Do’s & don’ts in China sind für viele Reisende, Expats oder Geschäftsleute faszinierend, aber kulturell deutlich anders geprägt als Deutschland. Viele Unsicherheiten entstehen nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus fehlendem Wissen über soziale Regeln, unausgesprochene Erwartungen und kulturelle Feinheiten.
Dieser Artikel zeigt dir typische Do’s & Don’ts in China und hilft dir, klassische Fettnäpfchen zu vermeiden. Im Alltag, beim Essen, bei Einladungen und im zwischenmenschlichen Umgang. Wichtig: China ist kein statisches Land. Viele Regeln befinden sich im Wandel, besonders in Großstädten und bei jüngeren Generationen.
Begrüßung & allgemeines Verhalten
Die Begrüßung in China ist meist zurückhaltender als im Westen. Ein kurzer Händedruck ist heute zwar üblich, fällt aber oft sanfter und kürzer aus. Umarmungen oder körperliche Nähe sind außerhalb des engen Freundeskreises unüblich.
- Verbeugen: in manchen Reiseführern steht noch immer, dass sich Chinesen zur Begrüssung verbeugen. Das stimmt nicht.
- Direkt in die Augen schauen: in Deutschland gilt es als höflich dem Gegenüber direkt in die Augen zu schauen, in China kann es leicht zu aufdringlich wirken. Bei der Begegnung blickt man sich in die Augen, aber sobald man sich die Hand schüttelt, senkt man den Blick.
- Die Hand des Gegenübers zerquetschen: der chinesische Händedruck ist eher ein leichtes Hände ineinander legen.
- Wild durcheinander begrüßen: man sollte die Rangfolge bei der Begrüßung beachten. Männer werden vor Frauen begrüßt, ältere vor jüngeren, den Chef vor den Mitarbeitern.
- Frauen die Hand geben: Frauen sollte nur die Hand gegeben werden, wenn sie auch die Bereitschaft dazu signalisiert.
- Visitenkarten bei Business Meetings vergessen: Visitenkarten sind in China sehr wichtig. Hier findet ihr einen Text, worauf ihr bei der Übergabe von Visitenkarten achten solltet.
- Vorname mit dem Nachnamen verwechseln: in China kommt der Nachname zuerst, dann der Vorname.
- es kann sein, dass man am Anfang gefragt wird, ob man schon gegessen hat. Das ist in China oft eine Höflichkeitsfloskel, genau wie man in Deutschland fragt, wie es einem geht. Das mit einem einfachen nein zu beantworten ist etwas merkwürdig, auch wenn es die Wahrheit sein sollte. Am besten sagt man, man habe schon gegessen, sonst muss eventuell erstmal was gegessen werden, bevor man das Gespräch beginnt. Denn du hast ja Hunger. Es ist ähnlich, als würdest du mit einem „nicht gut“ auf das deutsche „wie gehts gehts“ antworten. „Dir gehts nicht gut? Dann stör ich dich mal besser nicht“.
Tischsitten – eines der größten Fettnäpfchen
- Sitzordnung? Ich setze mich einfach irgendwo hin: normalerweise gibt es immer eine Sitzordnung. Der Gastgeber bekommt üblicherweise den Ehrenplatz. Zu seiner linken und rechten sitzen die Ehrengäste und alle anderen nehmen die restlichen Plätze ein. Weißt du nicht, wo du dich hinsetzen sollst, warte lieber ab, bis du zugewiesen wirst.
- Die Menükarte an sich reißen und wie wild drauf los bestellen: die Bestellung wird vom Gastgeber erledigt. Bist du der Gast, solltest du das Bestellen also den anderen überlassen.
- Nichts probieren: wird einem etwas angeboten, sollte man es probieren. Alles andere gilt als Stoß vor dem Kopf. Falls du wirklich etwas nicht probieren möchtest, lass dir eine Ausrede einfallen, z.B du bist dagegen allergisch. Lobe auch ruhig das Essen. Das wird den Gastgeber freuen.
