Als der G20-Gipfel in Hangzhou bevorstand, wurde plötzlich klar, wie weit Vorbereitungen in China gehen können. Hangzhou liegt nicht weit von Ningbo entfernt. Wochen vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs begannen die Maßnahmen und sie waren nicht gerade subtil.
Fabriken schließen für „bessere Luft“
In der Umgebung rund um Hangzhou wurden zahlreiche Fabriken für mehrere Wochen stillgelegt. Offiziell, um die Luftqualität zu verbessern. Für die Dauer des Gipfels sollte die Stadt von ihrer besten Seite erscheinen.
Auch viele Arbeiter bekamen frei, teils sogar mit finanzieller Unterstützung, damit sie die Stadt während des Gipfels verlassen. Weniger Menschen, weniger Verkehr, weniger Chaos.
Die Idee war klar: perfekte Bilder.
Wenn selbst Pakete nicht mehr verschickt werden dürfen
Was mich persönlich am meisten überrascht hat, war etwas anderes.
Ich wollte wie gewohnt ein Paket bei der China Post verschicken. Das mache ich regelmäßig, die Mitarbeiter dort kennen mich längst. Doch an diesem Tag sagte mir der Angestellte ganz ruhig:
Bis zum 10.09. kein Versand ins Ausland.
Komplett gestoppt. Keine privaten Pakete. Keine Ausnahmen. Pakete, die bereits verschickt worden waren, kamen zurück. Das System sei vorübergehend lahmgelegt worden. Ich stand da und fragte mich ernsthaft: Was soll das?
Ein ganzes Land fährt für ein internationales Treffen in bestimmten Bereichen einfach den Betrieb herunter.
Perfektion um jeden Preis?
Natürlich ist Sicherheit bei einem G20-Gipfel verständlich. Staatschefs aus aller Welt reisen an, entsprechend hoch sind die Anforderungen. Aber die Dimensionen haben mich beeindruckt – oder vielleicht eher irritiert.
Fabriken schließen.
Menschen „freiwillig“ in Urlaub schicken.
Versand stoppen.
Sicherheitskontrollen verschärfen.
China kann innerhalb kürzester Zeit Strukturen verändern, wenn es politisch gewollt ist. Das hat man in diesen Wochen sehr deutlich gespürt.
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Fazit
Der G20-Gipfel in Hangzhou war ein internationales Ereignis. Für mich blieb er vor allem als der Moment in Erinnerung, in dem selbst mein Paket nicht mehr das Land verlassen durfte.
Und das sagt vielleicht mehr über Organisation – und Kontrolle – aus als jede offizielle Pressekonferenz.

3 Kommentare
Hi,
also die Sache mit dem Extra-Urlaub ist ja eigentlich cool für die Arbeiter dort in der Stadt. Zumal es in China eh nicht so viel Urlaub gibt. Aber warum keine Pakete ins Ausland verschickt werden können, verstehe ich nicht. Welche Begründung gibts da?
LG Myriam
Für die betroffenen in Hangzhou ist dieser erzwungene Urlaub sicherlich ganz nett ^^ Hoffe nur nicht, dass es danach Überstunden oder so gibt :roll:
Wegen den Paketen, die haben wohl einfach Angst, dass da was gefährliches drin sein könnte? Verstehen tu ich es auch nicht wirklich. Ist aber ganz schön nervig, da es sich über so einen langen Zeitraum hinaus zieht.
Ich habe damals in der Mitte einer Straße gesitzt und Fotos gemacht…weil private Autos verboten waren.
LG aus Hangzhou