Home Modernes ChinaMythen und Legenden Die Geschichte des Affenkönigs, Sun Wukong

Die Geschichte des Affenkönigs, Sun Wukong

by Ting Ting

Die Figur Sun Wukong (孙悟空) stammt aus einem uralten Roman aus dem 16. Jahrhundert, namens „Die Reise nach Westen“. Obwohl diese Geschichte schon so alt ist, ist sie bis heutzutage ein Klassiker in China und bei jedem bekannt. Aber auch im Westen ist Sun Wukong kein unbekanntes Blatt. Vielleicht kennst du Son Goku aus Dragon Ball oder bist in verschiedenen Spielen schon mal auf einem Affen mit einem langen Stock und einer goldenen Rüstung begegnet. Diese Figuren sind allesamt der Figur Song Wukong nachempfunden. Aber kennst du die wahre Geschichte von Sun Wukong?
Was du wissen solltest. Sun Wukong ist hässlich.
Sun Wukong ist hässlich. Sun Wukong ist hässlich.Wichtige Dinge muss man drei mal wiederholen. Er ist nicht so hübsch, wie man ihn verschiedenen neuen Geschichten kennt. Er ist ein Affenmonster mit scharfen Reißzähnen.

 

Wie ein Felsen einen Affen gebar

Der Affenkönig hat sehr viele Namen, die er im Laufe seines Lebens erlangt hat. Sein erster Name lautete Shí Hóu (石猴), was wörtlich übersetzt „Steinaffe“ bedeutet. Denn nach der Legende wurde Sun Wukong aus einem magischen Felsen geboren. Aber halt…wie soll das möglich sein?
Geht man nach der chinesischen Mythologie sind alle Dinge auf der Welt in der Lage magische Kräfte zu erlangen, wenn man denn lange genug lernt und Energie aus der Umgebung sammelt. Dies können Essenzen aus der Natur, der Luft oder auch von Lebewesen sein. So erlangte auch dieser Felsen am Huāguǒ Berg nach vielen unzählbaren Jahren magische Kräfte. Eines Tages barst die Kraft hervor und es entstand ein Steinei, in welchem Shí Hóu schlummerte.
Als Shí Hóu aus dem Stein gebar, war er schon voll ausgewachsen, bereits in der Lage zu laufen und springen.
Auf dem Berg befreundete sich Shí Hóu mit den anderen Affen, die dort lebten. Dort bekam er auch seinen zweiten Namen, Měi Hóuwáng (美猴王), was in etwa „hübscher Affenkönig“ bedeutet. Er verbrachte dort eine friedliche Zeit mit seinen Artgenossen, bis eines Tages Měi Hóuwáng erkannte, dass er sterblich ist. Diese Erkenntnis zermürbte ihn so sehr, dass er daraufhin beschloss den Berg auf zu verlassen, um sich auf die Suche nach der Unsterblichkeit zu machen.

 

Wie der Affenkönig seinen dritten Namen, Sūn Wùkōng bekam

Den Namen Sun Wukong (孙悟空), was so viel wie „zur Leere erwacht“ bedeutet, bekam der Affenkönig von seinem ersten Lehrmeister, Bodhi. Dieser lehrte ihm die Fähigkeit der „72 Verwandlungen„, die es ihm erlaubt in jegliches Objekt zu verwandeln. Außerdem bekam er von seinem Meister noch eine Wolke namens Jīndǒu yún (筋斗云) geschenkt, mit der er in der Lage war 108.000 chinesische Meilen (54.000km) zu fliegen.

 

Sūn Wùkōngs neue Waffe und Rüstung

Neben der Unsterblichkeit war Sun Wukong auch noch auf der Suche nach einer besonderen Waffe, welches ihm würdig sein sollte. Im unterirdischen Kristallpalast von Ao Guang, dem Drachenkönig der östlichen Meere, probierte er verschiedene Waffen aus, aber keines konnte ihn zufrieden stellen, bis er schließlich einen 8 Tonnen schweren Pfeiler aus schwarzem Eisen entdeckte. Eigentlich war dieser Pfeiler überhaupt keine Waffe, sondern ein Objekt, um die Tiefe der Weltflut zu messen. Aber Sun Wukong war überzeugt, dass dies die perfekte Waffe für ihn sei. Er streckte seinen Arm heraus und wie durch Zauberei schrumpfte der Pfeiler immer kleiner und kleiner, bis er es handlich in der Hand führen konnte. Bei Bedarf liess er den Stab unendlich lang werden und kämpfte damit. Bei Nichtgebrauch liess er den Stab auf die Größe einer Nadel schrumpfen und  versteckte sie hinter seinem Ohr. Diesen Stab kennt man auch als„Ruyi Jingu Bang“ (如意金箍棒).
Neben der Waffe entnahm Sun Wukong noch „Suǒ zi huángjīn jiǎ“ (鎖子黃金甲), eine goldene Rüstung, vom Drachenkönig der westlichen Meere, Ao Run. „Fèngchìzǐjinguān“ (鳳翅紫金冠) – eine Phönixfeder Krone vom Drachenkönig der südlichen Meere, Ao Qin. Und „Ǒusībùyúnlǚ“ (藕絲步雲履) – auf wolken laufende Stiefel vom Drachenkönig der nördlichen Meere, Ao Ming.
Daraufhin drang Sun Wukong in die Unterwelt und entfernte seinen Namen aus dem Buch des Lebens und des Todes. So sollte sein Tod vermieden werden. Erzürnt meldete der Gott der Unterwelt das Chaos dem Jadekaiser.

