Die Schule in China – Schulalltag, Schulsystem und die Schuluniform

by Avatar-FotoTing Ting
Veröffentlicht: Aktualisiert: 12,6K Aufrufe 2 Minuten Lesezeit
In China beginnt der schulische Weg früh – und endet für viele sehr spät am Abend. Das chinesische Schulsystem unterscheidet sich in vielen Punkten stark von dem in Deutschland, nicht nur im Aufbau, sondern vor allem im Alltag und im Leistungsdruck.

Eingeschult werden Kinder in der Regel mit sechs oder sieben Jahren. Die Grundschule (小学) dauert sechs Jahre, daran schließt sich die dreijährige Mittelstufe (中学) an. Diese neun Jahre gelten als Pflichtschulzeit. Danach können Schüler die Oberstufe besuchen, die jedoch nicht mehr vollständig kostenfrei ist. Wer später studieren möchte, muss am Ende der Oberstufe die landesweite Hochschulaufnahmeprüfung, die sogenannte Gao Kao (高考), bestehen.

Bereits vor der eigentlichen Einschulung besuchen viele Kinder mehrere Jahre den Kindergarten. Gerade in Städten ist es üblich, dass Kinder schon ab drei Jahren in Vorschuleinrichtungen betreut werden. Lernen beginnt also oft deutlich früher, als es der offizielle Schulbeginn vermuten lässt.

Die Klassen sind groß. Eine Klassengröße von 40 bis 50 Schülern ist keine Seltenheit. Schminken ist an öffentlichen Schulen nicht erlaubt, ebenso wenig auffälliger Schmuck oder gefärbte Haare. Auch Dating unter Schülern ist offiziell untersagt, wird aber natürlich trotzdem nicht komplett verhindert.

Die chinesische Schuluniform

In China herrscht Schuluniformpflicht – von der Grundschule bis zur Oberstufe. Die bekannteste Uniform ist der Sportanzug, der sich seit den 1990er-Jahren flächendeckend durchgesetzt hat. Jungen und Mädchen tragen meist identische Trainingsanzüge, häufig in Blau-, Rot- oder Grüntönen.

Manche Schulen setzen zusätzlich auf weiße T-Shirts oder Hemden, kombiniert mit dunklen Hosen und einem roten Halstuch. An wenigen privaten Schulen existieren auch Uniformen im japanischen Stil, etwa Matrosenanzüge oder Faltenröcke. Diese sind jedoch eher die Ausnahme.

Sommer- und Winteruniformen unterscheiden sich meist nur durch das Material, nicht durch den Schnitt. Der Sportanzug bleibt. Viele chinesische Schüler finden diesen Stil selbst wenig attraktiv und beneiden andere Länder um „schönere“ Schuluniformen.

Der Schulalltag in China

Der Schultag beginnt früh. Morgens versammeln sich die Schüler auf dem Schulhof, die Nationalflagge wird gehisst und die Nationalhymne gesungen. Unterricht findet in der Regel an fünf Tagen pro Woche statt, an manchen Schulen auch samstags.

Ein normaler Schultag dauert oft von etwa 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr. Für viele Schüler endet der Tag dort jedoch nicht. Zusatzunterricht, Förderstunden oder betreutes Lernen am Abend sind weit verbreitet. Manche Schüler bleiben bis 18 Uhr oder länger in der Schule.

Dazu kommen umfangreiche Hausaufgaben. Lernen zieht sich für viele Kinder vom frühen Morgen bis spät in den Abend. Freizeit im westlichen Sinne ist begrenzt, besonders in höheren Klassenstufen.

Freizeit, Nachhilfe und Leistungsdruck

Wochenenden sind selten wirklich frei. Viele Kinder besuchen Nachhilfe, Musik- oder Tanzunterricht oder lernen zusätzliche Fremdsprachen. Diese Kurse werden meist von den Eltern organisiert, oft aus Angst, dass ihr Kind sonst im späteren Wettbewerb untergeht.

Zeigen Schüler schlechte Leistungen, werden Eltern häufig in die Schule einbestellt. Kritik durch Lehrer gilt als besonders beschämend – nicht nur für das Kind, sondern für die gesamte Familie. Der sogenannte „Gesichtsverlust“ spielt dabei eine große Rolle und verstärkt den Druck zusätzlich.

In den letzten Jahren gab es jedoch auch Reformen. Der Staat versucht, den Leistungsdruck etwas zu senken, Hausaufgaben zu begrenzen und Kindern mehr Schlaf und Bewegung zu ermöglichen. In der Praxis sind diese Veränderungen je nach Region sehr unterschiedlich spürbar.

Nicht jeder Weg führt zur Universität

Auch wenn es oft so wirkt: Nicht jeder Schüler strebt automatisch die Universität an. Nach der Pflichtschulzeit entscheiden sich viele Jugendliche für Berufsschulen oder technische Ausbildungswege. Diese Optionen gewinnen langsam an Bedeutung, auch wenn akademische Abschlüsse gesellschaftlich weiterhin höher angesehen sind.

