Wuxi (无锡) liegt in der Provinz Jiangsu im Jangtse-Delta, etwa eine Stunde von Shanghai entfernt. Viele entdecken die Stadt erst, wenn sie China bereits ein wenig kennen. Auch für mich ist Wuxi kein klassisches Reiseziel, sondern ein Ort, zu dem ich regelmäßig zurückkehre, weil dort Verwandte meines Mannes leben.
Vielleicht sehe ich die Stadt deshalb weniger touristisch und mehr als das, was sie tatsächlich ist: eine ruhige, grüne Großstadt mit viel Wasser, viel Geschichte und erstaunlich wenig Inszenierung.
Wer Shanghai kennt, wird Wuxi als entspannter wahrnehmen. Wer Suzhou kennt, wird merken: Hier ist weniger Hochglanz.
Der Frühling ist ideal. Die Landschaft blüht, Parks und Gärten zeigen sich von ihrer schönsten Seite, und das Klima ist angenehm. Der Sommer kann heiß und schwül werden, bietet dafür aber einen besonderen Reiz rund um den Tai-See, wenn Lotusblüten blühen und sich das Leben stärker nach draußen verlagert. Herbsttage sind klar und ruhig, der Winter eher zurückhaltend – aber gerade dann zeigt sich Wuxi von seiner stillen Seite.
Der Lingshan-Berg (灵山) ist die bekannteste Sehenswürdigkeit rund um Wuxi. Die 88 Meter hohe Buddha-Statue ist nicht zu übersehen und bildet das Zentrum einer weitläufigen buddhistischen Anlage. Hier geht es nicht nur um die Statue selbst, sondern um das gesamte Areal: Tempelhallen, Wasserspiele, Ausstellungen und Ruhezonen.
Für einen Besuch sollte man sich Zeit nehmen. Das Gelände ist groß, und vieles erschließt sich erst, wenn man nicht einfach nur durchläuft. Es ist eine dieser Sehenswürdigkeiten, die beeindruckend wirkt, ohne laut zu sein – sofern man sich darauf einlässt.
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Der ehemalige Wohnsitz von Xue Fucheng, einem Diplomaten der späten Qing-Dynastie, ist heute frei zugänglich. Das Anwesen vermittelt einen guten Eindruck davon, wie wohlhabende Familien früher lebten. Viele Räume, Innenhöfe und Details erzählen Geschichten, ohne dass man viel erklärt bekommt.
Gerade im Vergleich zu großen, aufwendig inszenierten Sehenswürdigkeiten wirkt dieser Ort angenehm ehrlich.
→ Zum Reisebericht Xue Familiengarten
Der Tai-See (太湖) ist einer der größten Süßwasserseen Chinas und prägt das Stadtbild von Wuxi stark. Trotz seiner Größe wirkt er an vielen Stellen ruhig und fast meditativ. Besonders beliebt ist die Schildkrötenkopf-Insel, ein klassischer Ausflugsort mit Gärten, Aussichtspunkten und Spazierwegen.
Auch abseits der Insel gibt es rund um den See zahlreiche Parks und Aussichtspunkte. Wer Zeit hat, sollte sich bewusst einen halben Tag dafür nehmen.
→ Zum Reisebericht Tai See
Wenn man in Wuxi vom Tai-See spricht, meint man oft ganz konkret Yuantouzhu. Die Halbinsel gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte auf den See und ist besonders im Frühling sehr beliebt.
Zur Kirschblütenzeit kommen Besucher aus ganz Ostchina hierher, um entlang der Promenaden zu spazieren und den Blick auf Wasser, Hügel und Gärten zu genießen.
Außerhalb der Blütezeit ist es hier deutlich ruhiger und meiner Meinung nach fast noch schöner, weil man die Landschaft entspannter auf sich wirken lassen kann. Wer nur einen Ort am Tai-See besuchen möchte, ist hier gut aufgehoben.
Der Nanchan-Tempel stammt ursprünglich aus dem 6. Jahrhundert und liegt mitten in einem lebendigen Viertel. Tempelbesuch und Alltag gehen hier fließend ineinander über. Rund um den Tempel befinden sich Einkaufsstraßen, kleine Läden und Essensstände.
Von hier aus ist es nicht weit zur Qingming-Brücke, einem der bekanntesten Abschnitte des alten Kanalsystems. Besonders abends entfaltet die Gegend ihren Charme, wenn sich Lichter im Wasser spiegeln und das Viertel ruhiger wird.
Wuxi liegt am Großen Kaiserkanal, der ältesten und längsten künstlichen Wasserstraße der Welt. Der Abschnitt rund um die Qingming-Brücke ist einer der bekanntesten der Stadt. Alte Häuser, schmale Wasserläufe und kleine Boote vermitteln einen Eindruck davon, wie wichtig diese Wasserwege früher für Handel und Alltag waren.
Wer möchte, kann eine Bootsfahrt unternehmen – kein Muss, aber eine schöne Möglichkeit, Wuxi aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Nicht weit vom Zentrum entfernt liegt Huishan Ancient Town, ein historisches Viertel mit Tempeln, alten Wohnhäusern und ruhigen Gassen. Im Vergleich zu anderen „Ancient Towns“ in China wirkt Huishan weniger touristisch und nicht ganz so geschniegelt.
Man kann hier einfach ein wenig herumspazieren, sich die alten Brunnen und Innenhöfe anschauen oder in einem kleinen Teehaus sitzen. Für mich ist das einer der Orte in Wuxi, an denen man gut merkt, dass die Stadt eine lange Geschichte hat, ohne dass es sich wie ein Freilichtmuseum anfühlt.
Wuxi ist besonders für seine Xiao Long Bao bekannt – saftige, leicht süßliche Suppen-Teigtaschen. Viele Menschen aus Shanghai kommen extra dafür nach Wuxi. Auch die süßlich geschmorten Wuxi-Rippchen sind typisch für die Region.
Essen gehört hier nicht zu den „Must-Do-Listen“, sondern passiert ganz selbstverständlich zwischendurch – genau so, wie es sein sollte.
Wuxi ist keine Stadt für spektakuläre Selfies oder ein straffes Pflichtprogramm.
Wuxi eignet sich besonders:
• als 1–2 Tagesausflug von Shanghai
• als ruhige Ergänzung zu Suzhou
• für Reisende, die China nicht nur spektakulär erleben wollen
Man kommt nicht nach Wuxi für das eine große Highlight.
Man kommt wegen:
• der Landschaft
• der Nähe zum Tai-See
• der Mischung aus Geschichte und moderner Struktur
Wuxi ist keine Stadt der Superlative.
Aber sie funktioniert und bleibt dadurch länger im Kopf, als man erwartet.
Grundsätzliche Tipps zur Einreise, Planung und Orientierung in China habe ich in meinem großen China Reiseguide zusammengefasst.
