Schönheitschallenges in China: A4-Taille, iPhone-6-Beine und andere Schlankheitstests

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 7,9K Aufrufe 3 Minuten Lesezeit

Hast du auch eine A4 Taille oder Iphone 6 Beine? In China tauchen immer wieder Schönheitschallenges auf, bei denen der eigene Körper mit Alltagsgegenständen verglichen wird. Zu den bekanntesten und am häufigsten zitierten Beispielen gehören die A4-Taille und die iPhone-6-Beine. Beide Tests sollen angeblich zeigen, ob man „schlank genug“ ist, und beide haben sich zeitweise rasant über soziale Netzwerke verbreitet.

Was als spielerischer Trend beginnt, entwickelt dabei schnell einen eigenen Druck. Denn plötzlich reicht es nicht mehr, schlank zu sein. Man muss es auch beweisen – sichtbar, vergleichbar und möglichst öffentlich.

iPhone-6-Beine – Schlankheit zum Nachmessen

Nach dem A4-Taillen-Hype folgte bald eine weitere Challenge, die vor allem durch ihre Bildwirkung auffiel: die iPhone-6-Beine.

Der Ablauf ist simpel. Die Beine werden fest aneinandergepresst, anschließend legt man ein iPhone 6 quer auf die Knie. Und ja – es muss genau dieses Modell sein. Verdeckt das Smartphone die Beine vollständig, gilt der Test als bestanden. Das Ergebnis: perfekte „Streichholzbeine“.

Danach wird meist noch ein Foto gemacht und in sozialen Netzwerken geteilt. Damit jeder sehen kann, dass man iPhone-6-Beine hat – und ganz nebenbei auch ein iPhone 6 besitzt. Beides scheint dabei fast gleich wichtig zu sein.

Die A4-Taille – Papier als Maßstab

Die A4-Taille war einer der ersten Schlankheitstests dieser Art, die größere Aufmerksamkeit bekamen.

Die Regel ist schnell erklärt: Man hält ein A4-Blatt senkrecht vor die Taille. Ist die Taille nicht breiter als das Blatt, gilt sie als perfekt. Dass ein genormtes Blatt Papier keinerlei Bezug zu Körpergröße, Proportionen oder Gesundheit hat, spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist allein das Ergebnis: passt oder passt nicht.

Warum funktionieren solche Schönheitschallenges so gut?

Diese Schlankheitstests folgen alle demselben Prinzip. Sie sind leicht verständlich, visuell eindeutig und lassen sich ohne Hilfsmittel sofort überprüfen. Genau deshalb eignen sie sich so gut für Social Media. Kein Maßband, keine Zahlen, keine Erklärungen – nur ein Gegenstand, ein Foto und ein Urteil.

Für manche bleibt das ein harmloser Vergleich. Andere gehen deutlich weiter, bis hin zu kosmetischen Eingriffen, die in China längst normalisiert sind.

Weitere bekannte Schlankheitschallenges

A4-Taille und iPhone-6-Beine sind nicht die einzigen Trends dieser Art. In den letzten Jahren kursierten in China unter anderem auch:
    •    die Coin-Collarbone-Challenge, bei der Münzen in der Schlüsselbeinmulde gestapelt werden
    •    der Paper-Knee-Test, bei dem ein Blatt Papier zwischen Knie und Oberschenkel gehalten wird
    •    die Palm-Waist-Challenge, bei der eine Hand um die Taille greift
    •    die Belly-Button-Reach-Challenge, bei der man versucht, mit dem Arm hinter dem Rücken den Bauchnabel zu erreichen
    •    sowie die A4-Face-Challenge, bei der das Gesicht schmaler als ein A4-Blatt sein soll

Viele dieser Challenges verschwinden nach einiger Zeit wieder, neue kommen hinzu. Das Prinzip bleibt jedoch gleich. Verstärkt werden diese Körperideale vor allem im Internet, etwa durch stark inszenierte Schönheitsbilder sogenannter Wang Hong.

Zwischen Spaß, Vergleich und Druck

Oft werden solche Trends als harmloser Spaß dargestellt. Als kleine Spielerei, an der man einmal teilnimmt und dann wieder vergisst. Doch wenn man bedenkt, wie präsent Schlankheit ohnehin schon ist, fällt es schwer, sie nur als Spiel zu sehen.

