Internet in China – gesperrte Seiten & Alltag ohne Google

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 4,8K Aufrufe 4 Minuten Lesezeit

Wer neu nach China kommt, merkt sehr schnell: Das Internet fühlt sich hier anders an. Nicht langsam im technischen Sinne, sondern eingeschränkt und zwar nicht punktuell, sondern grundsätzlich.

Viele denken bei Internetzensur sofort an Politik oder große Schlagworte. Für mich zeigt sich das Thema aber vor allem im Alltag. In den kleinen Momenten. Wenn man schnell etwas googeln möchte und es nicht geht. Wenn man ein Video anklickt und die Seite einfach nicht lädt. Oder wenn man jemandem einen Link schickt und erst danach merkt, dass dieser in China gar nicht aufrufbar ist.

Welche Seiten in China gesperrt sind

Zu den bekanntesten in China gesperrten Webseiten und Dienste gehören unter anderem:
    •    Google (inkl. Gmail, Google Maps, Google Drive)
    •    YouTube
    •    Facebook
    •    Instagram
    •    WhatsApp
    •    Twitter / X
    •    Pinterest
    •    viele westliche Nachrichtenseiten
    •    ChatGPT und andere westliche KI-Tools

Gerade KI-Tools merkt man im Alltag extrem schnell. Während viele im Westen ganz selbstverständlich ChatGPT nutzen, ist dieser Dienst in China ohne VPN nicht erreichbar. Stattdessen greifen viele hier auf DeepSeek oder andere chinesische KI-Modelle zurück.

DeepSeek funktioniert technisch gut, keine Frage. Aber es fühlt sich anders an. Bestimmte Themen werden sehr vorsichtig behandelt oder ganz ausgespart. Man merkt schnell, dass es nicht nur um Technik geht, sondern auch um Inhalte und Rahmenbedingungen.

Ein anderes Beispiel, das viele erst einmal irritiert: TikTok ist in China gesperrt – obwohl das Unternehmen aus China stammt. Stattdessen gibt es Douyin, die chinesische Version. Technisch fast identisch, inhaltlich aber komplett anders reguliert. Das zeigt sehr deutlich, dass es hier nicht um Herkunft einer Firma geht, sondern um Kontrolle und Trennung von Märkten.

Chinesische Alternativen: ähnlich, aber nicht gleich

Für fast alles gibt es in China eigene Plattformen.

YouTube wird durch Youku, iQIYI oder Tencent Video ersetzt.
Google durch Baidu.
Twitter durch Weibo.
WhatsApp durch WeChat.
Google Maps durch Amap oder Baidu Maps.

Technisch funktionieren diese Plattformen sehr gut. Sie sind schnell, stabil und perfekt auf den chinesischen Alltag zugeschnitten. Navigation, Bezahlen, Kommunikation, alles ist tief integriert.

Das eigentliche Problem ist weniger die Technik, sondern die Sprache und der Blickwinkel. Wer kein gutes Chinesisch spricht, kommt damit nur begrenzt weiter. Und selbst wenn man die Sprache beherrscht, ist es ein anderes Internetgefühl.
Baidu zum Beispiel ist keine neutrale Suchmaschine im westlichen Sinne. Viele Treffer sind stark werblich, manche Informationen findet man gar nicht oder nur sehr schwer. Man lernt mit der Zeit, anders zu suchen, anders zu formulieren und Erwartungen herunterzuschrauben.

Die verschiedenen Apps im chinesischen Alltag

Wie sich das langfristig anfühlt

Am Anfang ist es frustrierend. Sehr sogar. Man merkt erst dann, wie sehr man sich im Alltag auf Google, YouTube oder WhatsApp verlässt, wenn sie plötzlich nicht mehr da sind. Nach einer Weile gewöhnt man sich an vieles. Man plant um. Man speichert Informationen lokal ab. Man nutzt chinesische Apps für Alltagsdinge und greift auf westliche Seiten nur noch gezielt zu.

Was aber bleibt, ist dieses Gefühl von Begrenzung. Nicht unbedingt als ständige Belastung, sondern eher im Hintergrund. Man weiß einfach, dass das Internet hier kein offener Raum ist, sondern ein kontrollierter.

Für viele Chinesen, die nie im Ausland gelebt haben, fehlt dieses Gefühl übrigens komplett – was man nicht kennt, kann man auch nicht vermissen. Für Expats, digitale Nomaden oder Menschen, die beruflich oder privat stark mit dem Ausland verbunden sind, ist das allerdings eine ganz andere Erfahrung.

