Ein Yukata in Japan – mein kleiner Sommertraum
Was ganz oben auf meiner Wunschliste für meine Japan-Reise stand: einmal ein traditionelles japanisches Gewand tragen. Für einen klassischen Kimono war es zu dieser Jahreszeit allerdings viel zu heiß. Also wurde es ein Yukata.
Wer Animes oder japanische Serien schaut, kennt diese typische Szene: Im Sommerfest-Yukata mit Freunden durch die Straßen schlendern, Süßigkeiten probieren, Goldfische angeln und abends gemeinsam ein Feuerwerk anschauen. Genau so hatte ich mir das immer vorgestellt.
Und irgendwann stand ich tatsächlich selbst in Kyoto – bereit für mein Yukata-Erlebnis.
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Was ist ein Yukata?
Ein Yukata ist ein traditionelles japanisches Sommergewand. Im Gegensatz zum formellen Kimono wird er:
• aus dünner Baumwolle gefertigt
• im Sommer oder bei Festivals (Matsuri) getragen
• oft in Onsen, Ryokan oder Hotels genutzt
• im Alltag bei warmem Wetter getragen
Er ist einfacher anzulegen als ein Kimono und deutlich günstiger, sowohl beim Kauf als auch beim Verleih.
Ein Yukata besteht aus:
• dem eigentlichen Baumwollgewand
• einem Obi (Gürtel)
• Geta (holzene Sandalen)
• einer kleinen Tasche
• optional Haarschmuck
Wichtig: Auch wenn er leichter wirkt, ganz so simpel ist das Anziehen nicht.
Yukata Verleih in Kyoto –
warum ich mich gegen einen Kauf entschieden habe
Man kann Yukatas in Japan durchaus günstig kaufen. Aber realistisch betrachtet: Wann würde ich ihn außerhalb Japans wirklich tragen?
Außerdem hätte ich keine Ahnung gehabt, wie man den Obi korrekt bindet. Und genau hier kommt der Verleih ins Spiel.
In Kyoto gibt es extrem viele Yukata- und Kimono-Verleihe, besonders in:
• Higashiyama
• Gion
• Nähe Kiyomizu-dera
• rund um den Yasaka-Schrein
Kyoto gilt als die beste Stadt in Japan für Yukata- oder Kimono-Verleih, da das historische Stadtbild perfekt dazu passt.
Ich habe meine Yukatas vorab online reserviert. Gerade in der Hochsaison (Kirschblüte, Herbstlaub, Sommerferien) sind beliebte Zeiten schnell ausgebucht.
Preise für Yukata-Verleih in Kyoto (Stand 2026)
Die Preise liegen durchschnittlich bei:
• 3.500–6.500 Yen für ein Standard-Yukata-Paket (ca. 22–40 €)
• Aufpreis für Haars styling oder hochwertigere Designs möglich
• Männer-Yukata oft etwas günstiger
Insgesamt haben wir für drei Yukatas (zwei für mich, eines für meinen Mann) für je einen Tag in Kyoto und Osaka rund 140 € bezahlt.
Die Mietdauer beträgt meist:
• 3–6 Stunden
• oder bis Geschäftsschluss (ca. 17–18 Uhr)
Manche Anbieter erlauben Rückgabe am nächsten Morgen gegen Aufpreis.
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Tragekomfort – ehrliche Erfahrung
Und jetzt kommt der Teil, den viele nicht erzählen: Es ist anstrengend.
Der Yukata sitzt eng, besonders im Bauchbereich. Man wird mehrfach umwickelt, bei mir waren es mindestens vier bis fünf Lagen Stoff um die Taille.
Große Schritte? Unmöglich. Man läuft automatisch im Schneckentempo.
Und die Geta-Sandalen? Für mich persönlich das Schwierigste. Mit Schuhgröße 38/39 hatte ich massive Probleme. Nach zehn Minuten hatte ich bereits Druckstellen und musste meine eigenen Schuhe anziehen.
Das sieht auf Fotos natürlich weniger authentisch aus, aber meine Füße waren mir wichtiger.
Auch überraschend: Trotz Sommerstoff wird es warm. Besonders rund um den Bauch staut sich die Hitze.
Laufen in Japan viele mit Yukata herum?
Ich hatte den Verleih bewusst auf zwei Sommerfesttage gelegt, weil ich Sorge hatte, dass es an normalen Tagen seltsam wirken könnte.In Osaka habe ich außerhalb von Festivals kaum jemanden im Yukata gesehen.
In Kyoto war es anders. Dort sieht man deutlich mehr Menschen, sowohl Einheimische als auch Touristen, im Yukata durch Gion oder Higashiyama laufen.
Realistisch betrachtet sind viele davon ebenfalls Besucher. Aber in Kyoto wirkt es weniger „verkleidet“, sondern fast schon selbstverständlich.
