigen sich drehenden Tischen.
Man merkt in Qingtian aber auch gut das Geld vorhanden ist … viel davon.
Das „Rischa“ fahren in Qingtian war erst gewöhnungsbedürftig aber danach einfach nur normal und toll.
Wie schreibt man Salachou eigentlich richtig ?
Hallo Tino,
ja, Qing Tian hat wirklich besonders viele Auslandschinesen (und Wenzhou auch), die schon vor vielen vielen Jahren nach Europa ausgewandert sind. Meine fast ganze Verwandtschaft ist in ganz Europa verstreut.
Ich war das erste mal 2010 in Qing Tian und das letzte mal 2015. Und ja, es hat sich in dieser kurzen Zeit wirklich wahnsinnig viel geändert. Besonders die Promenade entlang des Flusses haben die sehr schön errichtet.
Obwohl Qing Tian so eine winzige Stadt ist, ist sie wirklich wohlhabend (wieder Dank den Auslandschinesen). Ich merke es auch oft, wenn ich dort einkaufe gehe. Die Preise sind dort sogar noch teurer als in Ningbo (Ningbo hat über 5mio. Einwohner!). Die Rikschafahrten dort fand ich auch sehr angenehm. Aber von den einst 2CNY pro fahrt innerhalb von etwa 5 Jahren auf 5CNY zu gehen, ist schon heftig xD 2014 oder 2015 haben die dort ja auch die Nahverkehrsbusse eingeführt. Und da kostet eine Fahrt (damals) nur 1CNY. Das nur mal zum Preisvergleich ^^
Was meinst du denn mit Salachou? So spontan kann ich mir nicht vorstellen, was das sein könnte :0
Du hast recht … die Promenade ist wirklich toll geworden … als ich die riesige Baustelle in 2011 dort gesehen habe konnte ich mir noch gar nicht vorstellen was da mal hin soll.
Mit Salachou meinte ich die Fahrradrikshas … die haben wir immer „Salachou“ gerufen (ich habe keinen Schimmer wie man das richtig schreibt ich schreibe es so wie es es gehört und gerufen habe)
Qingtian werde ich aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr wiedersehen da mit meiner Scheidung der Kontakt dorthin im laufe der Zeit leider erloschen ist, ich bin jetzt sehr gespannt darauf von meiner Freundin die Stadt Dalian gezeigt zu bekommen. Es wäre schön wenn du ab uns zu ein Update über Qingtian schreiben würdest denn ich mochte den Ort wirklich sehr und die Leute dort auch …
Nachdem sich meine Frau damals von mir getrennt hatte war der Gedanke China nie wieder zu sehen wirklich übel … na ja es hat sich ja dann doch wieder anders ergeben ;-)
Ich bin begeisterter Fotograf und alte chinesische Menschen haben mich als Fotomotiv in China unheimlich fasziniert … ich konnte das nie erklären aber die Leute haben unglaubliche Charaktergesichter, man konnte ihnen ein Leben mit harter Arbeit ansehen aber dennoch hatten sie eine sagenhafte Würde an sich.
Mhhh. Vielleicht 三轮车 Sānlúnchē? Salachou ist wahrscheinlich der Dialekt gewesen :D
Mal schauen, wann ich das nächste Mal nach Qingtian kann. Da meine Eltern jetzt auch in Deutschland sind, habe ich nicht wirklich einen Grund dorthin zu fahren :-/ Aber wenn ich wieder mal die Chance haben sollte, werde ich sicherlich von dort berichten :)
Jaaa genau … ich hab das jetzt meiner Ex Frau geschickt und sie meinte genau so schreibt /spricht man das
Für eine Langnase klingt vieles vollkommen anders „Wo ting bu dong“ :D
Lol das youtube video ist von meinem cousin
Ah, das ist ja witzig. Ich fand das Video sehr schön, so habe ich es hier eingefügt :) Kommt dein Cousin auch aus Qingtian?
unsere eltern kommen aus qingtian, wir sind in deutschland aufgewachsen. Beim lesen deines reiseberichtes dachte ich dass es meine cousine geschrieben hätte. wir waren vor ein paar jahren in qingtian und ningbo bei oma und opa zu besuch. wir betreiben derzeit auch ein restaurant haha..
haha, da unterscheidet uns ja nicht viel^^ Generell kommen ja sehr viele Chinesen, die früh nach Deutschland übersiedelt sind ursprünglich aus Qing Tian. Meine ganze Verwandtschaft ist irgendwo in Europa verstreut.