Unbekannte Meeresfrüchte, wohin das Auge reicht. In der Stadt Zhuhai bin ich eher zufällig auf einen der eindrucksvollsten Seafood Markt in China gestoßen, die ich bisher gesehen habe: die Wanzai Seafood Street. Der Markt zieht sich über mehrere hundert Meter und ist längst nicht mehr nur ein Geheimtipp für Einheimische, sondern auch eine kleine Touristenattraktion geworden.
Das Besondere an diesem Markt ist, dass man die Meeresfrüchte nicht kauft, um sie mit nach Hause zu nehmen. Stattdessen sucht man sich an den Ständen lebende Tiere aus, die direkt nebenan in einem der Restaurants frisch zubereitet werden. Vom Aquarium auf den Teller – frischer geht es kaum
Ein Markt voller Konkurrenz, Stimmen und Bewegung
Die Stimmung auf der Wanzai Seafood Street ist laut, chaotisch und lebendig. Händler rufen durcheinander, versuchen Kunden anzulocken, zeigen stolz auf ihre Ware. Der Konkurrenzkampf ist deutlich spürbar. Wer einmal stehen bleibt, hat sofort mehrere Verkäufer um sich herum.Viele der angebotenen Meeresfrüchte hatte ich zuvor noch nie gesehen. Manche wirkten faszinierend, andere eher abschreckend. Oft wusste ich nicht einmal, wie man sie essen soll – geschweige denn, wie sie schmecken.
Geruch, Hygiene und Realität in einem Seafood Markt in China
Was viele sich vermutlich fragen: Ja, es riecht nach Meer. Aber nicht unangenehm. Es ist dieser typische Geruch von frischem Fisch und Salzwasser, den man von Häfen oder Fischmärkten kennt.
Überraschend fand ich, dass viele Stände sauberer wirkten, als ich erwartet hätte. Die Becken wurden regelmäßig kontrolliert, abgestorbene Tiere habe ich kaum gesehen. Natürlich ist es kein steriler Ort, aber für einen offenen Markt in China war ich ehrlich gesagt positiv überrascht.
Wie die Meeresfrüchte zubereitet werden
Die Zubereitung ist meist erstaunlich schlicht. Gedämpft, gebraten oder kurz gekocht – viel Schnickschnack gibt es nicht. Knoblauch, Ingwer, Frühlingszwiebeln, etwas Sojasauce. Mehr braucht es oft nicht, denn bei so frischen Zutaten soll der Eigengeschmack im Vordergrund stehen.In manchen Restaurants kann man sogar auswählen, wie die Meeresfrüchte zubereitet werden sollen. Das war für mich ungewohnt, aber auch spannend, weil man so direkten Einfluss auf das Gericht hat.
Mutprobe am Tisch
Interessant ist auch die Gruppendynamik. Alleine hätte ich mir viele Dinge wahrscheinlich nie bestellt. In der Gruppe sieht das anders aus. Irgendwer sagt immer „komm, probier doch mal“, und plötzlich liegt etwas auf dem Teller, das man vorher kategorisch ausgeschlossen hätte.Viele Meeresfrüchte sehen deutlich schlimmer aus, als sie schmecken. Gerade die optisch abschreckenden Varianten sind geschmacklich oft überraschend mild. Der Kopf isst hier definitiv mit – oder steht einem im Weg.
Elefantenrüsselmuschel – beeindruckend und gewöhnungsbedürftig
Eine Muschel ist mir besonders ins Auge gefallen: die Elefantenrüsselmuschel. Sie gilt als eine der größten Muschelarten der Welt und kann bis zu einem Meter lang werden. Wegen ihres Aussehens trägt sie auch weniger charmante Spitznamen.Nicht nur in China, sondern auch in Ländern wie Japan gilt sie als Delikatesse. Es wird ihr sogar eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt, auch wenn das eher in den Bereich der Gerüchte fällt.
Geschmacklich fand ich sie erstaunlich neutral. Nicht schlecht, aber auch nichts, das ich unbedingt nochmal essen müsste. Allein die Größe macht sie jedoch zu einem echten Hingucker.
Hummer, Krabben und Bekanntes in ungewohnten Varianten
Natürlich gab es auch Meeresfrüchte, die man aus Deutschland kennt: Hummer, Krabben, Krebse, verschiedene Fischarten. In Zhuhai jedoch oft in Varianten, die ich so noch nie gesehen hatte – größer, kleiner, anders gefärbt oder einfach ungewohnt zubereitet.
Ekelfaktor – Geschmackssache
So offen ich auch bin: Manche Dinge sahen einfach zu viel für mich aus. Augen, Fühler, Bewegungen im Teller – da hört bei mir irgendwann der Spaß auf. Trotzdem war es spannend zu beobachten, wie selbstverständlich andere Gäste genau diese Speisen bestellten und genossen.
Vergleich zu anderen Seafood Märkten in China
Im Vergleich zu kleineren Märkten in anderen Städten wirkt die Wanzai Seafood Street touristischer, aber auch strukturierter. Man merkt, dass hier regelmäßig Besucher von außerhalb kommen. Trotzdem ist es kein reiner Showmarkt. Viele Einheimische essen hier ganz selbstverständlich, was für mich immer ein gutes Zeichen ist.
Fazit
Die Wanzai Seafood Street in Zhuhai ist kein Ort für empfindliche Gemüter. Aber wer neugierig ist, frische Meeresfrüchte liebt und bereit ist, sich auf Neues einzulassen, bekommt hier ein sehr authentisches Stück China zu sehen – und zu schmecken.
