Do’s & Don’ts in China – typische Fettnäpfchen und Verhaltensregeln

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 13,4K Aufrufe 6 Minuten Lesezeit

Do’s & Don’ts in China sind für viele Reisende, Expats und Geschäftsleute faszinierend, aber kulturell deutlich anders geprägt als in Deutschland. Viele Unsicherheiten entstehen nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus fehlendem Wissen über soziale Regeln, unausgesprochene Erwartungen und kulturelle Feinheiten.

Dieser Leitfaden hilft dir, klassische Fettnäpfchen bei der Begrüßung, beim Essen, beim Trinken und im Alltag zu vermeiden.

💡 Hinweis: Wenn du dich intensiv auf eine Reise vorbereitest, findest du weitere Grundlagen in meiner Übersicht China Reisetipps – Vorbereitung & Orientierung

1. Begrüßung & Allgemeines Verhalten

Die Begrüßung in China ist meist zurückhaltender als im Westen. Ein kurzer Händedruck ist heute üblich, fällt aber oft sehr sanft aus.

  • Kein tiefes Verbeugen: In vielen alten Reiseführern steht noch, dass man sich zur Begrüßung verbeugt. Das ist im modernen Alltag unüblich.
  • Sanfter Händedruck: Zerquetsche dem Gegenüber nicht die Hand. Ein leichtes Ineinanderlegen der Hände reicht völlig aus.
  • Blickkontakt anpassen: Ständiges, direktes In-die-Augen-Schauen kann aufdringlich wirken. Beim Händeschütteln senkt man höflich den Blick.
  • Rangfolge beachten: Begrüße Ältere vor Jüngeren, Männer vor Frauen und Führungskräfte vor Mitarbeitern.
  • Namen richtig zuordnen: In China steht der Nachname immer an erster Stelle, danach folgt der Vorname.
  • Visitenkarten bei Business Meetings vergessen: Reist du geschäftlich nach China, schau dir mein Guide über die Visitenkarten in China an.

Wissenswertes Floskel: Fragen wie „Hast du schon gegessen?“ (Chi le ma?) sind oft nur eine Höflichkeitsfloskel – ähnlich wie das deutsche „Wie geht’s?“. Antworte am besten einfach mit „Ja“, da dein Gegenüber sonst glaubt, dich sofort bewirten zu müssen.


Tischsitten – eines der größten Fettnäpfchen

Essen ist in China ein
soziales Ereignis. Gegessen wird gemeinsam, Gerichte stehen in der
Mitte und werden geteilt. Individuelle Hauptgerichte wie in Deutschland
sind unüblich.

  • Sitzordnung? Ich setze mich einfach irgendwo hin: normalerweise gibt es immer eine Sitzordnung. Der Gastgeber bekommt üblicherweise den Ehrenplatz. Zu seiner linken und rechten sitzen die Ehrengäste und alle anderen nehmen die restlichen Plätze ein. Weißt du nicht, wo du dich hinsetzen sollst, warte lieber ab, bis du zugewiesen wirst.
  • Die Menükarte an sich reißen und wie wild drauf los bestellen: die Bestellung wird vom Gastgeber erledigt. Bist du der Gast, solltest du das Bestellen also den anderen überlassen.
  • Nichts probieren: wird einem etwas angeboten, sollte man es probieren. Alles andere gilt als Stoß vor dem Kopf. Falls du wirklich etwas nicht probieren möchtest, lass dir eine Ausrede einfallen, z.B du bist dagegen allergisch. Lobe auch ruhig das Essen. Das wird den Gastgeber freuen.
  • Stäbchen senkrecht in die Reisschüssel stecken: gilt als böses Omen und sollte vermieden werden. Auch nicht mit Stäbchen auf andere zeigen oder auf Schüsseln klopfen
  • Lecker gegessen, jetzt will ich eine rauchen: in China solltest du niemals dir alleine eine Zigarette anzünden. Entweder rauchst du überhaupt nicht oder bietest jedem am Tisch auch eine Zigarette an. Alles andere ist unhöflich.
Wissenswertes: 
  • Die Rechnung bitte: wird man eingeladen bezahlt natürlich der Gastgeber. Beim gemeinsamen Essen unter Freunden kann es ganz schnell dazu kommen, dass man sich um die Rechnung zankt. Das ist eine Art Schauspiel und man sollte mehr oder weniger mitspielen.
  • Wie viel Trinkgeld soll ich geben? Gar nichts. In China ist es nicht üblich Trinkgeld zu geben.
  • Tischsitten: mehr über die Tischsitten kannst du hier nachlesen.

  • Sitzordnung beachten: Setze dich nicht einfach irgendwo hin. Der Gastgeber besetzt den Ehrenplatz, Gäste werden platziert.
  • Stäbchen-Tabus einhalten: Stecke deine Stäbchen **niemals senkrecht in die Reisschüssel** – das erinnert an Beerdigungsrituale und gilt als böses Omen. Zeige zudem nie mit Stäbchen auf Personen.
  • Nichts ablehnen: Wird dir ein Gericht angeboten, probiere es zumindest höflich.
  • Zigaretten teilen: Wenn du am Tisch rauchst, zünde dir nie alleine eine Zigarette an, sondern biete der ganzen Runde Stangen/Zigaretten an.

2. Fettnäpfchen beim Essen & Tischsitten

Essen ist in China ein gemeinschaftliches Ereignis. Die Gerichte stehen in der Mitte und werden geteilt.