Warum viele irgendwann doch ein VPN nutzen

Wer länger in China lebt oder regelmäßig hierherkommt, findet irgendwann seinen eigenen Umgang mit diesen Einschränkungen. Manche akzeptieren sie vollständig und richten ihren digitalen Alltag komplett auf chinesische Apps aus. Andere möchten zumindest einen Teil ihres gewohnten Internets behalten – sei es für Arbeit, Recherche, Kommunikation oder einfach aus Gewohnheit.

Genau an diesem Punkt stößt man früher oder später auf das Thema VPN. Nicht als technische Spielerei, sondern als ganz praktisches Werkzeug, um im Alltag wieder Zugriff auf bestimmte Dienste zu haben. Welche Lösungen in China tatsächlich funktionieren, worauf man achten sollte und warum viele bekannte Anbieter hier scheitern, habe ich in einem separaten Artikel ausführlich zusammengefasst.

→ VPN in China 2026 – echte Erfahrungen

Hinweis: Wenn du dich gerade intensiver auf eine Reise nach China vorbereitest, habe ich alle grundlegenden Infos in einem zentralen Überblick gesammelt: China Reisetipps – Vorbereitung & Orientierung.

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9 Kommentare

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Christian 09/06/2014 - 01:13

Ja, war stark in den deutschen Medien vertreten. Es gab zuletzt viele Berichte, dass Peking wohl immer mehr westliche Dienste blockieren, auch langfristig, und auch WeChat stärker überwachen. Es wird von vielen Reportern angenommen, dass Google wohl abgeschaltet bleibt, aber ich denke, das ist alles nur Stimmungsmache und irgendwann geht’s wieder. Zur Not gibt es ja noch VPN. Ich finde Bing mittlerweile ganz gut. Bing findet zwar nicht alles was Google findet, aber umgekehrt gilt das mittlerweile teilweise genauso. Manchmal finde ich mit Bing gute Seiten, die bei Google auf den ersten 10 Seiten nicht auftauchen.

Wenn du mit Yahoo suchst, müsstest du doch eig. die gleichen Ergebnisse bekommen wie mit Bing, da die doch mittlerweile die gleiche Engine verwenden… Oder ist das schon nicht mehr so?? Oder in China anders??

Aber wenn du ein paar Yuans übrig hast, würde ich einen VPN empfehlen.

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Ting Ting 09/06/2014 - 04:41

Danke für dein Kommentar Christian,
Ich schaue momentan nicht mehr so oft deutsche Medien, da ist das wohl so einfach an mir vorbei gerauscht. Habe mich wirklich gewundert, warum google seit Wochen nicht mehr funktioniert :/
Ich habe VPN, das Problem hierbei ist nur, dass das VPN die Internetgeschwindigkeit wahnsinnig drosselt und zudem ich dann einige chinesische Seiten nicht mehr anschauenn kann, weil diese wiederum außerhalb Chinas verboten sind. Ist immer nervig an und auszuschalten :(
Das mit Bing & Yahoo wusste ich gar nicht :0 hab’s grad mal ausgetestet. Die Ergebnisse sind wirklich fast gleich, nur bei manchen Suchanfragen sind leichte Unterschiede zu erkennen.
Mal schauen wie es in ein paar Wochen ausschauen wird.

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Christian 10/06/2014 - 02:58

Ich nutze Yahoo eigentlich nie, habe aber gerademal nachgeschaut. Wenn du mit Yahoo was suchst, und dann ganz runter scrollst, steht unten rechts „Powered by Bing“.

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Ting Ting 11/06/2014 - 23:00

Mh… Gut zu wissen, dann brauche ich nur noch eines von beiden *g

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Myriam 10/06/2014 - 05:51

Huhu,

kennst du die Seite hier: https://www.hidemyass.com/proxy-list/
Mit nem Proxy-Server kannst auch wieder auf google zu greifen. Ich nutze das um youtube Videos anzuschauen, die in Deutschland gesperrt sind. ;)

Grüße Myri

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Ting Ting 11/06/2014 - 22:58

Hallo Myriam,
Danke für den Tipp, ist in China aber auch gesperrt ^^“

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Kalisix 13/06/2014 - 00:38

Oh man. Kann man das nicht irgendwie umgehen? ><

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Nadya 01/08/2014 - 00:45

Wenn du mir eine Mail schreibst, schick ich dir einen VPN.

die ehemals Mitleidende (bin seit gestern wieder in Deutschland)

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Nadya 01/08/2014 - 00:46

VPN = virtual private network

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