Das Geisterfest in China – Bedeutung, Bräuche und was heute noch gilt

by Avatar-FotoTing Ting
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Das Geisterfest in China, auch bekannt als Fest der hungrigen Geister, gehört zu den spirituellsten und zugleich missverstandenen Festen des Landes. Anders als bekannte Feiertage wie das Frühlingsfest oder das Mondfest steht hier nicht die Familie im Mittelpunkt, sondern jene Seelen, die keine Nachkommen haben oder vergessen wurden.

In China heißt das Fest Zhongyuan-Fest (中元节) und richtet sich nach dem Mondkalender. Es findet jedes Jahr am 15. Tag des siebten Mondmonats statt. Der genaue Termin variiert daher im westlichen Kalender.



Der Geistermonat: Was dahintersteckt

Der siebte Mondmonat wird in China traditionell als Geistermonat (鬼月) bezeichnet. Dem Volksglauben nach öffnen sich zu Beginn dieses Monats die Tore der Unterwelt. Die Geister dürfen für eine begrenzte Zeit in die Welt der Lebenden zurückkehren.

Im Unterschied zum Qingming-Fest, das den eigenen Vorfahren gewidmet ist, richtet sich das Geisterfest vor allem an:
    •    verlassene Seelen
    •    Fremde ohne Familie
    •    Menschen, die gewaltsam oder unglücklich gestorben sind

Diese Geister gelten als besonders ruhelos und sollen besänftigt werden, um Unglück, Krankheit oder Pech zu vermeiden.



Worum es beim Fest der hungrigen Geister wirklich geht

Das Geisterfest ist weniger ein einzelner Tag als der Höhepunkt eines ganzen Monats. Über mehrere Wochen hinweg bringen Menschen Opfergaben dar, um die umherwandernden Seelen zu beruhigen.

Dabei geht es nicht um Angst im westlichen Sinne, sondern um Respekt, Ausgleich und Harmonie zwischen den Welten. Geister werden nicht verteufelt, sondern als Teil eines größeren Kreislaufs gesehen.



Typische Bräuche zum Geisterfest

Die Rituale unterscheiden sich regional, folgen aber ähnlichen Grundgedanken.

Ein zentraler Brauch ist das Verbrennen von Räucherstäbchen und Papiergeld. Dieses sogenannte „Höllengeld“ soll den Geistern im Jenseits helfen. In vielen Gegenden werden auch Papierhäuser, Kleidung oder Alltagsgegenstände verbrannt.

Ebenso üblich sind Essensopfer. Teller mit Obst, Süßigkeiten, Reis oder Tee werden meist im Freien aufgestellt. Die Opfergaben werden bewusst nicht im Haus platziert, da man die Geister nicht ins eigene Zuhause einladen möchte.

In größeren Städten oder Gemeinden finden während des Geistermonats oft temporäre Opern- oder Theateraufführungen statt. Die erste Reihe bleibt dabei traditionell leer, sie ist symbolisch für die Geister reserviert.

Am eigentlichen Festtag wird häufig ein gemeinschaftliches Mahl zubereitet. Leere Sitzplätze am Tisch stehen für verstorbene Angehörige oder umherwandernde Seelen.

Ein besonders stimmungsvolles Ritual ist das Freilassen von schwimmenden Papierlaternen auf Flüssen oder Seen. Diese sollen den Geistern den Weg zurück in die Unterwelt weisen.



Verhaltensregeln während des Geistermonats

Auch heute noch halten sich viele Menschen – besonders ältere Generationen – an bestimmte Vorsichtsregeln. Dazu gehört, nachts nicht alleine unterwegs zu sein, nicht im Dunkeln schwimmen zu gehen oder unnötige Risiken zu vermeiden. Diese Regeln sind weniger Panikmache als kulturell überlieferte Vorsicht.



Das Geisterfest im heutigen China

Das Fest der hungrigen Geister ist kein gesetzlicher Feiertag in China. In Großstädten spielt es im öffentlichen Alltag nur noch eine untergeordnete Rolle. Viele jüngere Menschen kennen die Bräuche eher aus Erzählungen als aus eigener Praxis.

In ländlichen Regionen, in traditionellen Familien oder im buddhistischen Umfeld wird das Fest jedoch weiterhin ernst genommen und bewusst begangen – wenn auch oft leiser und reduzierter als früher.



Einordnung

Das Geisterfest ist kein Gruselfest und kein „chinesisches Halloween“. Es ist ein Ausdruck davon, wie tief verwurzelt der Gedanke von Verantwortung gegenüber Verstorbenen in der chinesischen Kultur ist – auch gegenüber denen, die niemanden mehr haben.

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