  • Sitzordnung beachten: Setze dich nicht einfach irgendwo hin. Der Gastgeber besetzt den Ehrenplatz, Gäste werden platziert.
  • Stäbchen-Tabus einhalten: Stecke deine Stäbchen niemals senkrecht in die Reisschüssel – das erinnert an Beerdigungsrituale und gilt als böses Omen. Zeige zudem nie mit Stäbchen auf Personen.
  • Nichts ablehnen: Wird dir ein Gericht angeboten, probiere es zumindest höflich.
  • Zigaretten teilen: Wenn du am Tisch rauchst, zünde dir nie alleine eine Zigarette an, sondern biete der ganzen Runde Stangen/Zigaretten an.
Einen ausführlicheren Guide über die Tischsitten in China findest du im Artikel: Tischsitten in China

3. Trinken, Anstoßen & Gan Bei

  • Nicht nur sich selbst nachschenken: Schenke immer zuerst den Gläsern deiner Sitznachbarn nach, bevor du dein eigenes Glas auffüllst.
  • Was bedeutet „Gan Bei“? Fällt der Spruch Gan Bei (wörtlich: „leeres Glas“), wird angestoßen. Heute muss das Glas nicht immer auf ex geleert werden, ein kräftiger Schluck reicht meist.
  • Respekt zeigen beim Anstoßen: Hältst du dein Glas beim Anstoßen mit beiden Händen (eine Hand stützt den Boden), erweist du deinem Gegenüber besonderen Respekt.


4. Geschenke & Warum man keine grünen Hüte verschenkt

Geschenke spielen eine große Rolle, haben aber kulturelle Fallstricke:

  • Geschenke mit beiden Händen übergeben: Das zeigt Wertschätzung und Respekt.
  • Nicht sofort öffnen: Öffne ein Geschenk nicht direkt vor den Augen des Schenkenden, sondern erst, wenn der Gast fort ist.
  • Grüne Hüte sind tabu: Verschenke in China niemals eine grüne Mütze oder einen grünen Hut. Die Redewendung „einen grünen Hut tragen“ bedeutet im Chinesischen, dass man von seiner Partnerin betrogen wird!
  • Keine Uhren verschenken: „Eine Uhr schenken“ (sòng zhōng) klingt lautmalerisch wie „jemanden auf seinem letzten Weg begleiten“ (Beerdigung). 
  • Preisschild entfernen: hast du etwas teures gekauft, so kannst du das Preisschild ruhig dran lassen. Damit wird gezeigt, wie wertvoll dein Geschenk ist. 
Falls du dich fragst, welche Gastgeschenke aus Deutschland gut bei Chinesen ankommen, schau dir meine Tipps „Was aus Deutschland Chinesen schenken? “ an. 

Wissenswertes: 

  • Beim Beschenken gibt es eigentlich keine Grenzen. Es stimmt zwar, dass manche Gegenstände negativ assoziiert werden, aber trotzdem ist es nicht verboten solche Gegenstände zu verschenken. 
    Bringst du einem Freund eine teure Rolex Uhr aus Deutschland mit wird keiner denken: „oh mein Gott, er will, dass ich bald sterbe!“, sondern wird sich eher über das qualitätsprodukt freuen.

5. Fettnäpfchen in fremden Wohnungen & im Alltag

  • Schuhe ausziehen: Beim Betreten einer Wohnung werden am Eingang die Schuhe ausgezogen. Der Gastgeber stellt meist Hausschuhe bereit.
  • Toilettenpapier in den Mülleimer: In vielen Gebäuden gehört das Papier in den Mülleimer neben der Toilette, da die Rohre sonst schnell verstopfen.
  • Zeigen mit der Handfläche: Deute nicht mit dem bloßen Zeigefinger auf Menschen, sondern nutze die offene Handfläche.
  • Wichtige Verhaltensregel: Betrittst du ein Geschäft, wirst du oft mit Huānyíng guānglín („Herzlich Willkommen“) begrüßt. Man sollte diesen Gruß nicht mit den selben Worten erwiedern. Das sagen nämlich nur Angestellte in einem Geschäft. 


6. Das Prinzip „Gesicht wahren“ (Mianzi)

Öffentliche Kritik, Bloßstellung oder direkte Konfrontation führen in China dazu, dass Personen ihr „Gesicht verlieren“. Äußere Kritik daher immer nur privat und indirekt. Ein höfliches Ausweichen oder Zögern bedeutet in der Regel ein klares „Nein“.

Interessierst du dich über das chinesische Verhalten, dann interessiert dich vielleicht der Artikel: Benehmen in China, was in China höflich ist und für uns unhöflich wirkt.


Moderne Realität: Nicht alles ist noch so streng

Viele klassische „China-Regeln“ stammen aus älteren Generationen oder ländlichen Regionen. In Großstädten wie Shanghai, Shenzhen oder Beijing gelten viele Verhaltensnormen deutlich lockerer.

Auch Themen wie Essensverschwendung, lautes Verhalten oder formelle Etikette werden heute kritischer gesehen als früher – besonders von jungen Chinesinnen und Chinesen. Das wichtigste Do lautet daher:

Beobachten, respektvoll bleiben und sich nicht über kulturelle Unterschiede stellen.


Fazit

Wer China besucht oder dort lebt, muss keine Angst haben, ständig etwas falsch zu machen. Die meisten Fettnäpfchen entstehen aus Unwissen – und werden meist großzügig verziehen.

Mit etwas Sensibilität, Offenheit und Interesse an der Kultur lassen sich die meisten Missverständnisse leicht vermeiden. China ist vielfältig, modern und im Wandel – und genau das macht den Umgang so spannend.

Adblock erkannt

Bitte unterstützen Sie uns, indem Sie die AdBlocker-Erweiterung Ihres Browsers für unsere Website deaktivieren.