Ich schreibe oft darüber, wie sich das Leben in China im Alltag anfühlt und was es hier alles gibt. Aber es gibt natürlich auch die andere Richtung. Dinge, die man in Deutschland für selbstverständlich hält und die einem erst richtig auffallen, wenn man längere Zeit in China lebt.
Vieles davon sind keine großen Dramen. Es sind Kleinigkeiten aus dem Alltag. Aber genau diese Kleinigkeiten entscheiden darüber, wie sich ein Land anfühlt.
Ruhe ist kein Standard
Einer der größten Unterschiede ist für mich bis heute die Lautstärke. In Deutschland ist Ruhe etwas Normales. In China eher ein Ausnahmezustand.Straßenlärm, Hupen, Baustellen, Lautsprecheransagen, Musik aus Geschäften, oft alles gleichzeitig. Selbst spät abends oder nachts ist es keine Seltenheit, dass irgendwo noch Feuerwerk gezündet wird oder jemand laut telefoniert. Daran kann man sich gewöhnen, aber wirklich ruhig fühlt es sich selten an.
Verkehr und Ordnung im Alltag
Der Verkehr in China funktioniert nach anderen Regeln. Oder besser gesagt: nach weniger Regeln.
Süßigkeiten: vieles besser geworden – mit einer großen Ausnahme
Bei Süßigkeiten hat sich in China in den letzten Jahren viel getan. Kekse, Gebäck, Bonbons, sogar Gummibärchen sind heute deutlich besser als früher. Viele chinesische Marken experimentieren mit weniger Zucker, anderen Texturen und interessanteren Aromen. Matcha, schwarzer Sesam, rote Bohne, Taro oder Joghurtgeschmack, vieles davon ist gut gemacht und schmeckt nicht mehr so künstlich.Was für mich aber nach wie vor schwierig bleibt, ist Schokolade. Egal ob chinesische Eigenmarke oder lokales Produkt mit westlichem Namen: sie schmeckt oft wachsartig, sehr süß und ohne Tiefe. Kakaoaroma fehlt, stattdessen dominiert Zucker oder Fett. Daran hat sich erstaunlich wenig geändert.
Trinkwasser und Kohlensäure
Leitungswasser direkt zu trinken ist in China nicht üblich. Es wird abgekocht oder gefiltert. Das gehört zum Alltag und ist nichts Besonderes, aber man merkt erst im Vergleich, wie selbstverständlich es in Deutschland ist, einfach den Wasserhahn aufzudrehen.
Kohlensäurehaltiges Wasser ist zwar inzwischen leichter zu bekommen als früher, aber immer noch kein Standard. Wer sprudelndes Mineralwasser gewohnt ist, vermisst das schnell.
Apropo Kohlensäurehaltiges Wasser.
Einmal hatte ich Lust auf Red Bull und habe mir eine Dose gekauft. Der
Schock kam kurz darauf. Chinesische Red Bulls sind ohne Kohlensäure.

Frühstück ist eine andere Welt
Frühstück ist hier warm. Nudeln, Suppen, Teigtaschen, Reisgerichte. Weißbrot gibt es, aber meist süß. Herzhaftes Brot ist schwer zu finden und teuer. Cornflakes und Müsli gibt es, aber ebenfalls eher als Importprodukt.
Internetfreiheit und digitale Grenzen
Dass viele westliche Plattformen in China gesperrt sind, ist kein Geheimnis. YouTube, Instagram, Facebook, Twitter, teilweise auch Google, alles eingeschränkt oder blockiert.
Im Alltag arrangiert man sich damit. Viele nutzen VPNs, andere verzichten. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass das Internet nicht frei zugänglich ist. Gerade für Menschen, die aus Europa kommen, ist das eine spürbare Umstellung.
Heizung – regional sehr unterschiedlich
Je nach Region gibt es in China keine klassische Heizung. Stattdessen Klimaanlagen, die auch warme Luft erzeugen. Technisch funktioniert das, fühlt sich aber anders an. Im Winter kann es in Wohnungen überraschend kalt werden, vor allem in Gegenden südlich des Heizungsgrads.
