Ich dachte ja, ich hätte inzwischen schon einiges gesehen. Aber als ich zum ersten gebratenen Raupen sah, musste ich doch kurz schlucken. Kleine, gelbliche „Würmchen“, angebraten, gewürzt und angeblich eine Delikatesse.
Die erste Frage war natürlich: Sind das wirklich Raupen? Die Antwort ist: Ja, aber nicht die, die man vielleicht erwartet.
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Welche „Raupen“ werden in China wirklich gegessen?
In China werden tatsächlich Insekten verzehrt. Besonders oft sieht man sie auf chinesischen Nachtmärkten, häufig zusammen mit anderen essbaren kuriositäten wie Spinnen oder Skorpione.
Das ist kein Mythos und auch kein reiner Touristen-Showeffekt. Allerdings handelt es sich bei den Raupen meistens nicht um beliebige Waldraupen, sondern um ganz bestimmte Arten, und zwar die Seidenraupenpuppen (Bombyx mori).
Diese werden in einigen Regionen schon seit langer Zeit verzehrt. Früher eher in ländlichen Gegenden, heute findet man sie teilweise auch in Städten, besonders auf Märkten oder als Snack.


Bevor jetzt jemand an große grüne Gartenraupen denkt: Die essbaren Raupen sehen anders aus. Es sind meist hellbraune, eher dicke Larven oder Puppen. Oft werden sie nach der Seidenproduktion weiterverwendet. Wenn der Kokon abgewickelt wurde, bleibt die Puppe zurück und genau diese wird dann gegessen.
Manche Regionen braten die Puppen direkt im Kokon, andere entfernen ihn vorher. Am häufigsten werden sie in Öl gebraten, gewürzt und als Snack serviert. In Korea kennt man übrigens ein ähnliches Gericht namens „Beondegi“.
Wie schmecken gebratene Raupen?
Viele Chinesen beschreiben den Geschmack als nussig oder leicht nach Meeresfrüchten. Manche vergleichen ihn mit Krabben-Innereien oder sehr intensivem Eigelb. Für Außenstehende klingt das vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber in China gelten bestimmte Innereien von Krabben ( z.B die Wollhandkrabbe) oder Fischen ebenfalls als besondere Delikatesse. Geschmack ist eben kulturell geprägt.
2017 wurde viel über stark gestiegene Preise berichtet. Teilweise kosteten gebratene Seidenraupen umgerechnet rund 25 Euro pro halbes Kilo. Für chinesische Durchschnittseinkommen ist das kein günstiger Snack. Deshalb gelten sie eher als Spezialität, nicht als Alltagsessen.

Warum empfinden viele Europäer das als „eklig“?
Es ist weniger eine Frage von „normal“ oder „unnormal“, sondern von Gewohnheit. Das, was für den einen selbstverständlich ist, wirkt für den anderen extrem.
Für viele Menschen in China ist das ebenfalls kein Alltagsessen, sondern eher eine regionale Spezialität oder ein saisonales Produkt. Viele haben das selbst noch nie probiert.
Also nein, nicht ganz China sitzt abends vorm Fernseher da und snackt Raupen.
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Würde ich gebratene Raupen probieren?
Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.
Ich gebe ehrlich zu: Ich hätte große Überwindungsschwierigkeiten. Es ist nicht nur die Idee, sondern auch die Optik. Wenn man genau hinschaut, sehen die kleinen Dinger tatsächlich ein bisschen aus wie winzige Aliens.
Trotzdem finde ich es spannend, wie unterschiedlich Esskulturen sind. Was für den einen unvorstellbar ist, ist für den anderen ganz normal. Und wenn man ehrlich ist: Auch viele europäische Spezialitäten würden in anderen Ländern Kopfschütteln auslösen.
Gebratene Raupen sind also weniger „extrem“ als man denkt, aber definitiv nichts für jeden.
Denn zwischen einer giftigen, bestachelten Waldraupe und einer gezielt gezüchteten Seidenraupenpuppe liegt ein gewaltiger Unterschied.
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Fazit
Ja, in China werden Raupen beziehungsweise Puppen gegessen. Aber nicht wahllos und nicht als skurrile Mutprobe. Es handelt sich meist um Seidenraupen aus der traditionellen Seidenproduktion, ein Produkt mit langer Geschichte.
Und vielleicht zeigt dieses Thema vor allem eines: Wie unterschiedlich kulturelle Essgewohnheiten sein können und wie schnell wir etwas bewerten, das wir selbst nie probiert haben.


