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Probleme, welches das Frühlingsfest mit sich bringt

by Ting Ting

Eigentlich ist das Frühlingsfest in China das größte und wichtigste Fest, wo Freude mit den liebenden geteilt werden sollte. Aber das größte Fest bringt nicht nur Freude und Familienzusammenführung, sondern auch viele Tücken, schwierige Gespräche und starke Kopfschmerzen.

Die Reise zum Heimatort –  Chunyun

Chunyun [春運] bezeichnet die 40-Tägige Reise-Periode zum Frühlingsfest. Sie verläuft dieses Jahr vom 10.01.2020 bis zum 18.02.2020. Das Frühlingsfest findet dieses Jahr besonders früh statt, undzwar am 25.Januar 2020. Das ist besonders problematisch, da der Beginn des Frühlingsfestes sich mit den Winterferien der Studenten überlappen und so noch mehr Menschen in China als sonst schon unterwegs sein werden.

Schätzungsweise werden dieses Jahr zu dieser Periode sich über 3 Milliarden Menschen auf die Reise machen. Ein Grund für diese Wanderung sind die Wanderarbeiter, die in die Großstädte gezogen sind, um dort eine Lebenschance zu erhaschen. Vor allem Städte, wie Shanghai, Peking und Guangzhou sind betroffen. Und zum Frühlingsfest hin möchten natürlich alle wieder in die Heimat zurück. Wer mit der Bahn reisen will, muss sich schon Wochen vorher die Tickets bestellen. Sonst geht man nämlich leer aus.

Keine Tickets weit und breit

Apropo Tickets, in China steht auf den Tickets der eigene Name und die Personalausweisnummer drauf. Könnt ihr euch das vorstellen? Früher gab es das Problem, dass einige die Tickets im voraus leer, und dann später zu den verschiedenen Festen überteuert weiter verkauften. Von daher wurde dann diese Regelung eingeführt.
Einmal wollte ich mit der Bahn nach Shanghai fahren. Aber meine Freundin, die das Ticket für mich bestellte, hatte eine falsche Passnummer von mir angegeben. Ich hatte nämlich einige Monate zuvor einen neuen Pass bekommen und darauf war halt eine ganz neue Nummer. Ja… da hatte ich den Salat. Ich durfte nicht mit der Bahn fahren und das Geld bekam ich auch nicht zurück, da ja meine Passnummer nicht stimmte!
Jegliche Versuche der Dame am Schalter das zu erklären blieb aussichtslos. Solang ich meinen alten Pass nicht mitbringen würde, könne man einfach nichts machen. Ich wäre ja nämlich ein ganz anderer Mensch, als auf dem Ticket angegeben. Mir blieb also nichts übrig, als einfach ein neues Ticket zu kaufen, obwohl ich ein voll bezahltes Ticket in der Hand hielt. Aber nicht nur die Bahn und Bustickets sind ausverkauft. Sogar die Direktflüge zu manchen Städten sind ausverkauft. Die Situation kommt so krass, dass sogar sich viele Chinesen bei Reisebüros anmelden, um eine Reise ins Ausland zu buchen und dann von da aus in die Heimatstadt zu fliegen.
Mit dem Auto sind auch nicht wenige unterwegs. Da vor einigen Jahren ja die Mautgebühr an Feiertagen abgeschafft wurde, fahren umso mehr Leute selbst mit dem Auto. Ich glaub ich muss euch nicht mehr sagen, wie der Verkehr dann läuft, oder?

Das Frühlingsfest als Trennungsgrund für Paare

Das Frühlingsfest ist eine Zeit der Zusammenkunft der Familien. Wo auch immer man sich befindet, zum Frühlingsfest kommt man Nachhause und feiert das Fest mit der Familie. Familienmitglieder verschiedener Generationen vereinen sich an einem Tisch und genießen das Essen und die Zeit miteinander. Aber nun zum großen Streitthema schlechthin. Zu welchen Eltern soll man gehen!? Den eigenen oder zu den Schwiegereltern? Natürlich will jeder zu sich Nachhause. Für viele scheint dieses Problem sehr banal zu sein. Aber nicht für die Chinesen. Es ist sogar so bedeutend, dass sich Paare aufgrund dessen scheiden lassen!

2016 In Chongqin gab es eine Nachricht, dass sich 549 Paare am Valentinstag scheiden liessen. Valentinstag, der Tag der liebenden? Nicht hier nach dem Frühlingsfest. Am 14.02 war der erste offizielle Arbeitstag nach den Feiertagen. Das nahmen viele Paare zum Anlass, sich scheiden zu lassen.
Der Streitfall der Ehepaare wird manchmal so groß, dass sich sie sich die wirrsten Ideen einfallen lassen. Ich las neulich eine Nachricht, dass eine Frau das Auto ihres Mannes absichtlich versteckte.  Aus dem einfachen Grund, dass sie dann nicht zur Heimat des Mannes hätten fahren können. Aber da hatte sich die Frau wohl zu früh gefreut. Ihr Mann rief nämlich die Polizei an und somit kam ans Licht, dass die Frau das Auto „gestohlen“ hatte.