Der Druck, schlank zu sein, zeigt sich nicht nur in diesen Challenges, sondern auch im Alltag und in den Erwartungen daran, wie eine perfekte chinesische Frau auszusehen hat.

Ich frage mich dabei immer wieder, warum man gleichzeitig Studien liest, die behaupten, Chinesen würden immer dicker werden, während man im Alltag fast ausschließlich sehr schlanke junge Frauen sieht. Wenn selbst sehr dünne Frauen anfangen, sich an Papierformaten, Münzen oder Handymodellen zu messen, ist es kein Wunder, dass viele dauerhaft das Gefühl haben, nicht zu genügen.

Wann wird ein Trend problematisch?

Vielleicht nicht dann, wenn jemand aus Neugier einmal mitmacht. Sondern dann, wenn solche Tests anfangen, den eigenen Wert zu definieren. Denn egal, wie viele Challenges man besteht – irgendwo wartet immer der nächste Maßstab.

Dieser Artikel ist Teil einer thematischen Übersicht zu Schönheitsidealen, Körpernormen und gesellschaftlichen Erwartungen in China. → Zur Übersicht

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16 Kommentare

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Ragnar 07/04/2016 - 13:06

Fürchterlich, wie sich die Mädchen und jungen Frauen gegenseitig unter Druck setzten. Ich vermute einfach mal, dass es so ist. Oder hast Du den Eindruck, dass in China auch die Jungen und jungen Männer diesen Trend zu solchen „Schönheitsvorschriften“ unterstützen?

LG Ragnar

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Ting Ting 09/04/2016 - 15:22

Hallo Ragnar,
ja, ich denke schon. Das alles gehört einfach etwas zum Schönheitsideal in China dazu. Einfach allen zeigen, was man denn für eine schöne Figur hat.
Es gibt noch viele solcher Challenges, wie einmal den Arm hintenrum den Bauchnabel berühren. Das heißt, man hat ne schlanke Taille.
Oder einen Stift unter die Brust „klemmen“. Wenn der Stift haften bleibt und auch noch sichtbar ist, hat man perfekte Brüste. Etc, etc…

Die Asiaten sind ja allgemein im Vergleich zu Westler eher kleiner und zierlicher (sowohl Frauen als auch Männer). Vielleicht kann man da solche Challenges auch nicht so gut übertragen.
Für mich als eine in Deutschland aufgewachsene Person empfinde viele Chinesinnen schon als viel zu mager, wobei viele Chinesen denken, „ja, das ist doch normal“.
z.B in Deutschland gelte ich wahrscheinlich als normal gewichtige. In China bekomme ich oft zu hören, dass ich dick geworden bin. Ist manchmal echt deprimierend, haha…

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dieter 12/04/2016 - 12:48

hallo ting ting,
ich plädiere für A4 querformat. bild 2 & 3 (beine) kommen doch nicht von sportlicher bewegung, oder? hat sich doch auch im westen gezeigt, was das aus besonders jungen mädchen machen kann. lass dich bloss nicht ärgern, und bleibe genau so wie DU dich wohl fühlst.
dieter

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Ting Ting 15/04/2016 - 15:23

Na, wahrscheinlich eher nicht :roll:
Hehe, danke für deine Worte ♥

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Bammy 16/04/2016 - 21:54

Solange du den Wahn nicht mitmachst. Ich finde dich nämlich auch genau so toll, wie du bist :)

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Horst-Dieter 16/04/2016 - 10:33

Hallo Ting Ting,

mein Eindruck ist eher, das Chinesinnen für sich das A3 Format zunehmend favorisieren. Das A4 Format scheint lediglich als Kritikvorlage beim Begutachten anderer Frauen durch Frauen/Männer zu dienen?
In DE sind wir weiter. Da scheint A3_quer die Wirklichkeit besser abzubilden?
Zukünftig wird mann wohl ins Museum gehen müssen, wer Qipao bewundern möchte. ;-)

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Ting Ting 20/04/2016 - 04:33

Meinst du, die Chinesen werden immer dicker? Oder immer mehr auf „dickere“ stehen?
Du hast schon recht, dass vieles als Kritikvorlage dient. Ist alles halt eine Idealvorstellung, wie der perfekte Körper einer Frau sein sollte.
Das mit dem Qipao, das ist ja leider genauso wie mit den anderen traditionellen Kleidungsstücken :(