- Stäbchen senkrecht in die Reisschüssel stecken: gilt als böses Omen und sollte vermieden werden. Auch nicht mit Stäbchen auf andere zeigen oder auf Schüsseln klopfen
- Lecker gegessen, jetzt will ich eine rauchen: in China solltest du niemals dir alleine eine Zigarette anzünden. Entweder rauchst du überhaupt nicht oder bietest jedem am Tisch auch eine Zigarette an. Alles andere ist unhöflich.
- Die Rechnung bitte: wird man eingeladen bezahlt natürlich der Gastgeber. Beim gemeinsamen Essen unter Freunden kann es ganz schnell dazu kommen, dass man sich um die Rechnung zankt. Das ist eine Art Schauspiel und man sollte mehr oder weniger mitspielen.
- Wie viel Trinkgeld soll ich geben? Gar nichts. In China ist es nicht üblich Trinkgeld zu geben.
- Tischsitten: mehr über die Tischsitten kannst du hier nachlesen.
Trinken & Anstoßen
- Das Glas leer laufen lassen: in China muss das Glas immer voll sein, auch wenn das Glas mal noch nicht leer sein sollte.
- Mein Glas ist leer, deswegen schenke ich mir nur selbst ein: in der Regel schenkt man sich die Gläser gegenseitig nach. Schenke dir niemals das Glas selbst zuerst ein, sondern immer erst die Gläser der anderen, auch wenn sie noch voll sind, einige Tropfen passen bestimmt noch hinein.
- Gan Bei: fällt das Wort Gan Bei, wörtlich übersetzt „leeres Glas“ will angestoßen werden. Traditionell, war es, das Glas zu leeren – heute wird das aber nicht immer wörtlich erwartet
- Das Glas mit beiden Händen festzuhalten zollt dem Gegenüber Respekt. Das macht man oft, wenn der Gegenüber im Status höher steht als man selbst. Dabei hält die eine Hand das Glas normal und die andere Hand stützt das Glas von unten mit der Handfläche nach oben sozusagen ab.
Geschenke – gut gemeint, schnell falsch
-
Geschenke vergessen: wirst du irgendwo eingeladen solltest du Gastgeschenke mitbringen. Kommt ihr direkt aus Deutschland können es einige typisch deutsche Sachen sein. Ansonsten evtl. ein Obstkorb, Alkohol oder Zigarettenstangen.
- Geschenke mit einer Hand übergeben: Geschenke werden in China normalerweise noch im Stehen mit beiden Händen übergeben.
- Los, mach das Geschenk auf!: du solltest den beschenkten nicht auffordern, das Geschenk vor deinen Augen zu öffnen. In China wird das Geschenk geöffnet, wenn der Gast fort ist.
- Preisschild entfernen: hast du etwas teures gekauft, so kannst du das Preisschild ruhig dran lassen. Damit wird gezeigt, wie wertvoll dein Geschenk ist.
- Beim Beschenken gibt es eigentlich keine Grenzen. Es stimmt zwar, dass manche Gegenstände negativ assoziiert werden, aber trotzdem ist es nicht verboten solche Gegenstände zu verschenken.
Bringst du einem Freund eine teure Rolex Uhr aus Deutschland mit wird keiner denken: „oh mein Gott, er will, dass ich bald sterbe!“, sondern wird sich eher über das qualitätsprodukt freuen.
- In China trägt Man(n) keine grünen Mützen. In China bedeutet das Tragen von grünen Mützen so viel wie: „meine Frau hat mich betrogen“ und macht sich beim Tragen dementsprechend lächerlich. So willst du deinem Gegenüber nicht unauffällig andeutet, dass seine Frau ihn betrügt, solltest du keine grünen Hüte verschenken. Zwar wird dein Gegenüber warhscheinlich ahnen, dass du unwissend bist, trotzdem wird dein Geschenk später höchstwahrscheinlich nicht getragen.
Do’s & don’ts in China beim betreten in (fremden) Wohnungen:
- Schuhe anlassen: in China zieht man die Schuhe am Eingang aus. In der Regel stellt der Gastgeber Hausschuhe zur Verfügung.
- Ohne Geschenke antanzen: siehe Punkt 4.
- Dich unaufgefordert hinsetzen: das sollte man in Deutschland ja auch nicht tun.
