In China gibt es Situationen, die für Außenstehende schwer nachvollziehbar sind. Eine davon ist, dass Menschen bei Unfällen oder Notfällen oft einfach weitergehen. Keine Hilfe, kein Nachfragen, kein Anhalten. Was nach Gleichgültigkeit aussieht, hat einen sehr konkreten Hintergrund: Angst.
Schon in meinen ersten Tagen in China wurde ich gewarnt. Die Mutter meines Freundes sagte zu mir: „Hilf niemals alten Menschen auf der Straße. Egal, wie sehr sie betteln.“
Diese Aussage hat mich damals schockiert. Heute verstehe ich, warum viele Menschen genau so denken.
Warum viele Chinesen Angst haben zu helfen
In China gibt es seit vielen Jahren ein gesellschaftliches Problem, das unter dem Begriff Pengci bekannt ist. Damit sind Betrugsfälle gemeint, bei denen Menschen Unfälle oder Verletzungen vortäuschen, um andere finanziell zu belangen.
Besonders häufig sind ältere Personen beteiligt, die sich vor Autos werfen, sich auf die Straße legen oder Verletzungen vortäuschen. Das Problem dabei: Wer helfen will, wird schnell selbst zum Schuldigen gemacht.
In vielen Fällen behaupten die angeblich Verletzten später, der Helfer habe sie umgestoßen oder angefahren. Ohne Zeugen oder Kamera steht dann Aussage gegen Aussage. Und nicht selten muss der Helfer zahlen.
Wenn Helfen zum Risiko wird
Ich habe mit mehreren Chinesen über dieses Thema gesprochen. Fast alle sagten dasselbe:
Man möchte helfen – aber man traut sich nicht.
Ein Bekannter meines Freundes erlebte selbst so einen Vorfall. Er saß in seinem parkenden Auto und wartete. Plötzlich legte sich ein älterer Mann vor sein Fahrzeug und begann laut zu schreien. Wenige Minuten später erschien die Polizei. Obwohl das Auto nicht einmal gefahren war, musste der Fahrer am Ende Schmerzensgeld zahlen.
Seitdem sagte er mir ganz offen: „Ich steige nie wieder aus, egal was passiert.“
Gibt es überhaupt noch Hilfsbereitschaft?
Trotz allem gibt es sie noch – Menschen, die helfen. Aber sie gehen ein enormes Risiko ein.In Ningbo wurde eine Frau nach einem Raubüberfall schwer verletzt. Sie lag blutend vor einer Bank. Ein Taxifahrer entdeckte sie zufällig und brachte sie sofort ins Krankenhaus. Alles wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet. Ohne diese Beweise hätte sich die Situation auch gegen ihn wenden können.
Genau das ist das Problem: Ohne Kamera, ohne Zeugen, ohne Beweise kann Helfen gefährlich werden.
Eine Gesellschaft im Dilemma
Durch jahrelange Betrugsfälle ist das Vertrauen stark beschädigt. Viele Menschen handeln nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Selbstschutz. Das Ergebnis wirkt nach außen kalt – ist aber oft Angst.Es ist traurig zu sehen, wie Hilfsbereitschaft durch Missbrauch zerstört wird. Noch trauriger ist, dass Wegsehen für viele mittlerweile die sicherste Option geworden ist.

5 Kommentare
Wiiiie gemein ist das denn bitte? :S
Also solche Betrügereien gehen ja absolut gar nicht. Fies. Unglaublich mies.
Das klingt traurig.
Aber da sieht man einfach was passieren kann, wenn man das Vertrauen hilfsbereiter Menschen missbraucht. Irgendwann passiert etwas und keiner wird diesen Menschen helfen, weil sie sich nicht sicher sind was hinter ihrer Fassade wirklich verbirgt.
Und dann merkt jeder das Geld nicht alles im Leben ist. (:
lg
Ist es leider auch :(
Ich verstehe auch nicht, warum man wegen einbisschen Geld das Vertrauen anderer Menschen so missbrauchen kann…
was daraus geworden ist…sieht man ja, es wird nicht mehr so viel geholfen :(
Danke für deinen lieben Kommi! Cakepops sind echt super! Unendlich lecker ♥
Das was du da schreibst ist ja krass! Voll scheiße dass Menschen sowas machen und am ende dann welche drunter leiden die nichts falsch gemacht haben!
xxx Lolo
Das ist doch etwas schockierend… Ich mein, in Hamburg habe ich auch einem Mann nicht geholfen als er leblos in der U-Bahn-Station lag, sondern wir haben nur die Polizei gerufen. Man weiß ja nie ob er einfach besoffen war und dann ausrastet wenn man ihn weckt ö.ö
Aber ansonsten, das mit dem Kind welches überfahren wurde, ist doch schon furchtbar…
Aber helfen wrüde ich da auch nicht, wenn man Strafen bekommt.