Mantou (馒头) werden im Deutschen oft als „chinesisches Brot“ bezeichnet, auch wenn sie mit klassischem Brot nur wenig gemeinsam haben. Es handelt sich um gedämpfte Hefeteigbällchen ohne Füllung, die vor allem in Nordchina zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln gehören.
Mantou sind schlicht, sättigend und tief im chinesischen Alltag verankert.
Während Reis im Süden Chinas dominiert, bildet Weizen im Norden die Grundlage vieler Mahlzeiten.
Aus dieser regionalen Prägung heraus entwickelten sich Mantou zu einem festen Bestandteil
der täglichen Ernährung – vergleichbar mit Brot oder Brötchen in Europa.
Was genau sind Mantou?
Sie bestehen aus einem einfachen Hefeteig aus Weizenmehl, Wasser und Hefe.
Im Gegensatz zu Baozi enthalten sie keine Füllung. Sie werden nicht gebacken, sondern gedämpft, wodurch sie ihre typisch weiche, elastische und leicht fluffige Textur erhalten.
Geschmacklich sind Mantou mild und leicht süßlich. Gerade diese Zurückhaltung macht sie so vielseitig: Sie können pur gegessen, zu herzhaften Gerichten kombiniert oder sogar leicht angebraten werden.
Mantou und Baozi – der Unterschied
Mantou werden häufig mit Baozi verwechselt, sind jedoch klar davon zu unterscheiden:
* Mantou: ungefüllt, Fokus auf Teig
* Baozi: gefüllt, Teig und Füllung im Gleichgewicht
Während Baozi oft als eigenständige Mahlzeit oder Snack gelten, fungieren Mantou meist als Beilage oder sättigende Grundlage, z.B esse ich sehr gerne Hong Shao Rou mit Mantou.
Eine Übersicht über gefüllte Varianten findest du hier: Chinesische Baozi und ihre verschiedenen Sorten
Welche Formen gibt es?
Mantou sind nicht immer rund. Je nach Region und Zubereitung gibt es unterschiedliche Formen:
* klassisch rund oder oval
* länglich gerollt
* spiralförmig (z. B. Huajuan)
* dekorativ gefaltet für Feste oder Kinder
Auch moderne Abwandlungen existieren, zum Beispiel gefärbte Mantou oder leicht aromatisierte Varianten.
Neben der klassischen gedämpften Variante werden Mantou in China auch frittiert. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine eigene Teigart, sondern um bereits gedämpfte Mantou, die anschließend in Öl ausgebacken werden.
Frittierte Mantou sind außen knusprig und innen weich. Sie werden häufig als Snack, Beilage oder Dessert serviert und oft mit gesüßter Kondensmilch oder Zucker gegessen. Ein Rezept dazu findest du auf folgender Seite: Frittierte Mantou (Gold Silber)
Mantou selbst machen
Obwohl Mantou aus wenigen Zutaten bestehen, sind sie technisch anspruchsvoller, als sie aussehen. Teigführung, Gehzeit und Dämpfen entscheiden darüber, ob sie locker und weich oder dicht und fest werden.
Ein klassisches Grundrezept findest du hier: Mantou – chinesische gedämpfte Hefebrötchen
Die Geschichte und Herkunft des chinesischen Dampfbrots
Die Ursprünge der Mantou reichen mehrere hundert Jahre zurück und sind eng mit der Entwicklung der Weizenküche in Nordchina verbunden. Schon früh nutzten die Menschen dort Hefeteig, um einfache, haltbare und sättigende Teigwaren herzustellen.
Einst wurde das Wort Mantou so gesschrieben: 蠻頭, welches die selbe Aussprache wie 馒头 hat. Das Wort bedeutet wörtlich übersetzt Babaren + Kopf. Die Geschichte stammt aus dem Zeitalter der drei Königreiche, als der Stratege Zhuge Liang mit seiner Armee in die südlichen Länder einmarschierte. China bezeichneten die südlichen Länder damals als Barbaren.
Nachdem Zhuge Liang den Barbaren-König Meng Huo besiegt hatte, zog sich Zhuge Liangs Armee wieder zurück. Aber dann kreuzten sie einen Fluss, der für sie unüberquerbar war, egal was sie versuchten. Zhuge Liang erinnerte sich daraufhin wieder, was damals der Barbaren König zu ihm sagte: „Opfere 50 Männer und werfe deren Köpfe in den Fluss, um den Geist des Flusses zu besänftigen, dann kannst du den Fluss überqueren.“
Doch Zhuge Liang hatte in der Schlacht schon so viel Blut vergossen und er wollte nicht noch mehr Blut vergießen. Stattdessen hat Zhuge Liang dann die Kühe und Pferde, welche sie auf der Reise mitführten, getötet. Dessen Fleisch füllten sie in Brot, formten sie wie menschliche Köpfe und warfen sie in den Fluss. Der Plan war erfolgreich und seine Armee konnte erfolgreich den Fluss überqueren. Daraufhin benannte Zhugeliang dieses Brot Mantou.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden Mantou zu einem festen Bestandteil des Alltags. Sie galten nie als Luxusgericht, sondern als praktische, verlässliche Nahrung – ein Spiegel der chinesischen Esskultur, in der Sättigung, Ausgewogenheit und Alltagstauglichkeit im Vordergrund stehen.
Fazit
Mantou sind kein einfaches „chinesisches Brot“, sondern ein eigenständiges Grundnahrungsmittel mit langer Tradition. Ihre Schlichtheit ist Teil der chinesischen Esskultur: sättigend, neutral und
vielseitig kombinierbar. Wer chinesisches Essen verstehen möchte, kommt an Mantou nicht vorbei.






