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Was kann man in China überhaupt noch essen?

by Ting Ting

Das Problem mit den Lebensmittelskandalen in China ist ja eigentlich schon ein alter Hut. Ich lebe gerne in China und mag auch sehr gerne die chinesische Küche. Aber manchmal habe ich wirklich bedenken, was man hier denn überhaupt noch essen kann. In Deutschland hört man auch nicht selten Berichte über China, wie das „Zombie-Fleisch“, wo Gammelfleisch vom Ausland importiert wurde, welches 40 Jahren alt war. Und dann einfach auf dem chinesischen Markt verkauft wurde.
Neben dem Rattenfleisch und den Milchpulver Skandalen ist dies wieder nur ein Beispiel, welches in die internationale Medien geschafft hat. Aber es gibt so viele „kleine“ Nachrichten innerhalb Chinas, die mir den Atem stocken. Viele Nachrichten sind schon alt, aber immer noch allwertig. Ich zähle euch mal einige mir bekannten auf.

Pappkarton als Fleischersatz?

Pferdefleisch hin oder her, das kann man ja wenigstens noch essen. In einer Nachricht habe ich mal gesehen, dass in einem Pekinger Baozi Shop Pappkarton als Fleischersatz genutzt wurde. Für alle, die nicht wissen, was Baozis sind, Baozis sind gedämpfte Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen (z.B Fleisch). Und in Peking wurde halt statt dem Fleisch gehackte Pappe benutzt. Die Pappe wurde in Ätznatron eingelegt, damit sich die Pappe auflöst. Danach wurde die Pappe wie normales Fleisch gehackt und mit Fettfleisch und Schweinegeschmack und Gewürzen vermischt. Vom Aussehen und vom Geschmack solle man wohl keinen Unterschied gemerkt haben.

Öl aus der Kanalisation als Speiseöl

Dieses Thema ist zwar schon sehr alt aber in ganz China sehr bekannt und immer noch ein Problem. Gossenöl (vom chinesischen 地沟油 Dìgōu You), ist ein Begriff, der in China verwendet wird, um Speiseöl zu beschreiben, welches illegal von Restaurants, Kanalisationen, Müllcontainern etc. gesammelt und recycelt wird.
Es ist auf jeden Fall absolut eklig, was da abläuft. Ihr müsst euch mal vorstellen, das Öl wird hauptsächlich von der Kanalisation abgefangen. Das da dann nicht nur Öl dran klebt, sondern auch noch andere Sachen wie Müll, Fäkalien etc. ist klar. Das Altöl wird durch Filtration, Kochen, Raffination und Entfernung von Beimischungen „gereinigt“. Danach wird es neu verpackt und als günstige Alternative zu normalem Speiseöl weiter verkauft.
Bei uns Zuhause zerschneiden wir deshalb auch immer unsere gebrauchten Speiseölkanister, damit auch niemand auf die Idee kommt die zu sammeln und zu solchen Zwecken zu missbrauchen. Man sagt, dass jeder zehnte billig Restaurant dieses Öl nutzt. Aber das ganze ist nicht nur eklig, sondern auch gesundheitsschädlich. Langfristiger Konsum kann Krebs und große Schäden am menschlichen Körper verursachen.

Nichts ist so, wie es scheint

Sojasauce aus Menschenhaar: Die Haare wurden von Friseursalons und Krankenhäusern aus dem ganzen Land gesammelt. Danach wurden die Haare mit Hilfe eines chemischen Prozesses „pulverisiert“. Ich glaube die Haare sollten die Schwärze der Sojasauce hervorheben. Aber so sicher bin ich mir bei dieser Nachricht nicht mehr.
Fake Beef: Gefälschtes Schweinefleisch gemischt mit Chemikalien, wie Paraffinwachs.
Pestizide in Mantou: Zur Verbesserung der Kaufähigkeit und Textur der Brötchen wurden Pestizide zugegeben. Zusätzlich wurde Schwefeloxid verwendet, um die Brötchen zu bleichen, für ein schöneres Aussehen.
Totes Schweinefleisch: Im März 2013 wurden 15.000 tote Schweine in einem Fluss entdeckt (nicht weit weg von mir). Dieses Fleisch wurde illegal aufgekauft, illegal verarbeitet und dann wieder in den Markt eingeführt.
Weitere Skandale sind noch: Gummi Reis, giftiges Wasser, Gummi Garnelen, Plastik Taipoka Perlen, Milch aus Kreide und unendlich vieles mehr.

Ich kann nur sagen, man sollte wirklich schätzen, wenn man in einem Land wie Deutschland leben kann. Mir fällt immer wieder auf, wie gerne Deutsche über ihr eigenes Land meckern. Warum? Immerhin gibt es frische Luft und bedenkenloses Essen und trinken? Hilfe bekommt man auch vom Staat, falls nötig.
Ich finde Deutschland toll, auch wenn ich zur Zeit in China lebe. Ja klar, jedes Land hat seine Probleme. Aber anstatt zu meckern, kann man es doch unterstützen besser zu werden? In China ist das ja z.B. gar nicht erst möglich.