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Horst-Dieter 20/04/2016 - 08:46

Hallo Ting Ting,

mein Eindruck ist, das immer mehr Chinesen beiderlei Geschlechts es mit Übergewicht zu tun haben. Einige ganz gewaltig. Ja, auch Männer sollten auf Taille achten. Innere Werte sind ja lobenswert, nur sieht die das Auge nicht. Und etwas Ästhetik im Leben ist immer erfreulich, zumal damit auch die Gesundheit unterstützt wird. :-)
Allerdings gleichzeitig wird für Frauen ein Schönheitsideal propagiert, das nur die Wenigsten erreichen können, weil unnatürlich. Das es Frauen gibt, die von Natur sehr schlank sind, bestätigt nur die Regel.
Selbst ein Qipao würde an diesem dünnen Schönheitsideal nicht wirklich gut aussehen, obwohl er für schlanke Frauen gemacht zu sein scheint. ;-)
Ich denke, es wird sich früher oder später wieder einpendeln. Wäre zu hoffen. ;-)

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Maricel 10/08/2016 - 10:34

Hallo Ting Ting,
lass dich nicht runterziehen, du bist nicht dick.
Nach chinesischen Maßstäben muss man ja wohl ein schlechtes Gewissen kriegen und das ist dieAbsicht, die dahintersteht. Den „Bleistifttest“ mit den Brüsten dürften sie Superschlanken eher nicht bestehen.

LG Maricel

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Ting Ting 11/08/2016 - 15:15

Hallo Maricel,
hehe, danke, dass du das sagst ^^
Ja das stimmt mit dem Bleistift. Es sei denn man hilft etwas nach…

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Feifei 25/10/2016 - 23:01

Hallo Tingting,

ich bin fast so wie du. Bin auch in Deutschland aufgewachsen, jedoch in China geboren. Mit junge 7 Jahren bin ich mit meinen Eltern nach Deutschland gezogen.
Ich muss sagen, ich finde die Denkweise von Chinesen schrecklich und zugleich traurig. Ich bin 169cm und wiege ca 60kg (19Jahre alt). Das ist ein NoGo für die Chinesen. So jung und schon so „fett“. Ich fliege jedes Jahr nach China und jedes Jahr werde ich als fett bezeichnet. Sie nehmen auch kein Blatt vor den Mund sondern sagen mir direkt ins Gesicht (und das Tag für Tag): Bitte nimm mal ab, du bist viel zu fett. Wie willst du später heiraten? Wer will dich heiraten? Du bist so dick!!!
Für eine Zeit lang habe ich sogar Depressionen bekommen weil einfach zu viele Verwandten mich als fett bezeichnet haben und auch Menschen die ich nicht kenne, haben das zu mir gesagt. Ich bin in Qingdao aufgewachsen, eine relativ große Stadt. Ich hätte nicht gedacht, dass manche Leute so unverschämt sind.
Ich bin so froh, dass ich jetzt in Deutschland lebe. Ich bin so verängstlich von den Chinesen, dass ich jetzt sämtliche Kontakte zu Chinesen abgebrochen habe (außer gute Freunde). Sie reden mir das solange ein, ich glaube es schon selbst, dass ich fett bin. Obwohl ich im Bereich Normalgewicht bin für meine große Größe. Merken sie nicht, dass deren Worte einen Menschen zerstören kann? Ihr Selbstbewusstsein von 100 auf 0 runterziehen kann?
Ich habe Angst. Angst davor, wieder Depressionen zu bekommen. Warum sagen sie sowas? Das ist überhaupt nicht menschlich.

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Ting Ting 27/10/2016 - 02:17

Hallo Feifei,
ich kann das sehr gut nachvollziehen, was du da beschreibst. Bei mir war es aber nicht ganz so extrem, dass die Verwandten mich gleich beleidigt haben (anders kann man das ja nicht nennen, was da bei dir abgeht).
Als ich klein war, hatte ich den Spitznamen „Dickerchen“ in der Familie, obwohl ich immer um die 50kg wog. Ich glaube das sagt auch schon vieles, lach.
In letzter Zeit habe ich wieder etwas zugenommen und meine Schwiegermama meinte sofort, dass ich ja so dick geworden sei. Mein Gesicht wäre regelrecht „aufgequollen“. Ich habe ehrlich gesagt schon gar kein Bock mehr da überhaupt hinzuhören.
Am meisten regen mich ja die mageren Frauen auf, die meinen, die seien immer noch zu fett. Ich mein, die sehen schon wie Bohnenstangen aus und wollen noch dünner werden? Da kriegt man ja selbst schlechtes Gewissen, wenn überall solche Frauen das einem vor die Nase halten.
Die Chinesen sind da schon etwas verrückt. Ich glaub das ist in ganz Ostasien so, dieser Magerwahn. Viele Männer hier sehen oftmals ja nicht besser aus. Total abgemagert und schwächlich. Mach dir keinen Kopf. So lange du gesund bist und du dich wohl fühlst, ist doch alles ok^^

