Jedes Mal, wenn ich nach Ningbo zurückkomme, habe ich das Gefühl, in eine leicht veränderte Version der Stadt einzutauchen. Nicht radikal anders, aber doch so, dass man merkt: Hier ist wieder etwas passiert. Und zwar nicht über Jahrzehnte, sondern innerhalb kurzer Zeit.
Was mich dabei am meisten fasziniert, ist nicht ein einzelnes Großprojekt, sondern die Geschwindigkeit, mit der sich alles gleichzeitig weiterentwickelt.
Ein Jahr reicht, um vieles kaum wiederzuerkennen
Als ich nach 5 Jahren China Aufenthalt das erste Mal wieder in Deutschland war, hatte ich das Gefühl, dass sich äußerlich kaum etwas verändert hat. Gleiche Straßen, gleiche Gebäude, gleiche Abläufe.
In Ningbo dagegen reicht oft ein einziges Jahr, um neue Einkaufszentren zu entdecken, alte Brücken verschwunden zu sehen oder plötzlich auf neu angelegten Promenaden zu stehen.
Direkt vor unserem Fenster wird schon wieder gebaut. Unterirdische Einkaufszentren entstehen mitten im Stadtzentrum. Fußgängerbrücken ersetzen alte Übergänge. Ganze Viertel wirken plötzlich moderner, aufgeräumter, neu gedacht.
Manches davon erscheint mir unnötig. Zum Beispiel, wenn Bushaltestellen abgerissen und neu errichtet werden, obwohl die alten eigentlich noch gut aussahen. Aber genau das zeigt sehr deutlich, wie hier mit Entwicklung umgegangen wird: nicht bewahren, sondern erneuern.

Stadtbild im Gleichschritt
Was mir besonders auffällt, ist, wie koordiniert vieles wirkt. Brücken leuchten zur gleichen Zeit in denselben Farben. Leuchtet die eine Brücke gerade orange, leuchtet die andere Brücke
mehrere Kilometer weit weg ebenfalls orange. Und das gleiche auch bei
den Hochhäusern. So hat das eine Gebäude gerade Rosen als Muster, sehen alle
anderen ebenfalls so aus. Es fühlt sich an, als würde die Stadt gemeinsam ein neues Erscheinungsbild ausprobieren.
Das ist schwer zu beschreiben, aber man spürt, dass hier nicht zufällig gebaut oder verändert wird. Dinge passieren geplant und oft erstaunlich schnell.
Digitalisierung ist längst Alltag
Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist das Bezahlen.
Bargeld sieht man im Alltag kaum noch. Bezahlt wird fast alles mit dem Handy. Nicht nur in großen Geschäften oder Restaurants, sondern auch bei kleinen Läden, Straßenständen oder im Taxi.
Was daran beeindruckend ist, ist nicht die Technik selbst, sondern wie selbstverständlich sie genutzt wird. Niemand erklärt etwas. Niemand wundert sich. Es funktioniert einfach. Für junge Menschen genauso wie für ältere.
Man merkt sehr deutlich: Digitalisierung ist hier kein Zukunftsthema, sondern längst Alltag.
Leben im permanenten Wandel
All diese Veränderungen erzeugen ein ganz eigenes Lebensgefühl. Man lebt in einer Stadt, die sich ständig weiterbewegt. Die nicht lange innehält, sondern immer wieder neu ansetzt. Was heute normal ist, kann im nächsten Jahr schon wieder anders aussehen.
Das kann anstrengend sein. Manchmal auch übertrieben.
Aber es ist unmöglich, diese Geschwindigkeit zu ignorieren.
Und genau das ist es, was mir jedes Mal bewusst wird, wenn ich hier bin: China entwickelt sich nicht langsam. Und nicht punktuell. Sondern sichtbar, spürbar und mitten im Alltag.

18 Kommentare
Wow, ich finde es so mit dem abgestimmten Licht viel schöner, als das schrille was man vielleicht von Vegas kennt.