Rent a girl- or boyfriend for chinese new year!

Das Frühlingsfest rückt immer näher. Alles muss für das große Ereignis vorbereitet werden. Kühlschränke werden bis auf das oberste Fach befüllt, HongBaos (rote Geschenkumschlänge mit Geld) vorbereitet, Lampen und Fensterbilder aufgehangen. Und ja..manche haben noch eine besonders große Aufgabe vor sich. Nämlich das Finden der perfekten „besseren Hälfte“, um sie der werdenden Familie vorzustellen.
In China, einer Kultur, die oft wenig schmeichelhaften Etiketten den Ledigen zuteilt, macht manch einer das schnelle Geld durch ihre Dienste als Mietpartner. Und besonders zum Frühlingsfest boomt diese Geschäftsidee, um die durchlöchernden Fragen der Eltern und Verwandten aus dem Weg zu gehen. Wenn man keinen echten Freund / Freundin hat, kann man sich ja einfach fix einen mieten. Oder nicht? Man bedenke aber, dass es hierbei weniger um sexuelle Praktiken, sondern das einfache vorzeigen eines Freundes oder Freundin vor den Verwandten / Eltern. Ein Zitat aus Weibo:

„Jedes Jahr zum Frühlingsfest kommen all diese neugierigen Verwandten und fragen, warum ich noch keinen Freund habe. Ich bin nicht in der Laune das chinesische Neujahr zu feiern.“

Das Frühlingsfest ist also nicht nur mit Spaß und Freude verbunden, sondern auch mit Stress. Stress vor den durchbohrenden Fragen, der Familienangehörigen. Hier einige unangenehme Fragen:

  1. Schüler: Wie sind deine Noten?
  2. Uni Absolvent: Hast du schon einen Job gefunden?
  3. Berufstätiger: Wie viel verdienst du pro Jahr?
  4. Single: Hast du schon eine/n Freund/in?
  5. Wenn du schon eine/n Freund/in hast: Wann bekommt ihr endlich Kinder?

Wucherpreise und das Schlange Stehen an Restaurants

An großen Feiertagen steigen gern mal die Preise in die Höhe. Man will ja nicht vor den Verwandten geizen. Also heißt es Augen zu und durch. 2015 machten himmelteure Schrimps Schlagzeielen. 2016 sorgten TianJiaYu [天价鱼] für Aufruhr.
Bei dieser Nachricht handelte es sich um ein Restaurant, welches einen normalen Fisch für 800CNY / 110EUR pro Kilo anbot. (Der Durchschnittschinese verdient etwa 3000CNY pro Monat). Eine Familie von 20 Personen ist zusammen dort essen gegangen und hat insgesamt sagenhafte 10.302,00CNY / 1.400,00EUR für das Abendessen dort bezahlt. Was 515CNY pro Person ausmacht. Mal zum Vergleich, wenn ich mit meinem Mann auswärts essen gehe, bezahlen wir für „normales“ Essen etwa 50CNY. Und wenn es mal ein nobleres Restaurant ist, auch nur so 200-300CNY für ZWEI Personen.

Das stundenlange Schlange stehen ist zum Frühlingsfest auch ganz normal. Als Beispiel: „Wuxi’s Famous Xiao Long Bao“ Von diesem Laden hatte ich schon mal berichtet gehabt. Von Deutschland her kenne ich das ja, wenn kein Platz mehr herrscht, geht man zum nächsten Laden. Nicht so in China. Da wartet man gerne auch stundenlang draußen in der Kälte um einen Platz zu ergattern. Berühmte Plätze werden regelrecht zu „Attraktionen“. Jeder will sein Seine Familie dorthin zum Essen entführen. Denn es sei ja eine Spezialität der Stadt. Das man dann dort drin nicht gemütlich essen kann, ist ja eigentlich klar, aber trotzdem will jeder hin.

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6 Kommentare

Franzy vom Schlüssel zum Glück 23/02/2016 - 00:01

Das ist ja total irre!
also klar.. an Weihnachten herrscht ja auch Ausnahmezustand in Deutschland:
Familien besuchen, volle Autobahnen, teures essen in Restaurants, unangenehme Fragen der Verwandten.
Aber das ist ja richtig irre in China.. kein Vergleich zu Deutschland.
der Wahnsinn.!

Viele liebe Grüße

Franzy

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