Qixi, das chinesische Fest der liebenden

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Veröffentlicht: Aktualisiert: 13,6K Aufrufe 3 Minuten Lesezeit
Es gibt in China ein Fest, das leiser ist als der westliche Valentinstag und gleichzeitig viel älter. Kein Feuerwerk, keine großen Worte, sondern eine Geschichte, die man seit Jahrhunderten weitererzählt. Eine Geschichte über Nähe und Trennung, Geduld und ein Wiedersehen, das nur einmal im Jahr erlaubt ist.

七夕 [Qīxì] wird oft als „chinesischer Valentinstag“ bezeichnet. Doch diese Bezeichnung greift zu kurz. Qixi ist kein Fest des schnellen Liebesbeweises, sondern eines der Sehnsucht. Es erinnert an zwei Menschen, die sich lieben, aber voneinander getrennt wurden und daran, wie kostbar selbst ein einziger gemeinsamer Abend sein kann.

Gefiert wird Qixi am siebten Abend des siebten Tages im siebten Monat des Mondkalenders. Das Datum wechselt jedes Jahr, die Geschichte dahinter bleibt.

Die Legende von Niulang und Zhinü

Zhinü war eine begabte Weberin, die siebte Tochter des Jadekaisers. Ihre Hände erschufen Wolken und Gewänder für den Himmel, doch ihr Herz sehnte sich nach mehr als Pflicht und Ordnung. Eines Tages stieg sie auf die Erde hinab.

Dort begegnete sie Niulang, einem armen Kuhhirten. Seine Eltern waren früh gestorben, sein Leben war einfach und schwer. Er lebte zurückgezogen, begleitet nur von seinem Ochsen. Wenn er die Tiere hütete, spielte er Flöte – leise Melodien, die mehr erzählten als Worte.

Zhinü hörte diese Musik und blieb stehen. Nicht sein Besitz, nicht sein Aussehen zog sie an, sondern seine Ruhe, seine Freundlichkeit. Aus einer Begegnung wurde Liebe. Die beiden heirateten, lebten gemeinsam auf der Erde und bekamen Kinder. Für eine kurze Zeit war ihr Leben unspektakulär – und genau darin lag ihr Glück.

Doch dieses Glück blieb nicht unbemerkt.

Als der Jadekaiser von der Verbindung seiner Tochter mit einem Sterblichen erfuhr, wurde er zornig. Eine solche Liebe war im Himmel nicht vorgesehen. Er befahl, Zhinü zurückzuholen.


Trennung, Opfer und die Milchstraße

Niulang erfuhr von der Entführung seiner Frau durch seinen Ochsen, der sprechen konnte. Um ihr zu folgen, opferte sich das Tier: Niulang zog dessen Fell über und machte sich auf den Weg in den Himmel.

Er war Zhinü bereits nah, als der Jadekaiser ihn entdeckte. In seiner Wut zog er mit einer Haarnadel einen silbernen Fluss zwischen die Liebenden – die Milchstraße. Auf der einen Seite Niulang, auf der
anderen Zhinü. Sie konnten einander sehen, aber nicht erreichen.

So standen sie lange dort, getrennt, doch unbeugsam in ihrer Liebe. Schließlich erweichte das Herz des Jadekaisers. Er erlaubte ihnen, sich einmal im Jahr zu treffen: am siebten Abend des siebten Monats. An diesem Tag versammeln sich Elstern und bilden eine Brücke über die
Milchstraße.

Von der Erde aus erkennt man sie als zwei helle Sterne: Altair als Niulang und Wega als Zhinü – einander gegenüber, getrennt durch den Himmel.

Qixi heute – leise, aber präsent

Die Geschichte von Niulang und Zhinü wurde über Generationen hinweg weitererzählt. Dennoch ist Qixi heute für viele nur noch „der chinesische Valentinstag“. Blumen, Geschenke und Restaurantbesuche haben alte Rituale ersetzt.

Früher war Qixi auch ein Tag für junge Frauen. Sie beteten zu Zhinü um Geschicklichkeit, Weisheit und eine gute Zukunft. In einer Welt, in der Handarbeit und Weben zum Alltag gehörten, hatte dies eine ganz andere Bedeutung als heute.

Nur wenige blicken an diesem Abend noch bewusst zum Himmel. Doch die Geschichte lebt weiter, nicht laut, nicht aufdringlich, sondern still. Genau wie das Fest selbst.

Wenn du dich generell für chinesische Feiertage interessierst, lohnt sich ein Blick in meinen Überblick.