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Maricel 26/10/2016 - 18:54

Hallo,
das ist ja unglaublich, dass du mit deinen Maßen als NoGo für Chinesen giltst.
Was für eine Kleidergröße hast du ? 36 ? Das soll „fett“ sein.
Wer ständig so angegangen wird, den trifft das irgendwann. Die Leute haben kein Benehmen
Was wollen die denn ? das Gewicht anderer Personen geht die gar nichts an und ich wär froh, so wenig zu wiegen. Wahrscheinlich bist du für eine Chinesin auch überdurchschnittlich groß.
Lass dich nicht runterziehen, die spinnen sich was zusammen. Eine Kindergröße ist vielleicht für diese Leute normal, für den Rest nicht.
Wünsche dir alles Liebe !

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Maricel 30/10/2016 - 11:04

Huhu TingTing,

mit 52kg „aufgequollen“ genannt zu werden, ist doch unglaublich.
Die chinesische Küche hilft doch auch nicht beim Abnehmen. Bei 52 kg darauf angesprochen zu werden, ist schon krass.
Dass superschlanke Frauen sich immer noch „fett“ fühlen ist ein Zeichen von krankhafter Magersucht. Sowas auch noch gesellschaftlich zu pushen ist genau so krank.
Gesunde Menschen sehe anders aus. In Deutschland gibt es ja spezielle Kliniken für Magersüchtige, oftmals endet das aber auch mit dem Tod.
Dieser Schlankheitswahn ist nicht nur in Ostasien verbreitet. Models werden mit Photoshop noch mal weiter „verschlankt“, damit normale Frauen ein schlechtes Gewissen kriegen. Größe Null (32) wird da angestrebt ohne Rücksicht auf den biologisch vorgegebenen Körperbau. Kurven sind bei einer Frau nicht nur normal, sondern schön.
Nebenbei bemerkt werden magersüchtige Frauen auch probleme während der Schwangerschaft kriegen, wenn es denn überhaupt klappt.
inzwischen haben wenigstens einige Modeblätter bemerkt, dass Schlankheitswahn nicht gerade gut ist.

LG Maricel

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Ting Ting 02/11/2016 - 12:01

Hallo Maricel,
ja, das Problem gibt es natürlich überall auf der Welt. Habe aber persönlich das Gefühl, dass es hier etwas extremer ist. Die Models in chinesischen Online Shops hauen mich oftmals echt um. Zb hier:
https://item.taobao.com/item.htm?spm=a1z10.3-c-s.w4002-14705434202.39.fXTrIo&id=538463506675
Das Modell auf dem Bild hat folgende Maßen: 157cm und 38kg. (Ist keine Kinderkleidung). Ich denke sowas zieht auch viele Mädels runter. 38kg bei so einer Größe ist echt der Hammer….

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Elli 03/12/2019 - 14:34

Hallo Ting Ting,

leider ist das Thema u.a. ein Grund warum ich total Bammel vor meinem Auslandsjahr in China habe.
Ich bin von der Uni aus 2 Semester in China und an sich bin ich ein totaler China-Fan. Ich liebe die Kultur, spreche chinesisch und schaue privat fast nur noch C-Dramas :-D
Leider bin ich noch weit weit entfernt von einem schlanken Körper und habe dadurch Angst mir dumme Kommentare/Blicke antun zu müssen oder einfach schlechter behandelt bzw. Kontakte knüpfen zu können.
Denkst du, dass das bei Ausländern vielleicht gar nicht so angesprochen wird? Oder ist das in den Großstädten einfacher/problematischer?

Wenn du dir mit deinen süßen 52kg schon Gedanken machst… ohje da wird mein Selbstwertbewusstsein leiden ^^‘

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