- Beim Toilettengang das Toilettenpapier mitspülen: in China kommt das Toilettenpapier in einen Mülleimer neben der Toilette und nicht in die Toilette. Die Toilettensystem in China sind noch nicht ganz so perfektioniert. So kommt es oft, dass die Toiletten verstopfen wenn man das Papier mit hinein schmeißt.
Fettnäpfchen im Alltag:
- Mit dem bloßen Finger auf andere Menschen zeigen: willst du auf jemanden deuten, benutze lieber die ganze Handfläche.
- Sich so stark einparfümieren, dass man dich von 5 Metern entfernung bereits riechen kann.
- Huānyíng guānglín als Begrüßung verwechseln: betritt man ein Geschäft (Restaurant, Hotel, Kleidergeschäft, etc.) wird man mit Huānyíng guānglín begrüßt, was „herzlich Willkommen“ heißt. Man sollte diesen Gruß nicht mit den selben Worten erwiedern. Das sagen nämlich nur Angestellte in einem Geschäft.
Wissenswertes:
- In China sind Fragen nach Gehalt, Familienstand und Kindern normal. Empöre dich deswegen nicht.
- Chinesen geben oftmals nicht zu, wenn sie etwas nicht wissen. Fragst du nach dem Weg kann es oftmals passieren, dass sie dich einfach in irgendeine Richtung schicken. Am besten immer eine Person mehr fragen als zu wenige…
Gesicht wahren – ein zentrales Konzept
Eines der wichtigsten kulturellen Konzepte in China ist das sogenannte „Gesicht“. Öffentliche Kritik, Bloßstellung oder direkte Konfrontation können als sehr verletzend empfunden werden.
- Kritik möglichst indirekt und privat äußern
- Nein wird oft indirekt kommuniziert
- Ein höfliches Ausweichen bedeutet nicht automatisch Zustimmung
Dieses Prinzip erklärt viele Verhaltensweisen, die westlichen Besuchern zunächst widersprüchlich erscheinen.
Moderne Realität: Nicht alles ist noch so streng
Viele klassische „China-Regeln“ stammen aus älteren Generationen oder ländlichen Regionen. In Großstädten wie Shanghai, Shenzhen oder Beijing gelten viele Verhaltensnormen deutlich lockerer.
Auch Themen wie Essensverschwendung, lautes Verhalten oder formelle Etikette werden heute kritischer gesehen als früher – besonders von jungen Chinesinnen und Chinesen.
Das wichtigste Do lautet daher:
Beobachten, respektvoll bleiben und sich nicht über kulturelle Unterschiede stellen.
Fazit
Wer China besucht oder dort lebt, muss keine Angst haben, ständig etwas falsch zu machen. Die meisten Fettnäpfchen entstehen aus Unwissen – und werden meist großzügig verziehen.
Mit etwas Sensibilität, Offenheit und Interesse an der Kultur lassen sich die meisten Missverständnisse leicht vermeiden. China ist vielfältig, modern und im Wandel – und genau das macht den Umgang so spannend.

6 Kommentare
Danke danke danke! Nicht nur für deinen großartigen Beitrag zur Blogparade, sondern auch für das Gan Bei!
In Singapur habe ich mit vielen Chinesen zusammen gegessen und wir waren Karaoke singen. Und die älteren Herren haben mir immer Bier nachgefüllt (jetzt weiß ich auch warum) und dann Gan Bei gerufen. Dass ich das Glas leeren musste, wusste ich. Aber ich dachte immer das wäre „Kampai“ oder so gewesen. Mir ist gerade richtig ein Licht aufgegangen beim Lesen!
Danke für die wertvollen Tipps, einiges davon versteh ich jetzt im Nachhinein.
<3
Michelle
Hallo Michelle,
da warst du schneller als ich. Wollte eigentlich heute auf deinem Blog kommentieren ^^“ Hole ich dann gleich noch nach 😉
Naja, Kampai hat ja die selbe Bedeutung wie Gan Bei, nur halt in einer anderen Sprache 😀
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Hallo Ting Ting!
Danke für den spannenden Beitrag! ICh habe ihn gerne gelesen.
Viele Grüße aus Paris
Feli
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