Tanghua – Die essbare chinesische Zuckermalerei

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 8,K Aufrufe 3 Minuten Lesezeit

Ein Kunstwerk zum Essen.  Heute stelle ich euch etwas vor, das man in Deutschland kaum kennt. Für mich ist es echte Straßenkunst – für viele in China einfach nur eine Süßigkeit.

Tanghua (糖画), wörtlich übersetzt „Zucker malen“, ist eine traditionelle chinesische Zuckermalerei. Dabei entstehen aus karamellisiertem Zucker filigrane Figuren, die nicht nur schön aussehen, sondern auch gegessen werden können.

Für die Herstellung braucht es erstaunlich wenig: Zucker, eine Metallplatte, eine Kelle, einen Spatel, Holzspieße, eine Heizquelle – und vor allem viel Fingerspitzengefühl.



Wie entsteht ein Zuckerbild?

Zuerst wird Zucker in einem einfachen Topf karamellisiert, bis er goldbraun und flüssig ist. Mit einer kleinen Kelle gießt der Zuckerkünstler den heißen Zucker in dünnen Linien auf eine glatte Arbeitsfläche. Dabei „malt“ er das Motiv freihändig – oft Tiere wie Drachen, Phönixe, Schmetterlinge oder Pferde.

Der entscheidende Punkt: Der Zucker kühlt extrem schnell ab. Der Künstler muss daher in einem Zug arbeiten. Unterbrechungen würden dazu führen, dass das Motiv bricht oder instabil wird.

Bevor der Zucker vollständig aushärtet, wird ein Holzspieß als Griff angebracht. Anschließend wird die fertige Figur mit einem Spatel vorsichtig von der Platte gelöst.

Es ist jedes Mal faszinierend, dabei zuzusehen.

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Das Zucker-Roulette

Oft steht neben dem Zuckermaler eine runde Drehscheibe, die wie eine Uhr aufgebaut ist. Statt Zahlen befinden sich darauf verschiedene Tiermotive.

Bezahlt man, darf man einmal drehen. Zeigt der Zeiger auf einen Drachen oder Phönix, hat man Glück – diese Motive sind besonders aufwendig. Landet er auf einer Maus oder einem einfachen Tier, bekommt man ein weniger kompliziertes Motiv.

Wer kein Risiko eingehen möchte, kann natürlich auch direkt ein Wunschmotiv bestellen, meist gegen einen höheren Preis.


Die besondere Schwierigkeit – 2D und 3D

Tang Hua ist nicht mit gewöhnlicher Malerei vergleichbar. Da mit heißem, flüssigem Zucker gearbeitet wird, muss jede Linie sitzen. Sie darf weder zu dünn noch zu dick sein, und sie darf vor allem nicht reißen.

Noch anspruchsvoller wird es bei dreidimensionalen Figuren. Neben den klassischen flachen Motiven (2D) gibt es auch 3D-Zuckerfiguren, bei denen einzelne Elemente übereinander gesetzt oder räumlich geformt werden. Hier braucht der Künstler nicht nur Schnelligkeit, sondern auch ein gutes Gespür für Statik.

Ein kleiner Fehler und das gesamte Werk bricht auseinander.

Gerade diese 3D-Technik zeigt, wie viel handwerkliches Können in dieser scheinbar einfachen Süßigkeit steckt.



Warum Tanghua immer seltener wird

Leider gibt es immer weniger Zuckermaler, die diese traditionelle chinesische Zuckermalerei noch beherrschen. Oft sind es ältere Menschen, die das Handwerk gelernt haben.

Der Beruf ist zeitintensiv und bringt wenig Einkommen. Gleichzeitig entstehen inzwischen Maschinen, die ähnliche Zuckerfiguren herstellen können. Doch maschinell gefertigte Stücke verlieren den Charme der Handarbeit.

Tanghua gehört zu den Dingen, die man vor allem auf chinesischen Straßen oder bei Festen
entdeckt, nicht im Supermarkt. Und genau das macht es so besonders.