Meine persönliche Einschätzung

Ich sehe das chinesische Schulsystem kritisch. Der Fokus liegt stark auf Auswendiglernen, Prüfungen und Anpassung. Kreativität, Eigenständigkeit und kritisches Denken kommen oft zu kurz. Viele junge Menschen sind extrem belastbar – aber auch früh erschöpft.

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass der Konkurrenzdruck enorm ist. Wer sich nicht anpasst, riskiert, den Anschluss zu verlieren. Dieses System formt leistungsstarke Schüler, fordert aber einen hohen persönlichen Preis.

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6 Kommentare

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Maricel 17/01/2014 - 17:09

Also entweder sackartige Jogginganzüge oder altkommunistische
Blusen mit Halstuch….vorteilhaft ist das nicht.
Und…nicht schminken können…geht gar nicht !
Passt nicht zu einem modernen China !

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Yumehito 14/07/2014 - 01:45

Keine Beziehung eingehen zu finde ich nicht so gut. Na klar möchte ich nicht, dass man sich auf dem Schulhof „auffrisst“, aber die Heimlichtuerei ist für den späteren Karriereverlauf auch nicht vorteilhaft. Darf man erst nachdem man Karriere gemacht hat „lieben“ .-.?
Wirklich sehr interessanter Blog !

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Ting Ting 14/07/2014 - 21:29

Ich glaube viele denken auch noch, dass die noch viel zu jung für Beziehungen sind… (nur meine Vermutung). Wenn ich mit meinem Mann durch die Stadt laufe und er ein junges Pärchen in Schuluniform sieht, rümpft er nur die Nase: „Also sowas hätte man damals nie öffentlich auf der Straße gesehen“.
Die Chinesen sind da der Meinung, dass das das Lernen beeinflusst und sich dadurch die Noten verschlechtern, weil man ja nur noch Liebe im Kopf hat.
Die Chinesen haben da einfach ne ganz andere Denkweise O.O

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horst-dieter 04/07/2015 - 21:15

Hallo Ting Ting,
die Auffassung deines Mannes, könnte urdeutsch sein. Auch was du über die Regeln für Chin. Schüler schreibst, kommen älteren Deutschen sehr bekannt vor.
Bis etwa 1955 legte man Beamtinnen, wenn sie heirateten, nahe, ihren Dienst zu quittieren. Das ist auch der Grund, warum es viele ältere Lehrerinnen (Beamtinnen) gab, die unverheiratet blieben. Sollten sie mal Männerbesuch haben, war es angezeigt, das der spätetstens um 10:00h die Wohnung verließ und das bei Volljährigkeit. Bis etwa 1970 war es quasi unmöglich bei der Freundin/Freund zu übernachten. Denn, wenn es dem bösen Nachbarn mißviel, konnte er die Eltern wg. Kuppelei anzeigen und die Polizei mußte kommen. Und bis 1960 konnte der Ehemann ohne es begründen zu müssen den Beruf seiner Frau kündigen. Sie konnte auch ohne seine Genehmigung kein Konto einrichten.
zB mußten in Australien Beamtinnen, wenn sie heirateten, umgehend ihren Beruf aufgeben. Du siehst, das Leben damals war für Frauen sehr restriktiv.
mfg hdw

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Ting Ting 06/07/2015 - 11:53

Hallo Horst Dieter,
da wird einem mal wieder bewusst, wie schnell sich Zeiten ändern können…
Meiner Meinung nach ist es in Deutschland jetzt aber zu extrem ins Gegenteil gerutscht. Die Eltern viel zu locker zu den Kindern. Wenn man bedenkt, wie früh die Kinder schon mit allem anfangen.
Wenn ich sehe, wie 12jährige schon einen auf „erwachsen“ tun…. finde ich schlimm sowas. Aber naja, das ist nur meine persönliche Meinung.

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Die Terrakotta Armee – Ein Ausflug zum ersten Kaiser von China - EastRails 19/03/2022 - 18:58

[…] Wie gesagt, man fährt nicht wirklich durch die Provinz. Aber es sind dann doch nochmal etwas andere Eindrücke als im touristischen Radius des Glockenturms und der Museen. Auf meiner ersten Rückfahrt etwa haben in einem Ort gerade die Schulglocken geläutet. Die Schüler gehen heim und werden auf E-Rollern abgeholt. Sie tragen eher traditionell wirkende Uniformen, mit jungpionierigen Halsbändern. In den Großstädten sind mir die Schulkinder eher wegen ihrer etwas lässigeren Sportmontur aufgefallen. Vielleicht ist es auch nur Zufall. Die blaue Farbe der Uniform scheint jedenfalls universell zu sein (Quelle: Ting Ting´s Nest). […]

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