Warum Wohnungen in China Fenstergitter haben – und warum man sie heute seltener sieht

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Veröffentlicht: Aktualisiert: 4,1K Aufrufe 2 Minuten Lesezeit

Wer zum ersten Mal durch chinesische Städte läuft, wundert sich oft über die Fenstergitter an Wohnhäusern. Nicht nur im Erdgeschoss, sondern auch in höheren Etagen. Für viele wirkt das übertrieben oder sogar beängstigend. Die Frage kommt fast immer: Warum braucht man das überhaupt?

Die kurze Antwort lautet: historische Erfahrung, pragmatische Vorsorge und Stadtentwicklung.
Die lange Antwort ist etwas differenzierter.

Fenstergitter als normaler Bestandteil des Alltags

In vielen chinesischen Städten waren Fenstergitter über Jahrzehnte hinweg völlig normal. Sie galten nicht als Zeichen von Angst, sondern als Teil der Wohnarchitektur – ähnlich wie Rollläden oder stabile Haustüren in anderen Ländern.

Besonders in älteren Wohnhäusern wurden Gitter standardmäßig verbaut. Nicht nur im Erdgeschoss, sondern auch in oberen Stockwerken. Das hatte weniger mit Panik zu tun, sondern mit dem Wunsch, Risiken möglichst klein zu halten.


Warum auch in höheren Etagen?

Aus westlicher Perspektive gilt: Je höher man wohnt, desto sicherer ist man.
In China wurde diese Annahme lange Zeit nicht geteilt.

Zum einen, weil Gebäude dichter stehen und Balkone, Dächer oder Fassaden oft miteinander verbunden sind. Zum anderen, weil Einbruch nicht als Ausnahme, sondern als reales Risiko betrachtet wurde, unabhängig von der Etagenhöhe. Fenstergitter waren daher eine einfache, einmalige Lösung: eingebaut, wartungsarm, effektiv.

Wandel durch Stadtentwicklung und neue Wohnanlagen

In den letzten Jahren hat sich das Stadtbild deutlich verändert. Moderne Wohnanlagen unterscheiden sich stark von älteren Wohnhäusern. Heute sind vielerorts Standard:
    •    geschlossene Wohnkomplexe
    •    Zugangskontrollen
    •    Kameras
    •    Pförtner oder Sicherheitsdienste

In solchen Anlagen sieht man Fenstergitter kaum noch. Sie sind schlicht nicht mehr nötig. Sicherheit wird nicht mehr über einzelne Wohnungen geregelt, sondern über das Gesamtsystem.

Gerade in Neubauten sind offene Fensterfronten, Balkone ohne Gitter und moderne Fassaden inzwischen üblich.

Altbau und Neubau – zwei unterschiedliche Welten

Der Unterschied zwischen älteren und neuen Wohnhäusern ist in China besonders deutlich. Während Neubauten auf Technik und Organisation setzen, verlassen sich ältere Gebäude weiterhin auf bauliche Vorsorge.

Deshalb findet man Fenstergitter heute fast ausschließlich:
    •    in älteren Wohnhäusern
    •    in Stadtteilen ohne Zugangskontrolle
    •    in Gebäuden aus früheren Bauphasen

Das bedeutet nicht, dass diese Gegenden unsicher sind – sondern dass Sicherheitsdenken dort anders umgesetzt wird.

Sicherheit in China: pragmatisch statt emotional

Ein wichtiger Punkt zum Verständnis:
Sicherheitsmaßnahmen in China sind selten emotional aufgeladen. Sie gelten nicht als Ausdruck von Angst, sondern als normaler Bestandteil des Alltags.

Man sichert sich ab, bevor etwas passiert – nicht danach. Dieses Denken zieht sich durch viele Bereiche des Lebens und spiegelt sich auch im Wohnbau wider.

Fazit

Fenstergitter in chinesischen Wohnungen sind kein Zeichen von Unsicherheit oder Angst. Sie sind das Ergebnis von Erfahrung, pragmatischem Denken und früheren Lebensrealitäten.

Heute sieht man sie deutlich seltener, nicht, weil sie falsch waren, sondern weil sich Städte, Wohnanlagen und Sicherheitskonzepte verändert haben.