 

Chaos im himmlichen Palast

Den ganzen Chaos, welches der Affenkönig anrichtete war dem Jadekaiser längst bekannt. In der Hoffnung, dass eine Beförderung und ein Rang unter den Göttern ihn leichter handhaben liesse, lud der Jadekaiser Sun Wukong in den Himmel ein.
Er bekam den Titel:  Bìmǎwēn (弼馬溫) – „Schützer der Pferde der kaiserlichen Stallungen“. Seine Aufgabe war es die Pferde zu schützen und den Stall zu bewachen. Zu beginn war er sehr erfreut, so eine Hohe aufgabe erhalten zu haben. Aber schnell merkte er, dass es nicht mehr war, als ein Stallbursche zu sein und erzürnte aufs höchste und gab sich selbst einen neuen Titel Qítiān Dàshèng (齊天大聖) – „Der Himmelsgleiche große Weise“.
Kurze Zeit später fand im Himmelsreich ein Bankett statt und alle Gottheiten waren eingeladen, außer Qítiān Dàshèng selbst. Und wieder erzürnt der Affe. Jedoch übertraf er sich dieses mal selbst. Er schlich sich ins Palast, stahl und aß die heiligen Pfirsische des ewigen Lebens, trank den kaiserlichen Wein und schluckte die Pillen der Unsterblichkeit.
Der ganze Himmel war in Aufruhr. Dem Affen musste Einhalt geboten werden. Und so schickte der Jadekaiser die größten Krieger des Himmelsreiches los, um den Affen einzufangen. Letztendlich wurde Sun Wukong gefangen und sollte hingerichtet werden. Allerdings war dieser bereits unsterblich nachdem er die Pfirsishe des ewigen Lebens und die Pillen der Unsterblichkeit zu sich genommen hatte. Daraufhin wurde der Affenkönig im „Acht Trigramme Ofen“ eingesperrt. Er sollte durch das Samadhi Feuer zu einem Elixier destilliert werden, so dass die Pille der Unsterblichkeit wiederhergestellt werden könne.
Als nach 49 Tagen der Ofen geöffnet wurde, kam zum erschrecken des ganzen Himmelreiches Sun Wukong unversehrt wieder hervor. Er war nicht nur unversehrt, sondern bekam noch eine weitere Kraft hinzu – Huǒyǎn Jīnjīng(火眼金睛). Seine Augen waren nun in der Lage Böses im inneren eines Wesens zu erkennen.

 

Die Wette mit Buddha

Das Himmelreich war ratlos. So als Buddha gerade von seinem Tempel im Himmel eintraf ging Buddha mit Sun Wukong Wette ein. Buddha öffnete seine Hand und wettete, dass Sun Wukong nicht in der Lage wäre, von seiner Handfläche zu entkommen.
Eine lächerliche Aufgabe für den Affenkönig, der 54.000 Kilometer weit fliegen konnte. So dachte er zumindest. Sun Wukong holte zum Sprung aus und flog und flog und flog.
Als er plötzlich fünf Säulen entdeckte, dachte er, er sei bereits am Rande des Universums angekommen. Um zu beweisen, dass er als erstes Wesen diesen Ort betrat, markierte er einer der Säulen, indem er seinen Namen eingravierte und darauf urinierte. Voller Selbstsicherheit flog der Affenkönig zu Buddha zurück.
Es stellte sich aber schnell heraus, dass der große Qítiān Dàshèng niemals Buddhas Hand verlassen hat. Die Fünf Säulen, die er für das Ende des Universums hielt, waren in wirklichkeit Buddhas Finger. Der eingravierte Name bewies es. So verlor Sun Wukong die Wette und Buddha sperrte ihn unter einem Berg ein, wo er 500 Jahre gefangen bleiben sollte.

Wie Sun Wukong den Berg verlassen konnte und wie seine Reise nach den Westen mit Tang Sanzang begann erzähle ich dir im nächsten Teil.

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4 Kommentare

Claudia 14/04/2019 - 11:34

Danke für die Geschickte, sie ist überwältigend!
Eine Anmerkung: die Kraft „barst“ hervor, das kommt von bersten.

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Ting Ting