Mehr als nur eine Süßigkeit

Tanghua ist nicht einfach Zucker am Stiel. Es ist ein Stück traditioneller chinesischer Straßenkultur.

Neben Mian Ren  (Teigfiguren) gehört die Zuckermalerei zu den Kunstformen, die ich in China besonders faszinierend finde. Die Figuren sehen oft so kunstvoll aus, dass man sie fast nicht essen möchte.

Fast.

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10 Kommentare

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Carina 21/01/2014 - 05:25

Wow, wie toll!
Nach deinen Posts habe ich immer mehr das Gefühl, dass ich eines Tages nach China MUSS! :D

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Ting Ting 21/01/2014 - 13:42

Hehe, nach deinem Aufenthalt in Amerika kannst du ja nochmal um die halbe Erdkugel fliegen und ein Jährchen in China verbringen ;)

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Ophelia 21/01/2014 - 03:23

Das ist ja eine wahre Kunst! Aber wie so viele Dinge, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben, vorm Aussterben bedroht, wie schade, wenn solche traditionellen „Handwerke“ verloren gehen. Aber das ist in Deutschland ja nicht anders, leider….Hier geht auch immer mehr Kulturgut verloren, so auch das tragen der alten Trachten und bewahren von alten Gebräuchen, die dann unwiderruflich verloren gehen für die nächsten Generationen.
Liebe Grüße, Ophelia

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Ting Ting 21/01/2014 - 13:39

Ja…da hast du Recht. Es ist wirklich schade, wenn ein Stückchen Kultur verloren geht. Irgendwann wird man viele Dinge nur noch aus Büchern her kennen….

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Dunkelangst 21/01/2014 - 18:19

Das ganze erinnert mich irgendwie an das 3D Drucken. Mit 3D Druckern kann man dreidimensionale Bauteile drucken um einen ersten Prototypen zu bauen, um zu schauen, ob die Konstruktion überhaupt in der Praxis funktionieren kann. Natürlich wird das 3D Drucken nicht mit Zucker sondern mit Kunststoff gemacht. Ob sich der Erfinder des 3D Druckers vorher mal in China war und sich von den Zuckerbildern hat inspirieren lassen? Wer weiß… ;)

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Ting Ting 22/01/2014 - 17:28

Hallo Herr Ingenieur : )
Ich finde, dass die Chinesen schon sehr erfinderisch waren, nur um eine Süßigkeit besser verkaufen zu können. An die 3D Druckerei habe ich beim Schreiben jedoch gar nicht gedacht. Naja, wer weiß : p

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Sören Daniel Krum 11/07/2017 - 13:45

Hei!
Ich finde diese Art der Süßigkeiten auch sehr hübsch. Und ich habe hier noch einen Film zu dem Thema gefunden. Ist aber mehr eine Romanze, nicht zu viele sachliche Informationen erwarten.
https://www.youtube.com/watch?v=kmEZUqoiz68
Glück für die, die Mandarin verstehen, die anderen können ihre Lesefertigkeiten im Englischen verbessern…

Grüssle
Sören

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Ting Ting 31/07/2017 - 14:07

Hallo Sören,
vielen Dank für den Link :) Ich bin nicht so der Fan von den meisten modernen chinesischen Sendungen/ Filmen. Aber hier hat man sehr schön die Herstellung des Drachens sehen können ^^

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Julie 24/07/2018 - 13:31

Wow, das ist ja genial!! Aber wirklich viel zu schön, um sie zu essen!
Liebe Grüße
Julie

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Barbara / Reisepsycho.com 19/08/2018 - 14:40

Wow, einfach nur Wow! Ich glaub, ich hätt ein schlechtes Gewissen beim Essen, weil es echt nach viel Arbeit und Können aussieht! Aber dafür wirds ja gemacht ;) Danke für den informativen Artikel, ich kannte das gar nicht.
Lg Barbara

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