Von dem Alipay habe ich vorher auch noch nichts gehört, aber just sehe ich es grade in einem YouTube-Kanal (Amanda Tastes),
wie sie mit dem Handy ihre Einkäufe in Paris macht. Da sieht man, wie Deutschland technisch hinterher hinkt. xD
Vielleicht wird es irgendwann ja in Deutschland auch eingeführt. Praktisch ist es, dann braucht man kein Geld mehr mit sich rum tragen und das viele Kleingeld nervt auch. Problematisch wird es nur, wenn man mal das Handy verlieren sollte. Auf dem Handy ist nämlich wirklich alles drauf ^^“
Interessant aus erster Hand zu lesen, dass es nicht nur so dahergeredet ist, wenn man sagt, in China ändert sich das Stadtbild jährlich. Ich habe an einem Schüleraustausch min China teilgenommen und eine Woche lang in Ningbo gewohnt. Die schönen Beleuchtungen auf deinen Fotos habe ich dort leider nicht selbst gesehen.
Hallo Raphael,
das ist ja interessant. Wusste nicht, dass man heutzutage einen Schüleraustausch in so ferne Länder machen kann für nur eine Woche. In welchem Jahr warst du denn dort?
Das ist ja schade. Ningbos Zentrum ist sehr schön in der Nacht, wenn man auf bunte Neonlichter steht :D
Hallo Ting Ting,
ich habe deinen Blog gerade über Flipboard entdecket. Allein das farbenfrohe Bild der mir völlig unbekannten Stadt hat mich schon gelockt. Ich war noch nie in China, eine Reise dorthin würde mich aber reizen. Jetzt werde ich mal ein bisschen stöbern.
Viele Grüße
Renate
Hallo Renate,
vielen Dank für deinen Kommentar und viel Spaß beim rumstöbern ^^
Huhu Ting Ting,
ich hatte letztes richtig Glück und durfte 3 Monate auf Geschäftsreise nach China (Shenzen, Xiamen, Ningbo, Nanjing, Suzhou, Guangzhou, Chengdu & Zhongshan).
Meinen Geburtstag habe ich dann im Marriott in Ningbo gefeiert- ich war von dem Hotel echt begeistert!
Nachts war es außen immer schön blau erleuchtet- aber das wirklich tolle waren die Angestellten dort! Weil ich über zwei Wochen dort war, konnte ich einige neue Bekanntschaften schließen (wir sind immer noch auf Wechat befreundet)!
Zu Wechat habe ich eine Frage- evtl. kannst du mir weiterhelfen: Man kann doch darüber auch bezahlen- allerdings befürchte ich, dass ich dazu ein chinesisches Bankkonto haben müsste (chinesische SIM habe ich) . Ein chinesischer Freund hat versucht mir ein paar RMB mit der „Red Pocket Funktion“ über Wechat zu senden- aber auch das geht wohl vermutlich leider nur mit einem chinesischen Konto.
Schöne Grüße aus dem Süden Deutschlands
Ede
Hallo Ede,
da konntest du ja gut einmal quer durch China reisen ^^
Ich hatte vor kurzen auch das gleiche Problem mit WeChat. Jemand wollte mir ein Hong Bao schenken, ich konnte es jedoch nicht annehmen, weil mein WeChat Konto nicht verifiziert ist. Zum verifizieren benötigt man entweder eine chinesische ID Card oder ein chinesisches Bankkonto. Ohne einer dieser beiden Möglichkeiten geht es soweit ich weiß leider nicht.
Hallo Ting Ting, hallo Ede!
Komisch, vor einem Jahr habe ich in Peking gelebt und ich konnte mein WeChat ganz normal mit der Kreditkarte verifizieren und dann auch Hong Bao bekommen und via WeChat zahlen…
Prüft das doch nochmal!
