Smog in China – wenn die Luft zum Atmen gefährlich wird

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Veröffentlicht: Aktualisiert: 6,3K Aufrufe 2 Minuten Lesezeit

Smog gehört in vielen Regionen Chinas seit Jahren zum Alltag. Es gibt Tage, an denen man beim Blick aus dem Fenster kaum erkennt, wo der Horizont eigentlich endet. Gebäude verschwinden im grauen Dunst, die Sonne wirkt wie ein matter, milchiger Fleck am Himmel.

Was für Besucher oft schockierend ist, ist für viele Menschen längst Normalität.

Wie schlimm ist der Smog in China wirklich?

Um die Luftqualität einzuordnen, wird in China, wie international üblich, der Air Quality Index (AQI) verwendet. Er fasst verschiedene Schadstoffe zusammen, vor allem Feinstaub, und ordnet sie in Gesundheitsstufen ein.

0-50

Gut

Die Luftqualität ist zufriedenstellend. Die Luftverschmutzung stellt ein geringes oder kein Risiko dar.

51-100

Moderat

Die Luftqualität ist akzeptabel. Bei manchen Schadstoffen besteht eventuell eine geringe Gesundheitsgefahr für einen kleinen Personenkreis, der sehr empfindlich ist.

101-150

Ungesund für empfindliche Personengruppen

Bei empfindliche Personengruppen können gesundheitliche Auswirkungen auftreten.

150-200

Ungesund

Erste gesundheitliche Auswirkungen können bei allen Personen auftreten. Bei empfindlichen Personengruppen sogar ernstere gesundheitliche Auswirkungen.

201-300
Sehr ungesund

Ernste Gesundheitswarnung. Die gesamte Bevölkerung ist voraussichtlich betroffen.

300+

Sehr Gefährlich

Gesundheitsalarm: Jeder sollte mit dem Auftreten ernstere Gesundheitsschäden rechnen

Ab einem Wert von 150 gilt die Luft offiziell als gesundheitsschädlich. Trotzdem findet der Alltag meist ganz normal statt.

Wenn hohe AQI-Werte zur Gewohnheit werden

In vielen chinesischen Städten sind AQI-Werte zwischen 150 und 200 keine Ausnahme, sondern wiederkehrend, besonders im Winter oder bei bestimmten Wetterlagen. Selbst Städte, die nicht zu den klassischen Smog-Hotspots zählen, sind regelmäßig betroffen.

Besonders beunruhigend ist, dass in der Vergangenheit Messwerte weit über dem offiziellen Skalenende auftraten. Zwar endet der AQI formal bei 500, doch einzelne Messstationen zeigten zeitweise deutlich höhere Werte. Solche Zahlen werfen zwangsläufig die Frage auf, wie belastbar die Luft für den menschlichen Körper überhaupt noch ist.

Was Smog im Alltag bedeutet

Wer in China lebt, lernt schnell, sich anzupassen. Luftreiniger gehören in vielen Haushalten zur Grundausstattung. Schutzmasken werden nicht aus modischen Gründen getragen, sondern aus gesundheitlicher Vorsicht. Sport im Freien wird an schlechten Tagen vermieden, Kinder bleiben öfter drinnen.

Viele Menschen entwickeln mit der Zeit ein Gespür dafür, wie sich schlechte Luft anfühlt: brennende Augen, ein trockener Hals, Husten oder ein anhaltendes Druckgefühl auf der Brust. Nicht immer ist der Smog sichtbar, spürbar ist er oft trotzdem.

Warum sich das Problem nicht schnell lösen lässt

Smog ist kein lokales Phänomen, sondern das Ergebnis von Industrie, Verkehr, Energieerzeugung und ungünstigen Wetterbedingungen. Kurzfristige Lösungen gibt es kaum. Häufig bleibt nur die Hoffnung auf Wind oder Regen, die die Schadstoffe zumindest vorübergehend vertreiben.

In den letzten Jahren wurden zwar strengere Emissionsstandards eingeführt und erneuerbare Energien ausgebaut. Trotzdem bleibt die Luftverschmutzung in vielen Regionen ein strukturelles Problem, das sich nicht von heute auf morgen beheben lässt.

Wenn Smog zum Hintergrundrauschen wird

Das vielleicht Beunruhigendste am Smog in China ist nicht seine Sichtbarkeit, sondern die Gewöhnung. Was anfangs Angst oder Unbehagen auslöst, wird mit der Zeit Teil des Alltags. Erst wenn Besucher von außen reagieren, wird einem wieder bewusst, wie außergewöhnlich diese Situation eigentlich ist.