So funktioniert der Yukata-Verleih
Der Ablauf ist meist standardisiert:1. Auswahl von Muster & Größe
2. Professionelles Ankleiden durch Personal
3. Optionales Haarstyling
4. Übergabe von Tasche & Geta
5. Rückgabe innerhalb der vereinbarten Zeit
Ohne Hilfe wäre ich ehrlich gesagt verloren gewesen, der Obi ist komplizierter als er aussieht.
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Lohnt sich ein Yukata-Verleih in Kyoto?
Trotz Blasen an den Füßen und Hitze: Ja.Es war anstrengend, aber eine besondere Erfahrung.
Gerade in den historischen Straßen von Gion oder im Abendlicht rund um den Yasaka-Schrein fühlt es sich weniger wie ein Kostüm an, sondern eher wie ein kleiner Blick in eine andere Zeit.
Würde ich es wieder machen? Mit bequemeren Schuhen – definitiv.

10 Kommentare
Zauberhaft sieht das aus, steht dir sehr gut.
Die Unbequemlichkeit muss man hinnehmen. Finde ich süß, dass man nur kleine Schritte machen kann. Ist nicht für weite Strecken gedacht. Und Toilettengänge werden dann wohl wegen des Aufwands mühsam.
ich denke durch das enge Schnüren steht es nur Schlanken.
Solche Traditionen müssen unbedingt aufrechterhalten werden.
LG Maricel
Hallo Maricel,
ja, auf jeden Fall! Den Yukata an sich fand ich ja noch ganz ok. Nur die Schuhe fand ich ganz schrecklich unbequem. Ich glaub ich hab echt einfach zu fette Füße ?
Den Toilettengang fand ich sogar überraschenderweise gar nicht so schlimm. Ist ähnlich wie mit einem langen Kleid^^
Ich glaube die Japaner haben damit (noch) keine starken Probleme. Soweit ich mich erinnere habe ich keinen einzigen dicken Japaner auf meiner Reise gesehen…
Hallo TingTing,
schön dich zu lesen
vielleicht ist das mit den Schuhen noch aus der Zeit, in der Frauen künstlich kleine Füße antrainiert wurden, ich glaube, da gab es ganz schreckliche Methoden.
Und nein, du hast keine fetten Füße, das ist doch 38/39 und völlig normal.
Was soll ich da mit Gr.41 sagen……wahrscheinlich gibt es da in Asien kaum noch Frauenschuhe für.
LG
Hehe ja für europäische Standards sind meine Füße wahrscheinlich normal ^^
Ich glaube das wird mit den großen Größen in China langsam auch immer einfacher beim Einkauf. Man sieht immer öfter auch riesige Chinesen auf den Straßen und leider auch viele übergewichtige.
Cooles Blog! Ich muss meiner Frau unbedingt auch so einen Kimono besorgen wenn wir das nächste mal in Tokyo sind! :)
Hallo David,
ja mach das! Das ist auf jeden Fall ein Erlebnis wert :)
Hallo Ting Ting,
die Kimono verpackten Mädels sehen ja niedlich aus. Kommt der japanischen Angewohnheit, alles schön zu verpacken, wohl sehr entgegen? Erinnert irgendwie nach Geschenken, welche vorsichtig entpackt werden möchten? :-) Aber wie auch immer, man muß sich in diesen Textilien wohl etwas sehr bewegungseingeschränkt fühlen? Dazu noch die traditionellen Sandalen. Sicher kein großes Vergnügen für den so gekleideten.
Nichts desto Trotz finde ich den Chipao eleganter. Mir gefällt er um Längen besser. Irgendwie schade das er im Alltag durch profane Hosen etc ersetzt wurde. Aber die Chinesinnen werden schon wissen, warum sie im Alltag keinen Chipao tragen. ;-)
Nachtrag. So richtig glücklich scheint dich die traditionelle japanische „Damen-Verpackung“ nicht zu machen? Es gibt hübschere und attraktiver Kleider die du problemlos tragen kannst. :-)
Hallo Horst,
haha ja das kann gut sein ;)
Frei bewegen kann man sich wirklich nicht. Aber ein Vorteil hat es auch. Man muss in diesem Gewand gerade stehen und sitzen, weil gerade alles so eng anliegt.
Ich wollte mich mittags kurz hinlegen mit dem Yukata, aber das ging leider gar nicht, lach.
Ich finde generell alle traditionelle Kleidungen in Asien hübsch. Als ich das letzte mal in Guiyang war wollte ich auch das traditionelle Gewand von dort anprobieren. Leider leider hat dafür die Zeit nicht mehr gereicht gehabt :(
Das finde ich total spannend!
Ich hatte überhaupt nicht auf dem Schirm, dass Yukatas überhaupt noch irgendwo im öffentlichen Leben getragen werden.
Dass die unbequem sind, kann ich mir gut vorstellen. Ich habe einen Sari aus Mumbai, und irgendwie ist der auch toal unpraktisch. Außerdem schaut da immer Bauchspeck an der Seite raus – damit hast Du aber ja kein Problem! :-))))))))))
Eine tolle Ausprobiert-Reportage!