Weihnachten gibt es – aber anders
Weihnachten existiert in China, aber eher als dekoratives Event. Lichter, Weihnachtsbäume in Shopping Malls, manchmal sogar Weihnachtsmusik.
Was fehlt, ist das, was viele aus Deutschland kennen: Weihnachtsmärkte, Plätzchen, Glühwein, diese besondere Stimmung. Für mich fühlt sich Weihnachten hier eher wie eine Kulisse an als wie ein echtes Fest.
Das Leben in China im Alltag fühlt sich in vielen kleinen Dingen anders an als in Deutschland. Manche Unterschiede fallen sofort auf, andere erst mit der Zeit.
Es geht dabei weniger um richtig oder falsch, sondern um Gewohnheiten. Um Geräusche, Abläufe, Geschmäcker, Selbstverständlichkeiten. Dinge, die man in Deutschland kaum bemerkt – und die einem erst fehlen, wenn sie nicht mehr da sind.

7 Kommentare
Hi, sehr interessanter blog,. !
LG ,
Iva
Kann man überhaupt soviel Gutes essen, ohne zuzunehmen? Viele Chinesinnen sind ja quasi Schlank geboren…
Mhh…ich gehoere dann wohl nicht zu denen, die schlank geboren sind :D Ich zaehle leider schon zu den dickeren in China T.T
Du hast aber Recht, die meisten Chinesen sind extrem duenn, man kann schon mager sagen (finde ich). Manche sagen, die Chinesen werden nicht dick, weil die nicht viel suesses essen, manche sagen auch einfach, dass sich die chinesischen Maedels extrem anstrengen nicht dick zu werden…ich weiss es nicht.
Ich bin eine Naschkatze und kann leider nicht auf naschereien verzichten xD Darum bin ich nicht so duenn, wie die anderen Chinesinnen… aber naja, Essen ist mir zu wichtig :P
Was mich am meisten schockiert sind die gesperrten Seiten. Habe zwar von Youtube gehört, aber dass Facebook und Twitter auch gesperrt sind ist mir neu. Du warst doch sicher in Deutschland bei Facebook, womit bleibst du jetzt mit deinen Freunden/deiner Familie? in Kontakt?
weisst du…sogar dein Blog ist in China gesperrt (alle blogspot blogs). Mein Freund hat mir aber ein nettes Programm runter geladen, damit ich diese Sperre umgehen kann :D
Aber erst nach einem Jahr China-Aufenthalt!
Naja, besser spaet als nie^^
Jetzt kann ich alle Seiten geniessen und konnte auch deine tolle Seite besuchen (auch wenn das Internet jetzt manchmal lahm ist). Zuvor habe ich mit meinen Freunden per Mail geschrieben. Am Anfang fand ich es ja ganz schlimm kein Facebook und co zu haben, aber ich habe mich jetzt irgendwie dran gewoehnt. Obwohl ich jetzt Zugriff auf Facebook habe, gehe ich selten rein.
Also das mir YouTube usw habe ich mal gehört, das würde mich total irritieren. Und warmes Frühstück ? ich esse ja auch mal Rührei und Spiegeleier aber so kein Brötchen mit Nutella mehr ? und Weihnachten … wie kann man das nur nicht feiern ? nein also klar andere Kultur aber wie sind ja auch sehr geprägt auf unsere Tradition. Ganz toller Artikel :)
LG Julia von https://www.meinzauberplatz.de
Haha, ja das mit dem warmen Frühstück ist schon so ein Ding. Ich habe meinen Schwiegereltern mal Müsli und Waffeln aus Deutschland mitgebracht. Die Milch vom Müsli haben die erstmal erwärmt und die Waffeln in der Pfanne angebraten ? ? Ich konnte da reden wie ich will, er wollte es unbedingt warm haben :D