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10 Kommentare

Robert Kraus 08/09/2015 - 14:41

Hallo Ting Ting, das klingt ja dramatisch. Auch wenn die deutsche Lebensmittel“kultur“ so manches Mal zu wünschen übrig lässt und fleißig eigene Skandale produziert – solche Dinge sind dann doch nicht zu beklagen.

Also: Watch what you eat!!!

LG

Robert

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Ulrike 08/09/2015 - 18:14

Naja, ganz so einfach ist das in Deutschland auch nicht. Schließlich haben wir auch den einen oder anderen Gammelfleisch-Skandal gehabt. Ich hab eigentlich immer gut gegessen in China. Vor allem das Gemüse war meistens frisch und lecker. Man sollte nur nicht in den billigsten Restaurants essen. Die meisten Skandale, die es in die Nachrichten schaffen, sind Einzelfälle, sowohl in Deutschland als auch in China.

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Ting Ting 08/09/2015 - 20:17

Ich denke schon, dass das ein ganz anderes Ausmaß ist. In China ist das schon ein öffentliches Problem und jedem Chinesen ist das auch bewusst. Wenn das Volk sich schon Sorgen machen muss, was man essen kann, oder nicht finde ich schon bedenklich. Sind ja nicht wenige an solchen Lebensmittelskandalen ins Krankenhaus gelandet … z.B dieses Jahr erst mit den giftigen Wassermelonen.

Ich mein auch nicht, dass man in China nicht gut essen kann. Das Essen ist sehr lecker hier. Aber vieles sieht man und schmeckt man auch auf den ersten Blick nicht. Wie z.B das Öl. Viele Krankheiten kommen erst über die Jahre.
Mit dem Trinkwasser gab es vor einigen Jahren ja auch große Probleme (obwohl eine sehr bekannte Marke in China). Es gibt einfach zu viele Menschen in China und was die Leute sich dann ausdenken, um Geld zu sparen ist sehr „riskant“. Das Essen an sich ist nicht schlecht oder so. Aber halt, was die Menschen aus Armut/ Geldgier machen ist schon schlimm.

Mit dem Frischen Obst und Gemüse ist auch so eine Sache… wie wird das Gemüse so schön und saftig?.. mit vielen Pestiziden (ja, das ist in Deutschland auch ein Problem).
Aber habe noch ein gutes Beispiel: Äpfel. Wie werden die so schön rot und leuchtend? Erstmal mit Farbe bepinselt und dann eine Schicht wachs drüber. Ich habe mal ein Video gesehen, wo jemand ein Feuerzeug an nem Apfel hielt und der Apfel fing danach an zu brennen.

Die meisten Skandale, die es in die Nachrichten schaffen, sind Einzelfälle

Das kann ich so nicht bestätigen. z.B allein das Problem mit dem Öl, das besteht schon Jahrelang. Viele Restaurants hängen sogar Schilder an die Tür, wo dran steht „unser Öl ist sauber“. Und viele Restaurants haben auch Kameras in den Küchen installiert, so dass die Kunden den Köchen beim Kochen zuschauen können.

Ich möchte mit diesem Artikel jetzt auch nicht China „angreifen“. Das ist nun halt, was ich von den Nachrichten höre. Überall ist es zu hören, wie in den Zeitungen, Radio, Fernsehen. Ich habe das jetzt nur angesprochen, weil das in China halt schon ein sehr öffentliches und offizielles Problem ist.

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Ragnar 09/09/2015 - 04:58

Liebe Ting-Ting,

ich wundere mich auch immer wieder, was Menschen einander und auch anderen Geschöpfen antun mögen. Und das ist überall so. Zum Glück liegt das Augenmerk staatlicher Kontrollen in Deutschland mehr auf sinnvollen Dingen. Aber wenn ich mir vorstelle wie hier bisher in der Massentierhaltung mit den Tieren umgegangen wurde und oft auch noch wird, und lange Zeit schaute niemand hin, so sieht man, dass auch hier die gleichen skrupellosen Mechanismen am Werk sind. Aber Du hast Recht: es ist wichtig, dass man das Gefühl hat, etwas unternehmen zu können.

LG Ragnar

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dieter 16/09/2015 - 22:42

verstehe dich sehr gut, ich kann da genau so einen hals bekommen. in D sind alte industriefette in lebensmittel gelangt. ein richtiges system. die strafen waren lächerlich und die firma ging in scheininsolvenz um keine zahlungen leisten zu müssen. zu den insektiziden und pestiziden. da sitzt ja nicht ein nettes pestizid auf einem apfel sondern ganze giftcocktails die in der wechselwirkung gar nicht erforscht sind. ich kenne nur eine studie. ein pestizid unter dem grenzwert ist krankheitsrisiko 0% –