Ethnische Minderheiten in China – Vielfalt jenseits der Han-Mehrheit

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 6,1K Aufrufe 2 Minuten Lesezeit

China besteht nicht nur aus Han-Chinesen. Offiziell erkennt der Staat 55 ethnische Minderheiten an, die zusammen etwa 8–9 % der Bevölkerung ausmachen. Was prozentual klein wirkt, bedeutet in absoluten Zahlen viele Millionen Menschen mit eigener Geschichte, Sprache und Kultur.

Dieser Text ist bewusst kein Lexikon und keine vollständige Aufzählung aller Volksgruppen. Es geht darum, wie ethnische Minderheiten in China leben und wie sie sich im Alltag von der Han-Mehrheit unterscheiden oder eben auch nicht.

Sprachen und Identität

Viele ethnische Minderheiten in China haben eigene Sprachen, manche sogar eigene Schriftsysteme. Andere besitzen keine Schrifttradition und geben Geschichte und Kultur mündlich weiter. In der Praxis sprechen viele zusätzlich Mandarin, nicht aus kultureller Aufgabe, sondern aus Alltagserfordernis.

Tradition und Moderne existieren dabei oft nebeneinander.

Sichtbarkeit im Alltag

Traditionelle Kleidung spielt bei ethnischen Minderheiten eine größere Rolle als bei Han-Chinesen, allerdings meist zu Festen, Zeremonien oder in touristischen Kontexten. Im Alltag kleiden sich auch Angehörige ethnischer Gruppen häufig modern und unauffällig.

Gerade deshalb wirken traditionelle Gewänder auf Außenstehende oft spektakulär, obwohl sie für die Träger selbst nichts Exotisches sind.

Beispiele statt Vollständigkeit

Volksgruppen wie die Achang oder Bai zeigen, wie unterschiedlich ethnische Minderheiten in China sein können: sehr kleine Gruppen mit eigener Musiktradition oder größere Gruppen mit ausgeprägter Architektur, Symbolik und Ritualen. Diese Beispiele stehen stellvertretend für viele andere – ohne den Anspruch, alle abzudecken.

Staatlicher Schutz und Realität

China betont offiziell den Schutz ethnischer Kulturen. Gleichzeitig stehen Minderheiten vor der Herausforderung, ihre Identität in einem stark vereinheitlichten Bildungssystem zu bewahren. Zwischen Förderung, Folklorisierung und Anpassungsdruck verläuft oft ein schmaler Grat.

Kein „anderes China“

Ethnische Minderheiten sind kein Gegenentwurf zu China, sondern ein Teil davon. Wer sie nur als buntes Beiwerk betrachtet, verpasst die tatsächliche Vielfalt des Landes und auch die Spannungen, die daraus entstehen.

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4 Kommentare

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Vanessa 30/04/2014 - 20:43

Sehr interessante Postreihe, vor allem, wenn man sich nicht genau mit Asien und seinen Ethnien auseinandergesetzt hat :)

xxx Vanessa ♥
Gypset Warrior

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Andreas 01/10/2019 - 01:40

Hallo Ting Ting,

ich weiss nicht so recht, unter welchem Artikel ich fragen sollte. Es hat nur bedingt mit Mode zu tun, aber mit den Volksgruppen schon. Wir ham ja hier in Dresden nen Haufen Chinesische Studenten, und ich stelle oft fest, dass der „Dialekt“ also die Sprachmelodie recht unterschiedlich sind (und ja, ich kann Chinesisch, Koreanisch, Japanisch und Vietnamesisch auseinanderhalten). Wie ist das in China mit den Dialekten? Hört man dass, wo jemand her kommt, so wie man einen Kölner, einen Dresdener, einen Hamburger und einen Münchner auseinander halten kann? Oder sind die Unterschiede noch stärker? Gibt es so Fälle wo sich Chinesen aus unerschiedlichen Landesteilen gar nicht verstehen? Hierzulande geht es ja meist. Schweizerdeutsch, Österreichisch und selbst Niederländisch können viele verstehen wenn sich beide Mühe geben.

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Ting Ting 01/10/2019 - 11:25

Hallo Andreas,
in China gibt es ja unglaublich viele Dialekte. Manche Dialekte sind sehr markant/bekannt. Man kann also heraushören, dass z.B jemand aus einem bestimmten Gebiet kommt, aber vielleicht nicht unbedingt aus welcher Stadt genau.
Einheitlich wird in China ja Hochchinesisch gesprochen. Auch wenn der Akzent vom Dialekt manchmal sehr stark ist, versteht man sich in der Regel doch. Wenn aber zwei Personen mit ganz verschiedenen Dialekten miteinander auf dem Dialekt sprechen, kann es gut sein, dass man kein Wort versteht.
Ich spreche Qing Tian Dialekt. Mein Mann kommt aus Ningbo. Beide Städte, Qing Tian und Ningbo, liegen in der selben Provinz. Ich verstehe aber kein Wort Ningbo Dialekt und mein Mann versteht auch überhaupt nichts, wenn ich z.B im Qing Tian Dialekt mit meinen Eltern spreche.
Es gibt Dialekte die dem Hochchinesisch sehr nahe sind. Da ist es einfach sie zu verstehen. Es gibt aber auch Dialekte, die ganz anders klingen und da geben auch viele Chinesen schon auf ^^“

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Andreas 04/10/2019 - 00:49

Danke für die Infos Ting Ting.

falls Du mal Zeit dazu hast, ein ausführlicher Artikel über verschieden Dialekte in China bzw. die besonders markanten oder bekannten würde mich wirklich interessieren. Hier in Deutschland merken die meisten ja auch, wenn jemand Sächisch, Schwäbisch, Bayrisch oder Kölsch spricht und diese Dialekte werden ja auch mit ganz bestimmten Dingen assoziiert. Wäre wirklich mal interessant wie das in China ist.

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