Smog ist in China kein dauerhafter Ausnahmezustand, sondern für viele Menschen ein fester Bestandteil ihres Lebensumfelds.

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10 Kommentare

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Sarah 21/12/2016 - 16:23

Krasser sch… Da kriegt man ja Panik. Ich würde mich gar nicht mehr vor die Tür trauen. Woher kommt das denn? Weil so viele Menschen Autofahren oder wieso?

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Ting Ting 24/12/2016 - 06:35

Hmm… ja unter anderem bestimmt auch. Großteil machen glaub ich die Fabriken aus.

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lisa-marion 21/12/2016 - 16:53

Schade das man keine frische Luft versenden kann, hätte dir sonst eine Tüte frische Nordseeluft gesendet.
Hoffe inständig, das China mal etwas unternimmt dagegen.Denn dieser Zustand ist für Chinesen und touristen nicht hinnehmbar. Bleib gesund

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Ting Ting 24/12/2016 - 06:29

Hallo Lisa Marion,
ja der Zustand ist schon schlimm. Aber das Problem mit dem Smog gibt es ja leider nicht erst seit kurzem. Ich glaub die Wirtschaft ist der Regierung einfach wichtiger als die Gesundheit der Bürger…

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Myriam 22/12/2016 - 01:55

Ich habe davon bereits gelesen. Aber ich hatte noch keine Fotos gesehen. Besonders die vergleichenen Fotos am Tag sind erschreckend. Ist es im Winter noch schlimmer? ich habe mal iwo gelesen, dass es im Winter noch schlimmer ist. Gibt es gerade schulfrei und wurden die Fabriken geschlossen?

Kann die Regierung eigentlich zur Zeit Sofortmaßnahmen ergreifen oder kann man nur präventiv handeln?

Ich hoffe, dass es bald besser wird und du gesund bleibst.

Viele Grüße

Myriam

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Ting Ting 24/12/2016 - 06:33

Hallo Myriam,
ja im Winter ist es immer besonders schlimm.
Ich habe mal gelesen, dass die Regierung den Fabriken wohl verordnet haben soll alles zu schließen. Macht aber natürlich keiner lol
Schulfrei gibt es soweit ich weiß auch nicht. Ich habe vor ein paar Tagen erst eine Nachricht gelesen wo welche eine Schule angezeigt haben. Grund: die Schüler mussten auf dem offenen Sportplatz Prüfungen schreiben.
Das war schon ein schlechter Witz. Es sah auf den Bildern so aus als würden die Kinder in einem brennenden Haus Unterricht halten, so dicht war der Smog …

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Oli 25/12/2016 - 11:53

Hallo, ich habe in der Welt gelesen, dass Chinas Strom und Heizwärme (überwiegend) mit fossilen Rohstoffen wie Kohle erzeugt wird. Ist das wirklich so?
Was schlagen Umweltverbände und Aktivisten als schnelle Lösung vor?
Langfristig werden wohl alle Industrienationen ihren Lebensstil anpassen und auf alternative Energien umstellen müssen.
Ich bin sehr gespannt, was du aus erster Hand berichten kannst!
LG Oli

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dieter 11/01/2017 - 12:53

hallo ting ting,
ich möchte dir ja nicht den tag vermiesen, aber das könnte für dich interessant sein. chinabericht ab 36:00 min.
http://www.arte.tv/guide/de/058846-000-A/dicke-luft
na dann gute nacht, wenn das so ……….
hoffe du hast wenigstens eine mückenfreie zeit, lach
lg – dieter

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Ting Ting 23/01/2017 - 15:57

Hallo Dieter,

danke für den interessanten Link. Habe mir den schon vor einigen Wochen angeschaut aber irgendwie vergessen dir zu antworten xD
Du vermiest mir den Tag nicht. Das Problem ist in China ja schon lange bekannt… und ist auch einer der Gründe, warum ich aus China raus wollte.

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Chris 12/11/2017 - 21:33

Danke für den interessanten Artikel! Tragisch, was einem so schönen Land passiert, wenn es nur noch nach wirtschaftlichem Aufschwung giert… Hoffentlich halten die Tendenzen Chinas zum Vorreiter erneuerbarer Energien an.

Liebe Grüße
Chris

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