Viele Grüße,
Lena
Hallo Lena,
vielen Dank für deinen Hinweis. Ich wollte es gerade mal probieren, klappt aber momentan irgendwie nicht bei mir. „Too many users at the current time. Try again later“. Finde ich sehr merkwürdig, weil es gerade mal 6:18 früh morgens in China ist :D
Ich werde es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal probieren und berichten, ob es geklappt hat ^^
Hey Ting Ting,
ja- ich habe die drei Monate sehr genossen- obwohl es auch recht anstrengend war… (wir setzen VPN für kleine Offices ein- und das wird mehr und mehr geblockt). Dennoch hab ich das Reisen sehr genossen- vor allem die Fahrten in den chinesischen Hochgeschwindigkeitszügen! Hier könnte sich die DB mehr als eine Scheibe abschneiden: Jeder hat einen reservierten Sitzplatz – Die Züge sind absolut pünktlich – Und die Bahnhöfe gleichen eher mehr unseren deutschen Flughäfen… ich war begeistert!
Falls ich nochmal länger in China sein sollte, werde ich definitiv darüber nachdenken ein Konto bei der „Bank of China“ oder „ICBC“ zu eröffnen- das soll angeblich auch für Ausländer recht einfach möglich sein- benötigt wird wohl nur der Reisepass.
Hallo Ede,
nein, das stimmt so nicht ganz. Du benötigst auch einige andere Nachweise, zB (bei mir damals) eine chinesische Adresse, einen Arbeitgeber, der regelmäßig zahlt und noch was, das mir gerade nicht einfällt. Probiere nochmal WeChat (siehe oben) ;)
Viele Grüße,
Lena
Hallo Lena,
das mit der Adresse kann ich mir noch gut vorstellen. Man bekommt einen Nachweis bei der „Polizei“, wenn man sich bei der Einreise dort anmeldet. Ich weiß aber nicht mehr, ob ich meinen damals dort vorzeigen musste, kann aber sein. Einen Arbeitgeber musste ich persönlich bei mir nicht angeben (habe nämlich keinen gehabt).
Ich glaube wirklich, dass ich dort nur mit meinem Reisepass hingegangen bin. (War damals noch nicht verheiratet und hatte auch keinen Arbeitgeber) und evtl. noch mit der Meldebescheinigung. Die benötigten Formulare bekommt man ja allesamt vor Ort bei der Bank. Aber das ganze ist auch bei mir schon zu lange her, so dass ich mich nicht mehr genau erinnern kann ^^“
Wenn WeChat jetzt auch mit der deutschen Kreditkarte funktioniert, wäre es eine gute Alternative.
Hallo Ede,
mit den Hochgeschwindigkeitszügen in China fahre ich auch gerne. Da liegen wirklich Welten zwischen. Ich habe das Gefühl, dass Deutschland bei öffentlichen Verkehrsmitteln richtig locker umgehen. Es wird nie richtig kontrolliert. In China ist es so gut wie unmöglich schwarz zu fahren ^^“ Egal ob mit dem Zug, U Bahn oder mit dem Bus.
Ich habe bei der Bank of China und ICBC noch kein Konto eröffnet, sondern bei der China Merchants Bank (gibt es wahrscheinlich nicht überall in China). Die Bank ist eher klein. Habe mein Bankkonto vor ca. 5 Jahren eröffnet. Soweit ich mich erinnern konnte, war es nicht so kompliziert. Aber was man genau an Dokumenten benötigt weiß ich nicht mehr.
Die Banken ändern so oft ihre Regeln, dass man wirklich kaum nachkommt. Das ärgert mich derzeit wirklich. z.B darf man zur Zeit nur 3 Auslandsüberweisungen pro Monat auf das Konto haben. Wenn mehrmals überwiesen wird, geht das Geld einfach zurück. Und halt noch so ein paar komische Regelungen.
Hallo Ting Ting, ich war vor einigen Wochen in Shanghai. Die veranstalten dort auch ein wahres Lichterfest. Macht nachts einen phantastischen Eindruck. Aber als Umwelt und CO2 geschädigter Deutscher muß ich solche Stromverschwendung selbstredent kritisieren. ;-)
Hallo Horst-Dieter,
schön wieder von dir zu lesen :)
Ich hoffe du hattest eine schöne Zeit in China? Warst du privat dort? ^^
Ohja.. Umwelttechnisch gesehen ist das wahrhaftig eine schöne Stromverschwendung.
