Weingummis, Schokolade oder Sahnetorten. Solche Süßigkeiten waren in China lange Zeit völlig unbekannt. Stattdessen gibt es dort eigene, sehr alte Süßspeisen, die bis heute hergestellt werden. Eine davon ist der Drachenbart – eine traditionelle chinesische Süßigkeit, die optisch an Zuckerwatte erinnert, geschmacklich aber deutlich feiner ist.
Der chinesische Drachenbart heißt 龙须糖 (Lóng Xū Táng), was übersetzt so viel wie „Drachenbart-Zucker“ bedeutet. Seine Geschichte reicht über 2000 Jahre zurück bis in die Han-Dynastie. Damals war diese Süßigkeit ausschließlich dem kaiserlichen Hof vorbehalten.
Was ist Drachenbart eigentlich?
Drachenbart ist eine traditionelle chinesische Süßigkeit, deren Geschichte über 2000 Jahre zurückreichen soll. Der Legende nach stammt sie aus der Han-Dynastie und war ursprünglich nur der kaiserlichen Familie vorbehalten.
Der Name kommt von den extrem feinen Zuckerfäden, die an Barthaare erinnern sollen – eben an den Bart eines Drachen. Klingt erstmal seltsam, passt aber erstaunlich gut, wenn man das Ganze einmal gesehen hat.
Optisch sieht Drachenbart aus wie ein kleines, weißes Wollknäuel. Leicht, luftig und fast zu filigran, um echt zu sein.
Herstellung von Drachenbart
Traditionell besteht Drachenbart aus Zucker und Maltosesirup. Daraus entsteht zunächst ein weicher Zuckerteig, der dann immer wieder gezogen, gefaltet und in Mehl gewendet wird.
Man muss sich das wirklich bildlich vorstellen: Ein einzelner Zuckerklumpen wird mit den Händen so lange auseinandergezogen, bis daraus hunderte hauchdünne Fäden entstehen. Das Ganze erfordert unglaublich viel Übung und ein gutes Gefühl für Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Ist es zu kalt, lässt sich der Zucker kaum ziehen. Ist es zu warm oder zu feucht, kleben die Fäden sofort zusammen. Deshalb sieht man Drachenbart auch oft nur im Frühling oder Herbst frisch hergestellt.
Gefüllt oder pur? Das wissen viele nicht
Was viele gar nicht wissen (ich am Anfang übrigens auch nicht): Drachenbart wird heute fast immer gefüllt gegessen.
Die klassische Füllung besteht aus gemahlenen Erdnüssen, Sesam und etwas Zucker. Genau diese Kombination macht den Drachenbart für mich erst richtig spannend. Außen diese hauchdünnen Zuckerfäden, die sofort auf der Zunge zergehen – und innen etwas Nussiges, leicht Süßes.
Je nach Region gibt es auch Varianten mit Kokos, Walnüssen oder schwarzem Sesam. Ganz ohne Füllung bekommt man Drachenbart heutzutage eher selten. Das sieht man meist nur noch bei sehr traditionellen Vorführungen, wenn gezeigt wird, wie die Süßigkeit früher hergestellt wurde.
Geschmack und Mundgefühl
Geschmacklich ist Drachenbart schwer zu vergleichen. Er ist süß, aber nicht schwer. Zuckrig, aber nicht klebrig. Sobald man ihn in den Mund nimmt, lösen sich die Fäden fast sofort auf.
Trotz des hohen Zucker- und Fettanteils liegt Drachenbart erstaunlich leicht im Magen. Genau das ist auch der Grund, warum man schnell mehr davon isst, als man eigentlich vorhatte.
Frisch schmeckt er allerdings am besten. Lässt man ihn zu lange offen liegen, ziehen die Zuckerfäden Feuchtigkeit und verkleben. Dann ist dieses besondere, luftige Gefühl leider weg.
Warum Drachenbart heute noch besonders ist
Drachenbart ist keine Süßigkeit für den Alltag. Man kauft ihn nicht nebenbei im Supermarkt und packt ihn nicht wochenlang in den Schrank. Er ist etwas Temporäres. Etwas, das man am besten frisch isst und dann wieder verschwinden lässt.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum er bis heute so faszinierend geblieben ist. Wenn du die Gelegenheit hast, Drachenbart frisch zu probieren: tu es.
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7 Kommentare
Hi,
wenn ich mal in China bin, werde ich die mal probieren. Gibts die immer und überall oder nur zu bestimmten Zeiten?
Füllt der Mann die im Video noch mit Nüssen?
LG Myriam
Hallo Myriam,
frisch gibt es sie leider nicht überall. Man muss schon etwas Ausschau danach halten. So traditionelle Süßigkeiten gibt es leider immer weniger :(
Habe sie dieses Jahr auch erst zum ersten mal gesehen und probiert.
Ja, im Video werden die noch befüllt. Es gibt viele Varianten, wie man Drachenbärte herstellen kann. Manche werden befüllt, manche nicht. Es gibt sie auch noch in verschiedenen Geschmacksrichtung, zB mit Milchgeschmack, Mohn oder verschiedenen Frucht Aromen.
Oh, das sieht aber lecker aus. Schade, dass solche traditionellen Sachen immer weniger werden. Dabei ist gerade das immer das wichtigste für ein Land :(
Sieht ja spannend aus :-) Ich glaube, ich hab die in Shanghai mal gesehen. Da war ich vor einigen Jahren mal für eine Woche.
LG, Sarah
http://www.vintage-diary.com
Lecker! Ich finde den süßen Drachenbart ähnlich wie die türkische Zuckerwatte, die haben aber verschiedene Geschmäcke. Wenn ich den chinesischen Drachenbart vermisse, kaufe ich die vom türkischen Supermarkt. ;p
Guter Tipp, habe türkische Zuckerwatte noch nie probiert. Muss ich mal versuchen :)
Türkische Süßigkeit mag ich, z.B. Baklava.
p.s. hast du in Deutschland Meiling Brei probiert? (美龄粥) Ich finde es eine sehr lecke und gesunde chinesische Spezialität, das aber noch nicht weit verbreitet wird. Oder mögen Deutschen solche heiße klebrige Suppe nicht?
LG