 

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20 Kommentare

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ophelia 14/08/2013 - 12:49

Das ist aber eine schöne Geschichte, herzzerreißend. Wir machen auch keinen großen „Aufstand“ am Valentinstag, aber wir kochen was Leckeres und machen es schön gemütlich. Ich bekomme aber oft eine Rose von meinem Mann, aber das macht er auch manchmal zwischendurch.
Ich kann mir vorstellen, das Deine „Heimat“ sich nicht so einfach definieren lässt. Das ist ähnlich, wenn man seine Heimat verlässt, so wie wir. In Deutschland gehören wir bei unseren Freunden nicht mehr richtig dazu, weil wir nicht mehr dort wohnen und uns nur noch selten sehen, da gerät man in Vergessenheit, nicht bei allen, aber bei vielen. In der Schweiz ist es schwer neue Freunde zu finden, was auch nicht leichter wird, wenn man Deutsche ist. Aber wir arbeiten daran, es braucht halt alles seine Zeit. Heute Abend gehen wir auf jeden Fall essen und zwar mit einem deutschen Ehepaar, das auch vor Jahren in die Schweiz gezogen ist. Mal sehen, vielleicht ergibt sich ja hier eine nette Bekanntschaft….
Liebe Grüße, Ophelia

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Ting Ting 15/08/2013 - 15:15

Ich habe gerade etwas in deinem Blog herumgestoebert und bin auf die Artikel „Abschied und Neuanfang“ und „mein erstes Jahr in der Schweiz“ gestossen. Vieles was du dort berichtet und hier auch in diesem Kommentar geschrieben hast, kommt mir sehr bekannt vor. Ich bin aber auch beruhigt, dass es nicht nur mir so geht :)
In Ningbo gibt es auch nicht so viele Deutsche, bzw. ich kenne kaum welche. Nur einen 70 Jaehrigen alten Mann, der zwar nett ist und ich auch ab und an mit ihm plaudere, aber da ist der Altersunterschied einfach zu gross. Und dann kenne ich noch eine Frau, die fast in meinem Alter ist. Sie lebt zwar auch in Ningbo, aber in einem ganz anderen Bezirk. Da muesste ich schon 70 Minuten mit dem Bus fahren…ist also gar nicht so einfach :(

Jedenfalls hoffe ich, dass ihr einen schoenen Abend miteinander verbracht habt :)

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Dunkelangst 14/08/2013 - 14:43

Als ich vor einem Jahr in Taiwan war, wurde allen Mädels im Bekanntenkreis zu diesem Tag ein fröhlicher Valentinstag gewünscht, unabhängig davon. Nur die fest angetraute Frau bekam auch Blumen.

In diesem Sinne: Ting Ting, alles Gute zum Valentinstag, wenn auch ein Tag verspätet… :)

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Ting Ting 15/08/2013 - 14:45

Lach…sagt man dann „Qi Xi Kuai Le“? :D
Und was haben dann die Frauen erwidert? …. Mit Danke? ;)

Danke fuer die Info, haette ich nicht gedacht, dass man auch beim Valentinstag „happy valentinesday“sagt…oder sagt man das auf Englisch sogar auch so? Mhh.

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Dunkelangst 16/08/2013 - 01:11

Und was haben dann die Frauen erwidert?

謝謝 – Xièxiè – Danke

(Und wie soll ich jetzt antworten…?)
Mh…Danke?

Genau so! :D :D

Ehrlich gesagt: ich hab keine Ahnung, ob das die Taiwaner mit ihren Taiwanesinnen machen. Von mir als Ausländer wurde das erwartet. Vielleicht auch nur ein Versuch der Heiratsvermittler? Nur weshalb sollte ich das auch bei Frauen machen, die vergeben waren und neben denen zudem der Ehemann saß?

Das ist wohl eine der vielen Fragen, welche geblieben ist… ;)

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Ting Ting 17/08/2013 - 08:41

Ich habe gerade eine chinesische Bekannte gefragt, ob es normal ist, dass man jemanden zu diesem Fest gratuliert. Ihre Antwort war einfach
„Warum denn nicht?“ ^^

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Kalisi 14/08/2013 - 22:55

Oh, die Legende ist echt niedlich.
Ich wusste gar nicht das China seinen ganz eigenen Valentinstag hat. Aber interessant sowas. :3

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Ting Ting 15/08/2013 - 14:46

Ich wusste auch erst seit letztem Jahr, dass es in China so einen Feiertag gibt ^^

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Bbirgit 07/08/2018 - 22:57

Das finde ich eher schade, dass die Chinesen und Chinesinnen den Valentinstag westlich feiern und die alten Traditionen in Vergessenheit geraten. LG Birgit

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Simone 08/08/2018 - 20:01

China ist so ein außergewöhnliches Land und Valentinstag ist auch ein besonderer Brauch. Mich wundert aber, dass es dort diesen westlichen „Brauch“ auch gibt. Aber sonst sehr niedlich!
LG Simone von http://www.prettylittlesummer.at

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Loving Carli 08/08/2018 - 20:20

Finde es immer interessant etwas über andere Kulturen zu erfahren. Ich wusste nicht mal, dass es in China überhaupt einen Valentinstag gibt.