Stimmt, seit etwa 2 Jahren werden in allen Städten diese Beleuchtungen angeschraubt.
Dann sieht das triste grau-in-grau Beton gleich besser aus.
Es sei denn, man wohnt in einer Wohnung, wo die Beleuchtung gleich gegenüber ist. Die wird nämlich erst am Morgen wieder abgeschaltet. Da braucht man dann lichtdichte Vorhänge.
Die 32-geschossigen Hochhäuser können mich auch nur selten begeistern.
Oft leben auf jedem Geschoss 10 Familien (10 Wohnungen).
Das bedeutet, dass am Morgen zur „rush hour“ dann bis zu 1.000 Menschen durch die Fahrstühle müssen.
Oft gibt es drei davon, häufig ist einer defekt.
Heißt dann 30-45 Minuten jeden Morgen warten, bis endlich ein Platz im Fahrstuhl frei wird.
Und nach der Arbeit dann dasselbe ….
Ausländer bekamen bis Sommer 2017 sehr einfach ein Bankkonto in China, es war in der Tat nur der Pass notwendig.
Eine Adresse etc. wurde bei der Kontoeröffnung nicht einmal hinterlegt.
Dies ist nun vorbei (seit 01.07.2017), da China fast identische Regeln aus Deutschland übernommen hat.
Es stimmt auch, dass viele Chinesen mit „WeChat“ bezahlen. Jede dieser Transaktionen wird von über Jahre WeChat gespeichert und verkauft. So bekommt man dann 10 verschiedene Werbungen auf sein Mobiltelefon von Fischgeschäften, sobald man einmal damit ein Aquarium bezahlt hat. Außerdem meldet WeChat jede dieser Transaktionen an Regierungsbehörden.
Ähnliche Ideen – Abschaffen von Bargeld – gibt es auch in Europa und in Deutschland (in dem es ein Bankgeheimnis ja nun schon seit Ewigkeiten nicht mehr gibt).
Und ja … es stimmt, die Städte verändern sich tatsächlich im Jahrestakt.
China hat die Büsche, Bäume und Parks wiederentdeckt, die in den Jahren zuvor zwischen all dem Beton verschwunden waren.
Dies wirkt sich in meiner Stadt (Xi’an), in der ich seit 8 Jahren lebe, bereits aus.
45 Grad werden im Sommer nicht mehr erreicht, sondern es sind einige Grad weniger und auch die Luftverschmutzung hat nachgelassen.
Viele Grüße
Thomas
Ja, das negative an der ganzen Beleuchtung ist, dass es niemals ganz dunkel ist, auch wenn man nicht direkt gegenüber von so einem Gebäude wohnt merkt man das. Habe ich hier auf meiner Seite auch bestimmt schon des öfteren bemängelt ;)
Aber wenn man direkt gegenüber wohnt, ist das bestimmt noch ein „tolleres“ Erlebnis.
Ich habe in China nie in einem Hochhaus gewohnt. Unsere alte Wohnung hat nur 7 Etagen gehabt und war ohne Aufzug. Da blieb mir das ganze zum Glück erspart.
Danke für die Info mit dem Bankkonto. Da habe ich mich also doch nicht ganz getäuscht, dass damals der Reisepass allein gereicht hat. Jetzt wird in China auch alles strenger.
Das mit den Werbungen auf dem Mobiltelefon finde ich sowieso schrecklich, auch WeChat unabhängig. Als ich das letzte mal in China war, habe ich mir eine neue Nummer geholt. Bereits am zweiten Tag rief mich ein unbekannter Spam Anrufer an, der mir ne Wohnung verticken wollte. Und das bei einer neuen Nummer! Bei alten Nummern will ich gar nicht erst anfangen.