Wenn ein Gericht plötzlich ein Vermögen kostet – Preisfallen in chinesischen Restaurants

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 4,8K Aufrufe 1 Minute Lesezeit

Es gibt Restaurantgeschichten aus China, die man einmal hört und dann nicht mehr vergisst. Nicht, weil sie besonders exotisch wären, sondern weil sie etwas sehr Alltägliches zeigen: wie schnell aus einem ganz normalen Essen eine unangenehme Situation werden kann. Ein besonders bekanntes Beispiel stammt aus Qingdao.



Wie aus 38 RMB plötzlich über 1.500 RMB wurden

Die Gäste bestellten ein Garnelengericht, das mit 38 RMB auf der Speisekarte stand. Vor der Bestellung fragten sie ausdrücklich nach, ob dieser Preis für eine Portion gelte oder pro Stück. Der Restaurantbesitzer bestätigte, es handle sich um den Preis für eine Portion.

Nach dem Essen änderte sich diese Aussage plötzlich. Nun sollte der Preis pro Garnele gelten. Die Rechnung belief sich auf über 1.500 RMB – fast 200 Euro für ein einziges Gericht.

Die Gäste waren schockiert und riefen die Polizei. Diese erklärte sich jedoch für nicht zuständig und verwies an das zuständige Preisverwaltungsamt. Dort war bereits Feierabend. Der Streit zog sich bis spät in die Nacht.

Am Ende zahlten die Gäste 800 RMB, um den Laden überhaupt verlassen zu dürfen. Der Besitzer hatte ihnen zuvor den Weg versperrt. Erst nachdem Medien über den Fall berichteten, schalteten sich die Behörden ein. Zu diesem Zeitpunkt war der Betreiber bereits verschwunden.



Kein Einzelfall, sondern ein bekanntes Muster

Was diesen Fall besonders machte, war nicht die Methode, sondern die Aufmerksamkeit. Ähnliche Preisfallen gibt es in China seit Jahren, vor allem in touristischen Gegenden oder Restaurants, die stark auf Laufkundschaft setzen.

Preise werden oft absichtlich unklar formuliert. Mal ist nicht eindeutig, ob sich ein Preis auf eine Portion oder ein einzelnes Stück bezieht, mal werden mündliche Zusagen später bestritten. Nach dem Essen steht der Gast plötzlich vor einer Rechnung, mit der er nicht gerechnet hat. Viele zahlen am Ende, nicht aus Überzeugung, sondern weil sie die Situation beenden wollen.



Warum man sich oft kaum wehren kann

Theoretisch gibt es in China Regelungen zum Verbraucherschutz. Praktisch greifen sie in solchen Momenten häufig nicht. Zuständigkeiten sind unklar, Behörden reagieren langsam, und gerade als ausländischer Gast fühlt man sich schnell machtlos.

Hinzu kommt der soziale Druck. Niemand möchte stundenlang diskutieren, die Polizei erneut rufen oder riskieren, den Laden nicht verlassen zu dürfen. Genau darauf setzen solche Restaurantbetreiber. Die Situation wird ausgesessen, bis der Gast nachgibt.



Was man daraus mitnimmt

Wer länger in China lebt, entwickelt ein Gespür für solche Situationen. Man lernt, Preise vor der Bestellung sehr genau zu klären. Unklare oder ausweichende Antworten sind meist kein gutes Zeichen. Restaurants in reinen Touristenlagen werden oft gemieden, stattdessen verlässt man sich auf Empfehlungen oder Stammrestaurants.
Absolute Sicherheit gibt es nicht. Aber Aufmerksamkeit spart Nerven und manchmal sehr viel Geld.



Warum dieser Fall bis heute erinnert wird

Der Garnelen-Fall von Qingdao wurde damals landesweit diskutiert und sogar satirisch verarbeitet. Es kursierten Karikaturen, Memes und symbolische Geldnoten für die „teuersten Garnelen der Stadt“. 

Nicht, weil Garnelen besonders wichtig wären, sondern weil viele Menschen ähnliche Situationen kannten oder zumindest davon gehört hatten. Der Fall steht bis heute sinnbildlich für ein Problem, das viele lieber vermeiden, als es offen auszutragen.

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3 Kommentare

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Bammy 14/10/2015 - 12:07

O.o verrückt! Mehr kann man nicht sagen^^

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Nini 14/10/2015 - 21:41

Um Gottes Willen, das ist so dreist und unfair. Unfassbar, dass da keiner was gegen unternommen hat sondern erst dann als der Besitzer einfach ganz frech fliehen konnte und nun über alle Berge ist. :s

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Ting Ting 16/10/2015 - 00:39

Habe ganz vergessen den Text zu editieren. Der Besitzer wurde dann doch noch gefunden und musste einiges nachzahlen. Aber was danach genau passiert ist, habe ich dann nicht mehr verfolgt.

Das Thema in China mit den übertriebenen Preisen boomt zur Zeit…

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