Wer sie noch sieht, blickt nicht auf ein Relikt der Vergangenheit, sondern auf eine andere Art, mit Alltagssicherheit umzugehen.

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7 Kommentare

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Nini 30/08/2014 - 19:02

Boah, wie unfassbar frech das doch ist. Dass die Menschen einfach kein Respekt vor dem Eigentum anderer haben. Und das egal wo… Ich kann deinen Unmut verstehen, vorallem auf der Arbeit und zu Hause… Das sollte eigentlich nicht passieren…

Mir passiert das zum Glück selten bis gar nicht.

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Ting Ting 01/09/2014 - 15:32

In Deutschland wurde mir wirklich auch noch nie etwas geklaut. In China bin ich nun innerhalb von 6 Monaten schon 2 Mal beklaut wurden. Entweder wirklich großes Pech, oder jemand hats auf mich abgesehen xD

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Ragnar 30/08/2014 - 22:46

Du Arme!
Ein Glück aber, dass Du vorsichtshalber so wenig Geld im Portemonnaie hattest. Die Geschichte mit dem Paket ist wahrscheinlich noch ärgerlicher. Es ist so traurig, wenn man seinen Mitmenschen nicht trauen kann. Besonders unwohl fühlt man sich, wenn es am Arbeitsplatz oder gar zuhause passiert.
Aber wer so mutig ist Seegurken zu probieren, den schreckt nichts! ;-) Ich hoffe, Du konntest Dir einen schönen Abend machen, um den Ärger zu vergessen.
LG Ragnar

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Ting Ting 01/09/2014 - 15:29

Naja, nun habe ich gelernt, dass man wirklich überall wie ein Fuchs aufpassen muss… Ich hätte nicht gedacht, dass das auch am Arbeitsplatz passieren würde. In den 10 Jahren der Gastronomie Arbeit meiner Eltern in Deutschland ist es mir noch nie passiert, dass jemand hinter der Theke etwas entwendet hat. Dass mal Öllampen, Bestecke, Dekorationen usw. geklaut wurden, das hatte ich schon öfters…aber nicht sowas :(
Naja… schwamm drüber…

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Kalisix 02/09/2014 - 02:09

Das ist manchmal echt unfassbar … Ich muss die Beweggründe mancher Menschen nicht verstehen, die andere beklauen. … Kann mir vorstellen wie ärgerlich das für dich ist, aber gut das du die wichtigen Sachen daheim lässt, damit hat der Dieb wahrscheinlich nicht gerechnet und beißt sich gerade auch in den Arsch.
Soviel zu „Vertrauen“ zu der Menschheit. Mittlerweile darf man sich nicht einmal von kleinen Kindern auf der Straße ansprechen lassen …, weil man nicht weiß ob da jemand in der Zwischenzeit in deine Tasche greift. *Kopf schüttel*

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Ting Ting 02/09/2014 - 15:33

Wie… gibt es das jetzt mit den Kindern in Deutschland auch schon? …
In China habe ich schon oft gehört, dass Kinder zum Stehlen angestiftet werden und wenn man die Kinder ermahnt, oder einen beklauten darauf hinweist, kommen wohl gleicch 5-6 Männer aus der Ecke gekrochen… Fand ich schon irgendwie beängstigend.
Ja, der Dieb hatte bei mir keinen großen Fang gemacht, aber wer weiß wie oft dieser pro Tag in fremde Taschen greift. Im Nachhinein habe ich noch gemerkt, dass derjenige mein Notizheft geklaut hat. Was derjenige denn damit anfangen will, verstehe ich wirklich nicht, vorallem da derjenige wohl kein Wort von meinem geschriebenen (Deutsch) verstehen wird.
Aber ist echt ärgerlich, da ich mindestens ein paar Stunden dran gesessen habe um alles dort reinzuschreiben…

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Kalisix 08/09/2014 - 04:01

Doch, die gibt es mittlerweile auch hier! Vielleicht merken die Leute das Kinder auf der Straße sehr Mitleidserregend sind oder so, keine Ahnung.
Der dachte vielleicht du hättest dort irgendwelche wichtigen PINs reingeschrieben? Wer weiß schon was sich die Leute dabei denken… Unfassbar.

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