Chinesische Teigfiguren, oft auch Teigmännchen genannt, gehören zur traditionellen chinesischen Volkskunst. Auf Chinesisch heißen sie Mian Ren (面人), wörtlich übersetzt etwa „Teigmenschen“ Die kleinen Figuren werden aus Reismehl oder Weizenmehl und Farbstoffen hergestellt und haben eine erstaunlich lange Geschichte.
Ihre Ursprünge reichen bis in die Zeit der Han-Dynastie zurück. Damals waren diese Figuren sogar essbar. Heute dienen sie fast ausschließlich der Anschauung, da dem Teig Stoffe zugesetzt werden, um die Haltbarkeit zu verlängern.
Mian Ren – Volkskunst aus Teig
Oft, wenn ich durch die Straßen gehe, sehe ich ältere Chinesen, die aus Teig kleine Figuren formen. Manchmal bleibe ich einfach stehen und schaue zu. Es hat etwas Beruhigendes, fast Meditatives, diesen Menschen bei der Arbeit zuzusehen.
Erfahrene Künstler benötigen nur wenige Minuten, um aus einem Stück Teig eine Figur entstehen zu lassen. Mit bloßen Händen, Scheren, kleinen Messern und spitzen Holzstäbchen formen sie Tiere, Fabelwesen oder menschliche Figuren.
Beliebte Motive stammen aus der chinesischen Geschichte, aus Volksmärchen, Romanen (z.B dem Affenkönig) oder der Oper. Manche Figuren sind einfach, andere sehr detailliert und offensichtlich im Voraus vorbereitet.

Vom Straßenhandwerk zur Seltenheit
Früher zogen diese Künstler von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt. Die Teigfiguren waren eine einfache Möglichkeit, Geld zu verdienen und gleichzeitig Geschichten, Mythen und Traditionen weiterzugeben.
Heute sieht man diese Kunstform leider immer seltener. In modernen Städten begegnet man den Teigmännchen meist nur noch auf Märkten, bei Volksfesten oder in touristischen Gegenden. Viele junge Menschen kennen Mian Ren nur noch vom Hörensagen oder aus Museen.
Gerade deshalb wirken diese kleinen Figuren so besonders. Sie sind nicht nur dekorativ, sondern ein stilles Zeugnis einer Zeit, in der Handwerk, Alltag und Unterhaltung eng miteinander verbunden waren.

1 Kommentar
Ziemlich coole Nummer! Was es bei Euch so alles gibt….
Liebe Grüße, Ophelia