Eine Woche Guiyang – Reisebericht und persönliche Meinung

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 6,2K Aufrufe 4 Minuten Lesezeit
Guiyang (贵阳) ist die Hauptstadt der Provinz Guizhou im Südwesten Chinas. Mein Mann hat dort viele Sommer seiner Kindheit verbracht, und auch heute lebt noch Familie dort. Deshalb war diese Reise weniger klassischer Urlaub und mehr ein Eintauchen in seinen früheren Alltag.


Die Stadt und der Verkehr

Was mir im Stadtzentrum von Guiyang sofort aufgefallen ist: die Menge an Hochhäusern. Wolkenkratzer stehen dicht nebeneinander, teilweise in erstaunlicher Enge.

Guiyang liegt zwischen Hügeln. Platz ist begrenzt – also baut man nach oben. Die Gebäude sind keine Prestigeprojekte, sondern ganz normale Wohnanlagen. Wenn man von oben auf die Stadt blickt, versteht man erst, wie viele Menschen hier auf engem Raum leben.

Und wo viele Menschen leben, ist auch viel Verkehr. Staus gehören hier zum Alltag. Selbst kurze Strecken können sich ziehen. Für Fußgänger ist es ebenfalls nicht immer angenehm, große Hauptstraßen dürfen oft nicht ebenerdig überquert werden. Stattdessen führen Fußgängerbrücken über die Straßen. Funktional, aber wenig charmant.

Im Vergleich zu Ningbo wirkt Guiyang dichter, chaotischer und weniger „geordnet“. Das ist kein Werturteil, sondern ein spürbarer Unterschied.


Jiaxiu Tower – das Wahrzeichen von Guiyang

Wenn man an Guiyang denkt, denkt man eigentlich an den Jiaxiu Tower (甲秀楼).
Er steht auf einem Felsen im Nanming-Fluss und verbindet mehrere Pavillons über eine Brückenkonstruktion. Besonders abends, wenn die Beleuchtung angeht, wirkt er fast inszeniert, wie ein klassisches Postkartenmotiv.

Ich persönlich fand ihn schön, aber nicht überwältigend. Es ist eher ein kurzer Stopp als ein Ort, an dem man Stunden verbringt. Trotzdem gehört er dazu, wenn man Guiyang zumindest einmal gesehen haben will.


Qingyan Ancient Town – Stein, Mauern und viele Besucher

Da wir hauptsächlich Familie besuchten, blieb nicht viel Zeit für Sightseeing. Unser einziger „richtiger“ Ausflug führte uns zur Qingyan Ancient Town (青岩古镇) im Süden von Guiyang.

Die Altstadt wurde 1378 in der Ming-Dynastie erbaut und ist fast vollständig aus Stein konstruiert – inklusive Stadtmauer. Die engen Gassen, alten Häuser und Torbögen wirken tatsächlich historisch und nicht komplett neu inszeniert.

Der Eintritt war damals günstig (ca. 10 RMB für das Basisticket).

Allerdings: Es war sehr voll. Und das ohne Feiertag. Qingyan ist definitiv kein Geheimtipp. Trotzdem fand ich den Rundgang interessant, vor allem wegen der massiven Steinarchitektur.


Die berühmten Rosenbonbons

Qingyan ist bekannt für sogenannte Rosenbonbons, deren Rezept angeblich bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht.

Ich habe sogar drei Packungen gekauft – in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Und sie dann im Kühlschrank bei Verwandten vergessen, ohne sie probiert zu haben.

Manchmal sind Reise-Souvenirs eben eher Erinnerung als Geschmackserlebnis…


Qianling Park – Stadtpark mit Affen

Ein weiterer bekannter Ort ist der Qianling Park (黔灵山公园).

Er liegt relativ zentral und ist eine Mischung aus Tempelanlage, Naturpark und Ausflugsziel. Besonders bekannt ist er für die frei lebenden Affen, die sich ziemlich selbstverständlich zwischen Besuchern bewegen.

Wenn man eine Pause vom Beton der Stadt braucht, ist das wahrscheinlich die unkomplizierteste Option direkt in Guiyang.



Ethnische Vielfalt in Guizhou

Guizhou gehört zu den ethnisch vielfältigsten Provinzen Chinas. Neben Han-Chinesen leben hier unter anderem Miao, Bouyei und Tujia. Besonders außerhalb des direkten Stadtzentrums sind ihre kulturellen Einflüsse sichtbar.

An touristischen Orten, oder sogar am Flughafen, werden traditionelle Gewänder verkauft. Farbenfrohe Stickereien, Silberkopfschmuck, aufwendige Muster. Für Besucher wirkt das vielleicht wie Folklore. Für die Region gehört es zur kulturellen Realität.



Guiyang im Vergleich – meine ehrliche Einschätzung

Guizhou gilt als eine der wirtschaftlich schwächeren Provinzen Chinas. Guiyang selbst ist moderner als viele umliegende Städte – aber im direkten Vergleich zu Küstenstädten wie Ningbo merkt man Unterschiede.

Ich persönlich empfand Guiyang als:
    •    dichter
    •    unordentlicher
    •    chaotischer
    •    weniger „poliert“

Das heißt nicht, dass die Stadt nichts bietet. Aber ich würde dort nicht dauerhaft leben wollen.
Was ich hingegen wirklich mochte? Das Essen.



Guiyangs Küche  – mein eigentliches Highlight

So gemischt meine Meinung zur Stadt ist, das Essen in Guiyang hat mich überzeugt.

Guizhou-Küche ist bekannt für intensive Schärfe und ausgeprägte Säure. Viel Chili, viel fermentierte Zutaten, starke Gewürze. Die Schärfe ist nicht einfach nur „brennend“, sondern aromatisch. Man schwitzt – aber man hört nicht auf zu essen.

Ich habe in dieser Woche gefühlt alles probiert, was ging. Und am Ende sogar ein paar Gewürze mitgenommen.

Mehr zu den typischen Gerichten findest du in meinem separaten Beitrag zur Guiyangs Küche – das wäre mein klarer Schwerpunkt, wenn ich jemandem die Stadt erklären müsste.



Fazit

Guiyang ist dicht, laut und teilweise chaotisch. Sie liegt eingekesselt zwischen Hügeln, wächst nach oben und wirkt nie ganz ruhig.

Ich verstehe, warum mein Mann nostalgische Erinnerungen daran hat. Für mich war es eher eine interessante Erfahrung als eine Stadt, in der ich länger bleiben wollen würde.

Aber: Wer scharfes Essen liebt und eine andere Seite Chinas kennenlernen möchte, wird hier definitiv fündig.

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3 Kommentare

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Achim 02/11/2017 - 23:36

Von der Landschaft muss Guizhou sehr schön sein. Habe auch mal ein Bericht im TV gesehen.
Ich habe durch das Internet eine Freundschaft aus Guizhou.
Viele Grüße: Achim

Antworten
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Ting Ting 03/11/2017 - 13:37

Hallo Achim,
ja Guizhou hat eine sehr schöne Landschaft und vielfältige ethnische Sitten. Es ist dort ein vollkommen anderes Gefühl, wenn man es mit dem Osten Chinas vergleicht.

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laohaigua 09/11/2022 - 08:12

Super schöne Bilder!
Ich war noch niemals in Guiyang, aber würde gerne dort hinreisen.
LG

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