Liebe Grüße
Melanie von https://www.lovingcarli.com

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Avaganza 09/08/2018 - 22:31

Vielen Dank für diese tolle Legende! Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht dass es überhaupt einen Valentinstag in China gibt. Die Geschichte ist sehr rührend und ich freue mich auf deinen Blog gestoßen zu sein. Du hast schöne und vor allem interessante Beiträge darauf.

Liebe Grüße
Verena

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Kai 04/08/2022 - 22:38

Hallo TIngTing, Danke für die schöne Geschichte und die Erinnerung daran mir den Sternenhimmel anzusehen …auch wenn er von hier (DE, HBS) etwas anders erscheint … Liebe Grüße, Kai

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Ting Ting 08/08/2022 - 10:23

Hallo Kai,
vielen Dank für deinen Kommentar. Hoffe du konntest den Sternenhimmel genießen. Zwar anders, aber von überall aus ist er ja schön ;)

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KAI 10/09/2022 - 10:10

Ja … :)

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Helge Loidet 05/08/2022 - 09:32

Liebe Ting Ting seid ich die vielen chinesische Filme im Internet entdeckt habe und mir regelmäßig Serien anschaue die im alten China spielen bin ich ganz begeistert von der Feinheit und Schönheit alter chinesischer Tradition.
Ich habe mir bereits chinesische Sprachkurse besorgt um auch den originalen Texten ein wenig besser folgen zu können.
Deine Geschichte mit den beiden Liebenden passt da wunderbar hinein. Vielen, vielen lieben Dank dafür .
Ich hätte da noch eine Bitte !
Wäre wunderschön wenn du mir helfen Könntest Original chinesischen Wein, Mondkuchen und Osmanthuskeks zu besorgen und eventuell noch chinesische Fertiggerichte und dies wunderschönen Steinlaternen für den Garten und große bunte Lampions !
LOL ich weiß ein wenig viel ……
Liebe Grüße aus dem Waldviertel im Norden von Österreich wo ich in meinem Landhaus, umgeben von einem kleinen Park mit Wasserspielen lebe
Helge aka Ywenor Xavier in FB

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Ting Ting 08/08/2022 - 10:38

Hallo Helge,
die meisten Sachen solltest du im Asia Markt finden können, wenn es einen bei dir in der Nähe gibt. Ansonsten bekommt man heutzutage ja fast alles online. Für Mondkuchen ist jetzt die beste Zeit, da ja bald das Mondfest bevor steht gibt es sie fast überall zu kaufen. https://freshasia.de/de/140-neu Hier habe ich letztes Jahr meine Mondkuchen gekauft und Fertiggerichte gibt es auch.
Das Gleiche auch mit Steinlaternen und Lampions. Es ist nicht viel günstiger, sie direkt aus China zu bestellen, aufgrund der Versandkosten, die zur Zeit ja wahnsinnig gestiegen sind.. :(

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Bruno 31/07/2023 - 09:52

Hallo Ting Ting!
Was schenkt man sich denn an diesem Fest? So wie uns z.B. Blumen oder eher Süßigkeiten?
Danke für eine kurze Antwort!
PS: Warum gibt es dieses Jahr keinen Feiertagskalender?

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Ting Ting 15/08/2023 - 19:18

Hallo Bruno,
heutzutage haben sich die Chinesen viel vom Westen abgeschaut. An Geschenken ist es nun ziemlich ähnlich. Rosen oder Schokolade, beides ist ok. Kann natürlich auch was anderes sein wie Taschen, Lippenstifte, etc. ;)
Hatte nicht das Gefühl, das der Kalender überhaupt „gesehen“ wurde. Werde aber für nächstes Jahr wieder einen erstellen :)

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Tim 17/01/2024 - 10:44

Was für eine faszinierende Geschichte und Tradition! Es ist wunderbar, die tiefe Bedeutung und die romantische Legende hinter dem Qixi-Fest zu erfahren. Die Liebe zwischen Niulang und Zhinü, die über Himmel und Erde hinweg geht, zeigt die Kraft der wahren Liebe, die selbst durch Schwierigkeiten und Hindernisse überdauert.

Es ist schade zu hören, dass einige der alten Bräuche und Traditionen des Qixi-Fests langsam verblassen. Dennoch ist es ermutigend zu wissen, dass Menschen weiterhin die Geschichte teilen und das Fest auf ihre eigene moderne Weise feiern. Die Verbindung zwischen den hellen Sternen Altair und Vega an diesem besonderen Tag spiegelt die tiefe Symbolik des Qixi-Fests wider.

Möge diese schöne Tradition weiterleben und die Liebe, Weisheit und Geschicklichkeit, die in der Legende verwoben sind, in den Herzen der Menschen fortleben. Es ist erstaunlich, wie kulturelle Feste wie Qixi die Geschichte und die Werte einer Gesellschaft widerspiegeln und gleichzeitig Raum für Veränderungen und Anpassungen lassen. Danke für das Teilen dieser inspirierenden Einblicke in das Qixi-Fest!

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